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Pflichtfeuerwehr als Not-Lösung für Nienstedt

NIENSTEDT. Was, wenn es nicht klappt? Wenn sich in Nienstedt mit seinen rund 1000 Einwohnern nicht mehr als die bislang 16 Freiwilligen finden, die sich für den Brandschutz einsetzen? Der Kreisbrandmeister hat diese Variante zumindest in der Theorie schon einmal vorgestellt – und auf eine Pflichtfeuerwehr verwiesen.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Wichtig für Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke wie auch den Stadtbrandmeister und den Bürgermeister: Sie wollen das Bewusstsein dafür wecken, dass sich in Nienstedt etwas tun muss – und zwar in der Einwohnerschaft. Tagsüber sei die Zahl der Einsatzkräfte zumeist nicht groß genug, um den Brandschutz in dem Maß sicherstellen zu können, der in anderen Ortsteilen gewährleistet ist. Die meisten Feuerwehrmitglieder arbeiten außerhalb von Nienstedt, Nachbarwehren können den Ort nicht schnell genug erreichen. „Es ist wichtig, dass man den einen oder anderen findet. Tragen Sie die Botschaft hinaus zu Freunden und Bekannten, in die Familien“, hatte Wöbbecke in der vergangenen Woche bei einer Bürgerversammlung erklärt und eindringlich dazu aufgerufen, die Brandschutz-Situation wirklich ernst zu nehmen.

Der Kreisbrandmeister zeigte in der Versammlung auch auf, was passieren kann, wenn sich nicht genug Freiwillige finden: „Die Lösung wird nicht sein, dass hauptamtliches Personal in Nienstedt stationiert wird – diese Lösung wird mit ziemlicher Sicherheit nicht kommen“, machte er deutlich. Er verwies auf vergleichbare Orte in Deutschland, in denen keine Freiwilligen in ausreichender Zahl gefunden wurden. Allein in Norddeutschland wurden im vergangenen Jahr zwei Pflichtfeuerwehren einberufen. Selbst bundesweit bekannte Orte wie List auf Sylt mussten bereits den Weg zu einer Pflichtfeuerwehr einschlagen.
„Das Brandschutzgesetz bietet die Möglichkeit, eine Pflichtfeuerwehr einzurichten. Die Verwaltung würde sich dann auf Nienstedt konzentrieren“, so der Kreisbrandmeister. Aus dem Kreis der mehr als 400 für die Bürgerversammlung eingeladenen Nienstedter im Alter zwischen 18 und 55 Jahren würden Einwohner verpflichtet. Ein Verwaltungsakt. „Die hätten dann die Pflicht, sich ausbilden zu lassen“.

Zeitlich will der Kreisbrandmeister keinen Druck aufbauen – bisher habe er sich mit der Verwaltung und der Feuerwehr gut ergänzt. Aber: Der Weg sei beschritten, etwas zu tun, um die Ortsfeuerwehr in ihrer Mitgliedersuche zu unterstützen. Wöbbecke machte in Nienstedt deutlich, dass der Ort mit der Bürgerversammlung um die besondere Problematik wisse. Wenn es nun zu einem Problem komme und sich jemand beschwere, dass sein Haus hätte gerettet werden können, wenn die Feuerwehr schneller gewesen wäre, dann würden Ortsbrandmeister, Stadtbrandmeister und Bürgermeister daran erinnern, dass sie auf das Problem aufmerksam gemacht haben, sich aber nichts getan habe. Für den Kreisbrandmeister steht aber auch fest: „Das Verfahren ist gesetzlich klar, aber es ist für alle Seiten unbefriedigend.“ Und so setzt er zunächst auf die Lösung, intensiv für die Bereitschaft zur Mitarbeit in der Feuerwehr zu werben.

Ein Weg, der seit dieser Woche bei Ortsbrandmeister Karl-Heinz Wolf zumindest die Hoffnung auf Erfolg geweckt hat. Beim wöchentlichen Dienstabend der Wehr fanden sich am Montag sieben Einwohner ein, die grundsätzliche Bereitschaft signalisierten. Darunter ein bereits ausgebildeter Feuerwehrmann. „Das war die absolute Überraschung“, sagt Wolf und freut sich über die Zahl. Nun hofft er, dass das Interesse auch tatsächlich in einer Mitgliedschaft in der Feuerwehr mündet – und sich noch weitere Freiwillige finden.



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