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Veranstaltungszentrum: Kompromiss gesucht

BAD MÜNDER. Ein Schreiben der Bauaufsicht des Landkreises bringt derzeit größere Unzufriedenheit im Südfeld ans Licht: Der Betreiber des Veranstaltungszentrums Kristal Events möchte die Betriebszeit verlängern – doch das stößt einer ganzen Reihe von Anwohnern in der Nachbarschaft bitter auf.

Über eine Erweiterung der Betriebserlaubnis für Kristal Events muss die Bauaufsicht entscheiden. Foto: Rathmann
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Das Veranstaltungszentrum liegt am Justus-von-Liebig-Weg, genauer: Im Bereich des Gewerbegebietes am Justus-von-Liebig-Weg. Der Flächennutzungsplan sieht für dieses Gebiet nicht wesentlich störende Gewerbebetriebe vor, weshalb für Baugenehmigungen auch Schallgutachten vorgelegt werden mussten. Im Süden grenzen unter anderem eine Autowerkstatt, ein Malerbetrieb und ein Bauunternehmen an das Grundstück von Kristal Events, im Nordwesten eine größere freie Fläche, der BIK-Spielplatz und Wohnbebauung. Und insbesondere bei Anwohnern in diesem Bereich hat die von der Bauaufsicht des Landkreises verschickte Anhörung dazu geführt, ihren Unmut nicht nur über die beantragte Ausweitung der Betriebszeit zu äußern, sondern sich über laute Musik und schnelles Fahren von Gästen im verkehrsberuhigten Bereich grundsätzlich zu beschweren.

„Etwa drei Dutzend Nachbarn“ seien angeschrieben worden, so Landkreis-Sprecherin Nikola Stasko. Die Auswahl sei „im Wesentlichen unter den Gesichtspunkten der bisher vorgetragenen Beschwerden“ getroffen worden. Das Ziel: Möglicherweise Betroffene sollen ermuntert werden, Anregungen und Hinweise zum Verfahren zu geben. Rund 40 Eingaben seien bis zum vorgegebenen Termin in der vergangenen Woche eingegangen.

Erweitern möchte Betreiber Ibrahim Abdi die Betriebszeit von bislang Mitternacht auf 4 Uhr. Im Februar letzten Jahres eröffnete er Kristal Events, nachdem er lange nach einer geeigneten Halle gesucht und sie schließlich in dem ehemaligen Metallbaubetrieb am Justus-von-Liebig-Weg gefunden hatte. Er baute die Halle aufwendig um – von einer großen Werkhalle zu einem festlichen Veranstaltungssaal für bis zu 450 Personen. Große Familien- und Unternehmensfeiern, Hochzeiten, Abi-Bälle und Partys hatte er im Blick, weil es für größere Veranstaltungen im näheren Umfeld kaum ein entsprechendes Angebot gab. Im ersten Jahr hat Abdi festgestellt, dass die Begrenzung der Betriebszeit auf Mitternacht das Veranstaltungszentrum für einige Organisatoren weniger attraktiv macht. Eine Schul-Abschlussfeier, ein Abi-Ball, bei dem die Gäste um Mitternacht nach Hause geschickt werden? Nur schwer zu vermitteln. Auch für einige Hochzeitspaare ist ein Ende der Feier um Mitternacht ein Problem. Für Ibrahim Abdi wäre die Erweiterung hilfreich, er geht davon aus, sie auch nur zu wenigen Terminen im Jahr zu benötigen.

Um die Belastung für Anwohner gering zu halten, hat er die Zufahrt zum Veranstaltungszentrum neu geregelt und lenkt den Verkehr über die Bahnhofstraße durchs Gewerbegebiet zum großen Parkplatz. Die Adresse Justus-von-Liebig-Weg hatte viele Gäste mit Navigationsgerät in das Wohngebiet geführt und zum Umkehren gezwungen – ein Poller verhindert die Durchfahrt zur Halle.

Die Vorstellung, über die ohnehin schon als Belastung empfundene aktuelle Situation hinaus mit Lärm konfrontiert zu sein, ist für einige Anwohner der Bahnhofstraße, aber auch im Justus-von-Liebig-Weg und Zur großen Wiese nicht akzeptabel. Die Belastung durch Musik, insbesondere durch kräftige Bässe, wird immer wieder kritisiert. „Ich stehe bei geschlossenen Fenstern in meiner Küche und spüre die Bässe im Brustkorb. Und das Haus ist nicht alt – es ist erst 2010 gebaut“, sagt eine Anwohnerin. Mit Lautstärke grundsätzlich habe sie kein Problem – Rammstein-Konzerte und das Röhren einer Harley weiß sie zu schätzen, aber die anhaltende Bass-Beschallung am Wochenende bereite ihr und selbst ihren Kindern im Alter von 18 und 20 Jahren Probleme.

Eine andere Anwohnerin berichtet von regelmäßigen Anrufen bei der Polizei und der Bitte, für Ruhe zu sorgen. „Die haben auch anderes zu tun, als immer wieder auf unsere Lärmbeschwerden zu reagieren. Aber man weiß sich sonst ja nicht zu helfen“, sagt sie.

Rechtsanwältin Zeliha Evlice vertritt bereits seit Sommer vergangenen Jahres eine Mandantin, die sich ebenfalls über die Lärmbelastung beschwert. Sie habe Ibrahim Abdi angeschrieben, aber bislang noch keine Antwort erhalten. Ein Problem, dass sie im Zusammenhang mit einer Vielzahl von Gästen gerade in den Sommermonaten sieht: Bei hohen Temperaturen werde gelüftet – und dann dringe der Schall ungehindert nach außen. Das vorhandene Lärmgutachten hält sie für nicht ausreichend, weil es den Aspekt der Bässe nicht ausreichend berücksichtige. „Ein entspannter Sommerabend am Grill auf der Terrasse ist für meine Mandanten kaum noch möglich“, sagt sie.

Den aktuellen Antrag auf Verlängerung der Betriebszeit sieht sie besonders kritisch, weit er unbestimmt formuliert sei. Und sie sieht auch keine Vertrauensbasis für eine Zustimmung, weil bereits die aktuelle Regelung nicht ausreichend eingehalten werde.

„Vermehrte Einsatzanlässe“ bestätigt auch Eckard Wiegand-Behmann, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes in Bad Münder, im Zusammenhang mit großen Feierlichkeiten – insbesondere die Bässe würden immer wieder als störend empfunden.

Rechtsanwältin Evlice wünscht sich zur Lösung des Konflikts persönliche Gespräche der Beteiligten und ein Zugehen auf die Nachbarn, dabei könnten wesentlich einfacher Kompromisse gefunden werden. Und auch ein unangekündigter Ortstermin der Bauaufsicht ist für sie ein probates Mittel, um die Situation besser einschätzen zu können. „Nach Abschluss des Anhörungsverfahrens wird nach pflichtgemäßem Ermessen zwischen den Interessen des Bauherren und der Anwohner abgewogen“, heißt es beim Landkreis.



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