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Aus für das AKW Grohnde: Den Rückbau im Blick

EMMERTHAL. Preussen Elektra als Betreiber hat anlässlich der Abschaltung der Atomkraftwerke Grohnde und Brokdorf noch einmal deren besondere Bedeutung hervorgehoben. Sie seien zum Jahreswechsel kurz vor Mitternacht planmäßig abgeschaltet worden.

Autor:

Christian Sperlich

„Damit enden über 35 beziehungsweise 36 Jahre sichere und zuverlässige Stromproduktion in Schleswig-Holstein und Niedersachsen“, heißt es in der Mitteilung vom Neujahrstag. „Mit Brokdorf und Grohnde sind außerdem zwei Weltmeister für immer vom Netz gegangen.“

In Grohnde seien seit dem 5. September 1984 fast 410 Milliarden Kilowattstunden Strom (brutto) produziert worden – so viel wie in keinem anderen Kraftwerksblock weltweit. Der Druckwasserreaktor an der Weser sei insgesamt acht Mal Weltmeister in der Jahresstromerzeugung und habe dabei zwei Weltrekorde aufgestellt, begründet Preussen Elektra. Die Anlage an der Elbe sei zwei Mal Weltmeister bezogen auf die jährlich erzeugte Strommenge gewesen und rangierte insgesamt 21 Mal in den internationalen Top Ten.

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„Unser allerherzlichster Dank gilt an dieser Stelle unseren Kraftwerksmannschaften, die über Jahre hinweg eine hervorragende Arbeit gemacht haben“, zitiert der Betreiber anlässlich der endgültigen Abschaltung der Kernkraftwerke Brokdorf und Grohnde in der Mitteilung Dr. Guido Knott, Geschäftsführungsvorsitzender der Preussen Elektra. Damit sei über Jahrzehnte entscheidend zur sicheren, klimafreundlichen und zuverlässigen Stromversorgung in Deutschland beigetragen worden. Knott weiter: „Nach der Abschaltung blicken wir nun nach vorn, denn es erwarten uns im Rückbau viele neue spannende Aufgaben und Herausforderungen.“

Rückbau „mit der uns eigenen Professionalität und Sorgfalt umsetzen“: Kraftwerksleiter Michael Bongartz. Fotos: branahl

„Für uns alle war das ein sehr emotionaler Moment“, heißt es in einer von Preussen Elektra veröffentlichten Videobotschaft des Grohnder Anlagenleiters Michael Bongartz anlässlich der Abschaltung der Anlage (https://youtu.be/kT9UIin5Rcg). Fast vier Jahrzehnte sei sie „mit sehr hohem persönlichen Einsatz erfolgreich und sicher betrieben worden“, erklärt darin der Leiter, der selbst in Grohnde wohnt. Die Belegschaft widme sich nun der „letzten Herausforderung“, dem sicheren Rückbau, sobald die Genehmigungen dafür vorliegen würden. „Den werden wir mit der uns eigenen Professionalität und Sorgfalt umsetzen“, sagt Bongartz im Video.

„Hier sind wir als Land Niedersachsen in der Pflicht, den flüssigen Ablauf aller Genehmigungsverfahren zu gewährleisten“, erklärte kurz vor dem Jahresende Niedersachsens Energieminister Olaf Lies, der auch die Atomaufsichtsbehörde verantwortet. In der Mitteilung äußerte er noch einmal wie bei seinem Besuch Anfang Dezember in Grohnde „größten Respekt“ für die Belegschaft. „Auch im privaten Umfeld mussten viele mitunter Anfeindungen ertragen“, erklärte Lies. „Das ist unangemessen, denn die Mitarbeiter haben in großer Verantwortung ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands geleistet.“

Dennoch, so der Minister: „Der Atomausstieg war eine richtige politische Entscheidung.“ Gleichzeitig forderte Lies eine ehrliche Debatte um die künftige Stromversorgung in Deutschland. Das Kraftwerk in Grohnde habe rein rechnerisch rund 15 Prozent der Stromerzeugung Niedersachsens abdecken können. Deshalb müsse die Energiewende mit aller Kraft vorangetrieben werden. „Sonst rennen wir tatsächlich in eine Stromlücke, die wir uns als Industrienation nicht leisten können“. Wer den Atomausstieg feiere, müsse auch für die Errichtung von gut 1500 Windkraftanlagen kämpfen. „Die brauchen wir nämlich, um allein die vom Kernkraftwerk Grohnde produzierte Strommenge sicher zu ersetzen“, erklärte der Minister zum Jahreswechsel. „Wir wollen die Energiewende, aber wir werden sie auch sehen.“




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