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„White Dogs“: Mit Kutte und großem Herzen

HACHMÜHLEN. Mit dem ersten Blick ist das so eine Sache: Bernd Wente sieht genau so aus, wie ein vermeintlich harter Kerl so aussieht. Kahler Schädel, markanter Bart, großflächig tätowierte Unterarme, mehr als hundert Kilo. Unter der Biker-Kutte blitzen weitere Tattoos, auf der Weste das Logo der „White Dogs“.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Wirklich nett blickt der Hund im Mittelpunkt des Logos nicht drein – ganz im Gegensatz zu Bernd Wente. Der hat gerade die Bestätigung erhalten, dass die „White Dogs Original“ als Verein eingetragen sind und nun auch ganz offiziell mit dem „e.V.“ im Namen gemeinnützige und soziale Projekte fördern und umsetzen dürfen. Und Wente freut sich darüber, sieht er die Eintragung doch als Anerkennung des Engagements.

Sitz des Vereins ist Hachmühlen, gleichzeitig auch der Heimatort des 57-Jährigen. Von dort aus schiebt er die vielfältigen Aktivitäten an, die so wenig mit denen anderer Clubs, die Motorräder lieben und mit Kutte unterwegs sind, zu tun haben. „Wir sind Menschen, die es sich selbst aus Erfahrungen und persönlichen Schicksalen heraus zur Aufgabe gemacht haben, denen zu helfen, denen es nicht so gut geht. Die am Rande der Gesellschaft leben“, fasst Wente die Grundidee zusammen.

Und so ist die Hilfe nicht nur im Hospiz Bad Münder, sondern auch in Einrichtungen wie der Obdachlosen-Anlaufstelle Senior-Schläger-Haus in Hameln gern gesehen.

Was ihn persönlich antreibt, sich so engagiert für andere einzusetzen, sind einschneidende Erfahrungen. Genauer: Die Erfahrung, dass das Leben viel schneller als erwartet zu Ende sein kann. Für ihn ist der 1. Februar 2007 der Tag, an dem alles hätte vorbei sein können. „Du hast da etwas im Kopf, das da nicht hingehört“, hatte ihm sein Arzt mitgeteilt. Einige Untersuchungen später stand fest: Nur noch eine Hirn-OP konnte sein Leben retten. Die erste dauerte 13 Stunden, die zweite neun Stunden – und zwischendurch hätte ihn das Operationsteam fast auf dem Tisch verloren. „Sieben Minuten war ich praktisch tot“, sagt Wente – dann holten ihn die Ärzte zurück. Sein eigener Kampf zurück ins Leben – Wente kämpft ihn seitdem dauerhaft. Weitere Diagnosen folgten, jede für sich hätte andere resignieren lassen. Nicht so den heute 57-Jährigen.

Nur noch eingeschränkt kann der gelernte Gärtner arbeiten, ausgewählt hat er eine Tätigkeit, die ihn mit Alten und Kranken in engen Kontakt bringt. In der Pflegeeinrichtung der Awo am Deisterhang kümmert er sich um Demenz-Patienten. „Ich weiß, was es bedeutet, wenn man auf Hilfe angewiesen ist. Hinter der vermeintlich harten Schale verbirgt sich eigentlich ein weicher Kern“, sagt er. Ganz wichtig für ihn bei der Arbeit: „Die Patienten müssen spüren, dass man ihnen mit Respekt begegnet.“

Großen Respekt hat Wente seinerseits auch vor der Arbeit, die im Hospiz Bad Münder geleistet wird. Nicht umsonst steht er mit anderen Vereinsmitgliedern gerne zur Verfügung, wenn Hospiz-Leiterin Stephanie Kaiser um Unterstützung bittet. Zumeist sind es Arbeiten auf dem Gelände der Einrichtung, die ohne die Unterstützung der ehrenamtlich Tätigen das Budget des Hospizes belasten würden.

Die Mitgliederstruktur der „White Dogs“ ist sehr unterschiedlich – Motorradbegeisterung ist nicht vorgeschrieben. Um Missverständnissen mit Motorradclubs mit Logo auf einer Kutte vorzubeugen, machte sich Wente auf den Weg zu deren Präsidenten im Umland und schilderte die Grundidee der „White Dogs“. „Da kam von allen Seiten Anerkennung und Respekt für das, was wir machen“, freut sich der Hachmühler.

www.white-dogs-original-ev.de

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