weather-image
22°

Scheitert das Filmwelt-Museum an einer Formalie?

BAKEDE. August 2018: Große Freude herrscht bei Martin Netter vom Filmwelt-Center in Bakede – er kann einen Förderungsbescheid der EU in Höhe von über 176 000 Euro entgegennehmen. April 2019: Die Euphorie ist einem nüchternen Blick auf die Realität gewichen. Eine Formalie muss umgesetzt werden, bevor das Geld fließt.

Im August 2018 nahm Martin Netter die EU-Förderung entgegen – die Freude von damals ist nun einem nüchternen Blick auf die Realität gewichen. Foto: Archiv/Lindermann
lindermann

Autor

Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

„Die Stadt wird sich dafür einsetzen, dass diese Hürde genommen wird und Herr Netter schnell Planungssicherheit bekommt“, hatte Bürgermeister Hartmut Büttner im August zugesagt. Planungssicherheit besteht bislang jedoch noch nicht und die Förderung gilt nicht für einen unbegrenzten Zeitraum. „Uns fehlt einfach die Zeit“, beklagt Netter.

Doch von Anfang an: Schon seit 40 Jahren sammelt Netter Film-Exponate, vor allem aus dem Star-Trek-Universum. Diese Sammlung möchte er auch der Öffentlichkeit präsentieren, wozu er sein Gebäude in Bakede ausbauen möchte. Die EU hat beschlossen, 70 Prozent des geschätzt rund 250 000 Euro teuren Vorhabens zu übernehmen. Doch diese Förderung gilt nicht für Gewerbegebiete – und in einem solchen liegt die Filmwelt. Aber die dazu notwendige Änderung des Flächennutzungsplanes (kurz: F-Plan), meint Netter, „zieht sich hin“.

Damit bezieht sich der Science-Fiction-Sammler auf den Beschluss zum Vorentwurf der F-Plan-Änderung, der von der Politik erst am 26. November getroffen wurde. Im Anschluss wurde ein Planungsbüro mit der Erstellung eines Vorentwurfs beauftragt, dann erfolgten die Beteiligung der Bürger vom 13. bis 29. März und die der Träger öffentlicher Belange vom 4. März bis 4. April. Nach Sichtung der eingegangenen Stellungnahmen soll die förmliche Auslegung dann am 23. Mai im Planungsausschuss beraten werden; die Auslegung soll voraussichtlich noch vor den Sommerferien beginnen.

„Das geht leider sehr langsam“, bedauert Netter, der mit den teuren Umbaumaßnahmen nicht beginnen kann, bevor die F-Plan-Änderung durch ist. „Die Stadt sagt mir zwar: ‚Bauen Sie schonmal, wir kriegen das hin‘, aber das Risiko ist mir zu groß.“ Denn sollte im Prozess der Änderung etwas schiefgehen, fließt kein Geld – „und verschulden können wir uns nicht“, sagt Netter. Auch Handwerker seien unter diesen Voraussetzungen schwer zu bekommen. Zumal ihnen auch nicht viel Zeit bleiben würde: „Der Architekt schätzt die Arbeitszeit auf zwei Jahre.“ Ein Ende der Umbauten bis zum Jahr 2020 – bis dahin gilt der Förderzeitraum – sei daher „nicht durchführbar“, bedauert Netter. „Es ist sehr ärgerlich: Wir haben jahrelang gearbeitet und Geld reingesteckt und sind so weit gekommen – und jetzt hängt es bei anderen.“

Dass die Politik erst knapp drei Monate nach Erhalt des Förderbescheides entschieden hat, hat allerdings einen Grund, wie Anika John vom Planungsamt erläutert: „Wir haben versucht, die Fördermittelgeberstelle zu überzeugen, dass eine F-Plan-Änderung nicht nötig ist.“ Denn das Gelände ist zwar offiziell als Gewerbegebiet ausgewiesen, faktisch sei es jedoch schon lange ein Mischgebiet. Doch die Hoffnung habe sich zerschlagen, da die EU-Förderkriterien eindeutig seien. Aber: „Wenn alles reibungslos geht, kann der Bauausschuss Ende August den Feststellungsbeschluss treffen und der Rat im September entscheiden, sodass es noch in diesem Jahr klappen könnte.“ Grundsätzlich sei aber auch eine Verlängerung des Förderzeitraums möglich.

Bis Gewissheit besteht, möchte Netter nun trotzdem bereits mit kleineren Baumaßnahmen zum Brandschutz anfangen. Doch generell, ist er überzeugt, „ist das alles sehr unglücklich gelaufen“.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt