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Stadt stellt Windenergie-Pläne vor: Besucher enttäuscht

EIMBECKHAUSEN. Im Stuhlmuseum wurden die Stühle knapp: Weitere Sitzgelegenheiten mussten herbeigeschafft werden, damit alle Besucher einen Platz fanden – immerhin waren knapp 60 Interessierte zur Info-Veranstaltung über die Windenergie und die damit einhergehende Änderung des Flächennutzungsplanes erschienen.

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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

Es sei Aufgabe der Kommunen, Vorranggebiete für die Windenergie zur Verfügung zu stellen, erläuterte Bürgermeister Hartmut Büttner. Nach welchen Kriterien Bad Münder dafür Flächen ausgewählt hat, verdeutlichte Georg Seibert vom Hamelner Architekturbüro Georg von Luckwald, der bereits seit Jahren an einem möglichst rechtssicheren Konzept arbeitet. Das Schwierige dabei: „Je kleinere Flächen wir ausweisen, umso größer ist das Risiko, dass es nicht rechtssicher ist“, erklärte Seibert. „Je größer die Flächen sind, umso sicherer ist es.“ Gleichzeitig werde versucht, so wenig Fläche wie möglich auszuweisen. „Das ist eine gewisse Gratwanderung.“

Mehrere mögliche Standorte waren zu Beginn der Planungen ausgewählt worden – inzwischen sind nur noch Flächen bei Eimbeckhausen sowie an der Grenze zu Springe möglich. Die Ausweisung einer Fläche bei Flegessen scheiterte, weil die Bundeswehr aufgrund von Hubschrauber-Tiefflügen ein Veto einlegte. „Und mehr Flächen gibt es nicht“, so Seibert.

Das sahen einige der Zuhörer anders. Etwa wurde kritisiert, warum keine Flächen bei der Kernstadt ausgewiesen wurden, sondern am Rand des Stadtgebiets. „Wenn die Stadt ein Haus wäre, wäre die Frage: Wo stelle ich den Komposthaufen hin?“, umschrieb es ein Besucher.

„Es gibt keine möglichen Flächen im Stadtgebiet mehr“, widersprach Seibert. Die habe es noch gegeben, als noch mit einem Abstand von 700 Metern zu den Bebauungen gerechnet wurde. Dann seien jedoch 1000 Meter gefordert worden. Schließlich habe man sich auf einen Kompromiss mit 800 Metern geeignet – und unter dieser Voraussetzung gebe es keine anderen Flächen mehr.

Für ihn sei die ganze Planung hinfällig, merkte der ehemalige Ortsbürgermeister Karl-Heinz Bodtmann an und erklärte: Aufgrund einer Radaranlage hätte die Deutsche Flugsicherung bereits vor einigen Jahren darauf hingewiesen, dass der Bereich freizuhalten sei. „Wenn das sicher wäre, wäre die ganze Planung natürlich hinfällig“, sagte Seibert, doch merkte an, dass dies noch nicht feststehe.

Darüber hinaus wurden von den Zuhörern auch die Themen Natur- und Tierschutz angesprochen, vor allem im Bezug auf den Rotmilan. Ein Bewegungsprofil der Vögel werde noch erstellt, kündigte Büttner an. Auch bezüglich des Schattenwurfs der Rotorenblätter würden noch Berechnungen angestellt. Momentan gehe es nur um die Entscheidung für die Änderung des Flächennutzungsplanes, denn diese sei unumgänglich.

„Eine Negativplanung gibt es nicht“, bestätigte Seibert. Würde die Stadt keine Flächen ausweisen, würden die Standorte zwischen dem Landkreis und dem Antragsteller ausgehandelt. Dann könnten noch mehr Flächen ausgewiesen und mehr Windräder hinzukommen, als jetzt vorgesehen. Nach derzeitigen Planungen wären für Eimbeckhausen zwei zusätzliche Anlagen oder der Abriss der beiden vorhandenen und ein Neubau von drei Anlagen möglich. „Wenn wir keine Entscheidung treffen, haben wir bezüglich der Standorte keinen Einfluss mehr. Die Frage ist also nicht: ‚Wollen wir Windenergie oder nicht‘, sondern ‚Soll der Landkreis über die Standorte entscheiden oder der Stadtrat‘“, fasste Seibert zusammen. Damit solle eine Situation wie in Coppenbrügge vermieden werden. Dort habe es keine Planungen im Vorfeld gegeben – mit dem Ergebnis, dass dort sehr viele Anlagen gebaut wurden.

Doch auch das benachbarte Messenkamp hat solche Planungen nicht: „Wir haben vor einigen Jahren dasselbe versucht, jetzt haben wir Fachleute, die meinen, dass es nicht nötig ist“, sagte der dortige Bürgermeister Frank Witte. „Das Risiko gehen wir ein.“

Zum Ende der Versammlung wollte ein Zuhörer wissen, wie das Ausschreibungsverfahren ablaufe. „Es gibt keins“, sagte Seibert, da es sich nicht um städtische, sondern private Flächen handele, und fügte hinzu: „Es ist aber möglich, dass sich die Besitzer zu einer Eigentümergemeinschaft zusammentun und verschiedene Angebote prüfen.“

„Es ist ja sowieso schon alles entschieden“, merkte ein weiterer Besucher verärgert an und stellte den Sinn der Info-Veranstaltungen infrage.

Büttner widersprach: Neben der Rechtssicherheit des Projekts sei es der Stadt wichtig, transparent über das Thema zu berichten – seit Beginn der Planungen Anfang 2014 habe es bislang zwölf öffentliche Sitzungen dazu gegeben. „Außerdem sind heute Vertreter aller Fraktionen im Rat hier“, fügte er hinzu – im Hinblick auf die Entscheidung, die die Politiker in der kommenden Woche im Planungs- und Verwaltungsausschuss und schließlich im Rat am 6. Dezember zu treffen haben.



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