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Uwe Hünefeld: In 35 Jahren die Stadt mit verändert

BAD MÜNDER. Viele Gelegenheiten gibt es nicht mehr – aber wer die Chance hat, mit Uwe Hünefeld durch die Straßen der Altstadt zu laufen, der lernt Bad Münder mit anderen Augen kennen. Die Wirkung der Straßen, Räume, Sichtachsen im Bereich Neue Straße oder Deisterallee begeistert Besucher wie Münderaner immer wieder.

Ein großes Projekt: Kurz nach der Jahrtausendwende ging die Stadt die bis dahin letzte Phase der Innenstadtsanierung an – Uwe Hünefeld überplante den Bereich Neue Straße, Deisterallee und den zugehörigen Parkplatz. Gern testet er noch heute, ob die W
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Aber zur Beantwortung der Frage, warum sie eigentlich wirken, bedarf es schon des einen oder anderen Hinweises des scheidenden Bauamtsleiters. Er weiß, wie eine Straßenführung Spannung erzeugen kann, wie ein Pflasterband ein Haus optisch stützt.

Dass er es weiß, verwundert nicht weiter, schließlich hat Hünefeld die Stadtsanierung in diesem Bereich ebenso geplant wie unzählige andere Bauprojekte im Stadtgebiet. Dorferneuerung in Hamelspringe oder Hachmühlen, Sanierungsvorhaben in nahezu allen Ortsteilen – er hat maßgeblich die Gestaltung geprägt. „Diese Straßen, Plätze, Projekte haben einerseits vielfältige funktionale und technische Anforderungen. Und es geht darum, diese Räume so zu gestalten, dass sie spürbar sind, sich gut anfühlen und Wohlgefühl schaffen“, so lautet Hünefelds Philosophie.

Wenn der Leiter des letzten verbliebenen Fachbereichs der Verwaltung am kommenden Donnerstag zum letzten Mal im Bauausschuss (18.30 Uhr, Steinhof) Politik und Zuschauern erläutert, was die Bauabteilung mit welchem Hintergrund vorschlägt, dann wird auch ein wenig Wehmut mitschwingen. Hünefeld verabschiedet sich, wird am 24. Mai von Bürgermeister Hartmut Büttner in den Ruhestand entlassen.

Er hat es selbst so gewollt, doch je näher der Termin rückt, desto bewusster wird ihm ein ganz besonderer Umstand: „Ich liebe das, was ich hier einbringen durfte und tun konnte. Ich habe die Münderaner und die Stadt Bad Münder wertschätzen und lieben gelernt, gehe deshalb auch mit einem großen weinenden Auge.“ 35 Jahre war er dann für die Stadt tätig, 21 Jahre in Leitungsfunktion der Abteilung mit den meisten Mitarbeitern. Hoch- und Tiefbau, Friedhofsamt, Rohmelbad, Bauhof, einige Jahre auch der Ordnungsbereich. Seit 2008 war er zudem auch als Prokurist der Abwassergesellschaft Bad Münder tätig. Für bis zu 40 Mitarbeiter war er zeitweilig zuständig. Mit vielen Kollegen verbinden ihn nicht nur gemeinsame Jahre, sondern auch eine tiefe Vertrautheit. Er wollte Impulsgeber für seine Mitarbeiter sein, förderte und forderte, verließ sich dabei oft und gerne auf sein Gefühl. Seine Zusammenfassung: „Ich habe mit tollen Menschen für tolle Menschen in und aus Bad Münder die unterschiedlichen Projekte erstellt.“ Und so lautet sein Fazit auch: „Eine unfassliche berufliche Erlebnisreise.“

Beworben hatte sich der Wasserbauingenieur 1984 auf eine Stellenanzeige in der Tageszeitung. „Zum Vorstellungsgespräch hohes Fieber und am selben Tag noch ein weiteres Vorstellungsgespräch“, erinnert sich Hünefeld an seinen Erstkontakt mit Bad Münder. Überzeugt hat er dennoch, und nach einigen Jahren im Tiefbau kündigte sich ein weiterer Wechsel an: Ihm wurde die Leitung des Baubereiches insgesamt angetragen, nachdem sein Vorgänger zur Oewa wechseln wollte.

Hünefeld vertiefte sich in die Arbeit seiner Vorgänger, versetzte sich in die Situationen und Herausforderungen, vor denen sie gestanden hatten. Und ging dabei bis zu Stadtbaumeister Gottfried Kastl zurück, der das Bauamt 1953 übernommen hatte. Damals wie heute sei eine Art Ingenieurbaukunst gefragt, um eine Planungskultur zu entwickeln, um die unterschiedlichen und oft gegensätzlichen Belange zu einem überzeugenden Ganzen zu verbinden.

Hünefeld hat dabei auch die anhaltende Wirkung im Blick. „Das Endprodukt Straße wird lange wahrgenommen, die Verwaltungsvorlage nicht.“ Und wenn er auf seine Zeit im Amt zurückschaut, dann erinnert er sich an immer wieder neue Herausforderungen. Die Anwohner am Hamelspringer Messenbruch, die ihre Straße in Eigenregie ausbauen und dass eben nicht der Stadt überlassen wollten. „Geht nicht“, hieß es zuerst aus dem Rathaus. Hünefeld versuchte sich am „Warum eigentlich nicht?“ und war vom Erfolg begeistert.

Für die Politik war er nicht immer bequem, manchmal sogar unbequem. „Das ist gut so“, blickt Hünefeld zurück. Er sei dankbar für das Vertrauen, das ihm insbesondere von politischer Seite entgegengebracht wurde. Aber es gibt auch Entwicklungen, an denen er sich reibt. „Was sich nicht gut anfühlt, ist beispielsweise der Umstand, dass es keinen Nachfolger gibt“, räumt Hünefeld ein. Er kann seinen Bereich nicht übergeben, keinen Nachfolger einarbeiten. Die Suche nach einem neuen Bauamtsleiter hat die Verwaltung nach mehreren nicht erfolgreichen Ausschreibungen eingestellt und setzt nun auf andere Lösungen. „Mehr Mut“ ist das, was Hünefeld sich manchmal von der Verwaltungsspitze wünscht. Als er angefangen habe, habe auch die Wertschätzung, die Menschlichkeit im Miteinander eine größere Rolle gespielt – das sei über die Jahre aber auf der Strecke geblieben. Einleiten will er den Ruhestand im Juni mit einem Urlaub an der Nordsee: „Die erste große Welle am Strand kriegt all das mit, was sich angestaut hat. Und dann ist es gut“, sagt er.



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