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So kämpft die Stadt gegen Spielplatz-Vandalismus

BAD MÜNDER. Einen herrlichen Blick auf Bad Münders Innenstadt bietet der Spielplatz im Kurpark. Aus der Nähe betrachtet offenbarte er dieses Jahr jedoch Schockierendes: Im Frühjahr griffen Unbekannte zur Säge und probierten sich an einer Geländerplanke gut zweieinhalb Meter über dem Boden aus.

Dass auf Spielplätzen mitunter gefeiert und getrunken wird, ist bekannt. Dass vorsätzlich Spielgeräte angesägt wurden, hat Ortsbürgermeisterin Petra Joumaah – hier beim Spielplatz-Besuch – überrascht und empört. Fotos: Weißling
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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

Im Herbst das gleiche Spiel. Im Sommer sägten Unbekannte außerdem einen Leitertritt so an, dass er unbemerkt eines Tages gebrochen wäre, während ein Kind nach oben klettert. Die Sabotage war sogar dem geübten Blick des Bauhof-Mitarbeiters entgangen, der Woche für Woche alle 49 Spielplätze der Stadt in Augenschein nimmt.

Läuft es gut, überprüft er vor allem, ob die Geräte fest verankert sind, notiert, wo neuer Sand vonnöten ist, schaut nach dem Rechten. Fast überall sind Scherben und Flaschen aufzusammeln. Andere Sicherheitsmängel, die er nicht sofort beheben kann, gibt er unverzüglich weiter.

Zwei Tage pro Woche braucht ein Bauhofmitarbeiter für die Kontrolle aller 49 Spielplätze der Stadt. Hinzu kommen eingehendere Prüfungen, die Hochbauamtsmitarbeiter Michael Elsner in größeren Zeitabständen vornimmt. „Die Sägereien sind schon Vandalismus der anderen Art“, sagt er zu den kaputten Planken und der beschädigten Leiter.

Lustig finden auch Eltern solche Entdeckungen nicht. Trotzdem ist ein großer Aufschrei bisher ausgeblieben. Der Ortsrat reagierte, angesprochen darauf, überrascht. „Ad hoc kann ich dazu kein Ermittlungsergebnis finden“, sagt selbst die zuständige Kommissarin bei der Polizei Bad Münder auf Nachfrage. „Strafanzeige stellen wir eigentlich immer wenn so etwas passiert; in der Regel kommt dabei aber nichts bei rum“, sagt Elsner resigniert.

Warum Ermittlungen in solchen Fällen schwierig sind, wissen die Stadtmitarbeiter nur zu gut: „Wir gehen meistens montags auf die Spielplätze, weil so etwas oft am Wochenende passiert“, bestätigt Elsner. Betroffen seien im Prinzip alle Spielplätze. „Das sind immer andere Ecken, die es gerade trifft“, erklärt auch Bauhofmitarbeiter Bernd Tiedke beim Kontrollgang. Flatterband zur Absperrung der betroffenen Geräte hat er immer griffbereit. Eltern und Kinder nehmen das rot-weiße Plastik im Alltag dann mal mehr, mal weniger ernst.

„Wir machen da unseren Job und kommen gerade so hin“, sagt Michael Elsner. Wichtig sei der Stadt, „dass wir keine Gefahrenstellen haben, an denen Kinder sich verletzen können“. Fällt etwas auf, kümmern Mitarbeiter des Bauhofs sich nach Möglichkeit sofort um eine Lösung. Ein Tischler im Bauhof bessert aus, was er kann, wenn er es zeitlich schafft.

Im Fall der angesägten Sprosse wurde das beschädigte Bauteil monatelang komplett aus dem Verkehr gezogen. Mit der Folge, dass Kleinkinder die entstandene Leiter-Lücke aus eigener Kraft nicht überwinden konnten. Seit dieser Woche ist nicht nur die zweifach beschädigte Planke erneuert, sondern auch die Sprosse ersetzt. Doch im Bauhof warten schon wieder drei Federtiere auf Reparatur, die eigentlich als unkaputtbar galten und mitten in die Innenstadt gehören. „Wir bauen hier teure Geräte auf und ein paar Idioten machen‘s kaputt“, macht Elsner seinem Ärger Luft. Die Sägevorfälle empfindet er als hochgradig kriminell und ist zugleich um Lösungsansätze verlegen. „Es ist schon gut, wenn wir Anrufe bekommen, wenn die Leute etwas sehen, denn alles kriegen wir auch nicht mit“, appelliert er an Bürger, auch selbst ein Auge auf die Kinderspielplätze zu haben.

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