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Abschied vom Hamelner Museum-Leiter

HAMELN. Auf einen traurigen Abschied für den Museumschef deutet nichts hin: Die Ausstellungsräume an der Osterstraße sind gut besucht, seine Nachfolgerin kennt und schätzt er seit langem. Wehmut schwingt bei Stefan Daberkows Abschied aus dem Museum Hameln aber schon mit.

Frank Henke

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Frank Henke Reporter zur Autorenseite

Nur noch ein paar Arbeitstage und der Resturlaub, dann steht der Wechsel an: Zum 1. September übernimmt Claudia Höflich die Leitung des Museums, Stefan Daberkow tritt am selben Tag seinen neuen Job in Celle an: Er wird Leiter des dortigen Bomann-Museums. Ein renommiertes und wesentlich größeres Haus. „Da freue ich mich sehr drauf“, sagt der 41-Jährige. Auch auf das angeschlossene Kunstmuseum, schließlich sei er Kunsthistoriker.

Doch auch in Hameln hat Daberkow seit 2013 Großes auf die Beine gestellt: Da war zum Beispiel – zum Abzug der britischen Streitkräfte aus der Stadt – 2014 die Ausstellung „Brücken bauen. Die Briten und Hameln“. 2016 wurden 200 Jahre „Deutsche Sagen“ der Brüder Grimm gewürdigt, 2017 und 2018 huschten lebendige Ratten durch eine Sonderausstellung.

Überhaupt: die Ratten und der Rattenfänger. „Allein die Themen, die in dieser kurzen Geschichte angelegt sind: Migration, Inklusion, Lohngerechtigkeit, demografischer Wandel ...“, Daberkow kann sich noch immer für die Sage begeistern. In seiner Zeit legte das Museum „mit dem Rattenfänger“ – so der Namenszusatz – einen deutlicheren Akzent auf den Pfeifer. Aktuell mit dem Projekt „Pied Piper International“. In Daberkows Augen könnte das Museum noch mehr davon vertragen: „Da würde ich mir tatsächlich noch mehr Raum wünschen.“ Mit dem Thema zwischenzeitlich ins Hochzeitshaus zu ziehen, war angedacht. Das klappt nun während der geplanten Dacharbeiten an dem Renaissance-Gebäude nicht.

Und beim Thema Pfeifer hätte der Noch-Museumschef eigentlich noch etwas auf der persönlichen Agenda gehabt: „Ich hätte wirklich gerne noch etwas zum Rattenfänger publiziert.“ Genauer: „Zur Rezeptionsgeschichte. Was ist seit Goethe alles passiert?“ Vom „vielgereisten Rattenfänger“ dichtete Goethe 1802.

Zudem sei im Museum bereits begonnen worden, die Dauerausstellung zu überarbeiten. „Das macht wirklich Spaß, inhaltlich zu arbeiten“, sagt Daberkow, überlässt diesen Spaß nun aber seiner Nachfolgerin.

Und was nimmt der damals aus Dresden gekommene Museumsleiter – abgesehen von der Begeisterung für die weltberühmte Sage – noch an Hamelner Eindrücken mit nach Celle? „Die große Offenheit in der Stadt“, sagt er. Die kleinstädtisch kurzen Wege, die leicht knüpfbaren Verbindungen etwa zu Theater, Münster oder der Hameln Marketing und Tourismus GmbH. Auch die „Zweigleisigkeit“ des Museums, getragen vom Museumsverein, finanziell gestützt von der Stadt, lobt er.

Der Verein sorge für die „Verankerung in der Stadtgesellschaft“, die rein städtische Häuser manchmal erst durch die Gründung von Fördervereinen herstellen müssten. Zugleich wäre es „schwierig“ gewesen, die Corona-Zeit ohne den Rückhalt der Stadt zu überstehen. Die Besucherzahlen lassen in diesem Juli nichts zu wünschen übrig. „Überdurchschnittlich“, meldet der Noch-Chef. Allerdings ist der Museumseintritt derzeit – eine Werbemaßnahme der Stadt in diesem „Kultursommer“ – kostenlos.

Im September, wenn die Zeit des freien Eintritts enden soll, wird dann Claudia Höflich die Leitung des Museums übernommen haben. „Ich bin richtig froh, dass das geklappt hat“, sagt Daberkow über diese interne Neubesetzung. In den letzten Jahren hätten sie ohnehin das meiste „quasi im Duo“ abgestimmt.

Eine „ereignisreiche und intensive Zeit“, seien die acht Jahre in Hameln gewesen, zieht Daberkow Gesamtbilanz. „Eine tolle Zeit.“




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