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Volkstrauertag: „Frauen riefen, aber man hörte sie nicht“

BAD MÜNDER. „Wir gedenken heute aller Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs, der Polizisten und Soldaten, die bei Auslandseinsätzen ums Leben gekommen sind, und aller, die jetzt Opfer von Kriegen sind“, leitet Petra Joumaah, Ortsbürgermeisterin von Bad Münder und Landtagsabgeordnete, die Feier zum Volkstrauertag ein.

Soldaten – darunter auch eine Soldatin – der münderschen Patenkompanie aus Minden führen den Zug vom Martin-Schmidt-Konzertsaal zum Ehrenmal auf dem Friedhof an. fotos: Lindermann
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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

Danach übergab sie das Wort an den diesjährigen Ehrengast. Dazu hatte sie ihre Kollegin aus dem Niedersächsischen Landtag, Dr. Thela Wernstedt, gewinnen können.

„Mehr als zehn Millionen Menschen sind im Ersten Weltkrieg gestorben“, betonte Wernstedt. „Diese Zahl kann man sich kaum vorstellen. Das ist zehnmal eine entvölkerte Region Hannover“, verdeutlichte sie.

Bereits vor Beginn des Ersten Weltkriegs hätten Frauen die Notwendigkeit zum Handeln erkannt, fuhr sie fort. So hätte etwa die spätere Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner bereits 1899 die erste Haager Friedenskonferenz mit vorbereitet, während die Friedensaktivistin Margarethe Selenka einen Text für Frauen in 18 Nationen verfasste, in dem sie beschrieb, wie sich Frauen über die Grenzen von Nationen hinweg die Hände für Liebe und Einigkeit reichten.

Gastrednerin Dr. Thela Wernstedt erläutert die Anstrengungen, die Frauen bereits vor dem Ersten Weltkrieg für Frieden auf sich nahmen.
  • Gastrednerin Dr. Thela Wernstedt erläutert die Anstrengungen, die Frauen bereits vor dem Ersten Weltkrieg für Frieden auf sich nahmen.

Zudem beschrieb Wernstedt, wie die Politikerin Clara Zetkin 1915, als sich der Krieg bereits verfestigt hatte, einen Friedenskongress sozialistischer Frauen organisierte und dabei die Aufgaben beschrieb, die auf dem Rücken der Frauen lasteten, deren Männer im Krieg waren.

Im selben Jahr gründete Lida Gustava Heymann den Frauenkongress zum Frieden und forderte unter anderem einen Friedensschluss und Gleichberechtigung. „Die Frauen riefen, aber man hörte sie nicht“, fasste Wernstedt zusammen.

„Man könnte daran verzweifeln, dass alle Anstrengungen nicht dazu geführt haben, dass es aufhört“, ergänzte der stellvertretende Bürgermeister Uwe-Peter Keil als Vertreter der Reservistenkameradschaft. „Aber verzweifeln dürfen wir eben nicht.“ Er bedauerte die recht geringe Zahl der Besucher und erklärte: „Wir müssen auch in Bad Münder versuchen, den Volkstrauertag lebendiger zu gestalten und junge Menschen mit einzubeziehen.“ Auch Geflüchtete könnten den Volkstrauertag bereichern, „denn sie haben mehr als wir die Gräuel des Krieges erlebt“, so Keil.

Joumaah freute sich darüber, dass Mitglieder der Jugendgruppe der Feuerwehr an der Feierstunde teilnahmen. „Das ist ganz toll, weil es nicht die Regel ist, dass junge Leute dabei sind“, sagte sie und betonte: „Unter anderem sind wir ja auch euretwegen hier – weil wir uns alle wünschen, dass ihr niemals um einen Gefallenen trauern müsst.“

Musikalisch begleitete der Musikzug der Feuerwehr Bad Münder die Gedenkstunde, bevor Vertreter der münderschen Patenkompanie aus Minden den Zug zum Friedhof anführten und dort die Kränze niederlegten.



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