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Ökologie vor der Haustür: Ex-Bankchef ist Streuobstwiesen-Fan aus Passion

HACHMÜHLEN. Für manche ist der Frühling die schönste, für viele die verheißungsvollste Zeit im Jahr. Das frische Grün, die vielen Blüten der Obstbäume verweisen auf Licht und Schatten des Sommers und die späteren Früchte des Jahres. Nach den Kirschen stehen nun auch andere Obstbäume in voller Blüte. Für den Hachmühlener Stefan Markwirth, ehemaliger Bank-Vorstand, ist jetzt die Zeit, einfach zu genießen.

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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite
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„Die Bäume brauchen aktuell wenig Pflege und sehen wunderschön aus“, findet er. Bei ihren Runden durchs Mathildental verweilen Markwirth und seine Frau zur Zeit besonders gerne auf der eigens aufgestellten Holzbank mit Blick auf alle 16 gepflanzten Bäume hangabwärts. Große Ernte werden die insgesamt 16 Bäume auf der privaten Streuobstwiese in diesem Jahr noch nicht bringen. „Darauf kommt es jetzt auch nicht an“, sagt Markwirth. Seine 2017 angelegte Streuobstwiese ist noch vergleichsweise jung. Dafür wurde sie vorausschauend bestückt und von Anbeginn ebenso liebevoll wie fachkundig gepflegt. Zum Winter hin streicht er schützende Farbe auf, um Risse zu vermeiden, gegen Verbiss durch Rehe schützen Drahthosen aus Metall. „Poröses Plastik mag ich hier nicht liegen haben“, erklärt er seine Wahl.

Die schlanken Stämme sind an Pfähle gebunden, damit sie dem Wind trotzen, solange das Wurzelwerk allein sie noch nicht halten kann. „Mehr noch als Buchen, Eichen und andere heimische Bäume sind Obstbäume Kulturpflanzen, die menschliche Pflege brauchen“, betont er. Ein Beispiel: Um die Böden rund um die Bäume mager zu halten, wird zweimal im Jahr Heu gemacht. Diese Mahd sei wiederum gut für Wildkräuter und Blumen.

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Dank Fortbildung: Sowohl Obstbaum-Fachwart als auch Streuobstpädagoge

Seit Stefan Markwirth sich daran machte, seinen persönlichen Traum von einer eigenen Streuobstwiese in die Tat umzusetzen, bildete er sich beständig fort. Heute ist er sowohl Obstbaum-Fachwart als auch Streuobstpädagoge. „Ein Baum steckt seine Kraft in die Äste oder in die Früchte und noch möchte ich vor allem, dass die Bäume ein starkes Gerüst ausbilden.“ Bis zu vierhundert Kilo an Früchten sollen sie eines Tages tragen können, ohne unter der Last zusammenzubrechen.

Wer genauer hinschaut, entdeckt noch etliche weitere Feinheiten, die diese Streuobstwiese auszeichnen. Zum Beispiel kleine Hölzer zwischen den Ästen. „Das sind sogenannte Streckhilfen oder Spreizhölzer, „von denen ich früher gesagt hätte, das ist Quatsch. Jetzt nutze ich die Hölzer selbst, damit die Leitäste im gewünschten Winkel von 45 bis 60 Grad vom Stamm abgehen. Dann machen sie sich später weniger Konkurrenz ums Licht“, erklärt der 58-Jährige.

Erziehungsschnitt – Wissen, das auch weitergegeben wird

Vor wenigen Wochen erst hat Markwirth den Bäumen einen sogenannten Erziehungsschnitt verpasst – und bei der Gelegenheit sein Wissen praktisch an ein Dutzend weitere Obstbauminteressierte weitergegeben. „Erst wollte ich gar keinen Schnittkurs anbieten, aber nach zwei Anfragen an einem Tag habe ich es mir anders überlegt und ruckzuck waren zwei Gruppen beisammen“, berichtet er. Streuobstwiesen lägen wieder im Trend, folgert er daraus.

Obwohl 16 unterschiedliche Obstsorten auf der Wiese gedeihen, fußen alle Bäume im Prinzip auf der gleichen Basis: einer sogenannten Sämlingsunterlage, die rasch breite Wurzeln ausbildet, im Unterschied zu solchen, die man in kleinen Privatgärten benutzen würde. Etwa eine Handbreit über dem Boden sichten gute Beobachter noch die Veredelungsstelle, von dort an aufwärts wachsen so unterschiedlich alte Arten wie die Mirabelle von Nancy, die es schon im 15. Jahrhundert gegeben haben soll, oder die Birne Clapps Liebling. Auch eine Hauszwetsche und viele Apfelbäume sind dabei, wie sich den Schildern entnehmen lässt. Rückblickend betrachtet hätte auch ein Walnuss- oder ein Esskastanienbaum die Mischung gut abrunden können. „Die gelten als gut angepasst auch für wärmere Temperaturen“, sagt Markwirth. Ihn persönlich reizten vor allem „alte Sorten mit einer besonderen Geschichte“, erklärt er, warum guter Geschmack für ihn längst nicht das einzige oder wichtigste Auswahlkriterium in Sachen Streuobst ist.

Die Bewahrung des Kulturgutes: Warum sich Markwirth einsetzt

Nicht nur geht es Markwirth darum, eines Tages leckeres Obst zu ernten. Mit dem Anbau und Erhalt der alten Sorten möchte der Hachmühlener auch Kulturgut bewahren. Und zwar mit allem, was dazugehört. So sind Streuobstwiesen für ihn erstens Hobby und Privatvergnügen, zweitens ein Gewerbe, in das der Ruheständler seine Expertise einbringt. Drittens weiht er immer wieder Schulklassen in die Geheimnisse und Eigenarten des Refugiums Streuobstwiese ein und macht mit ihnen gemeinsam etwas, das diesen Biotopen zum Erfolg verhilft. Mal sind es Nistkästen, mal komfortable Unterschlupfe für Ohrenkneifer dort, wo sie Blattläuse vertilgen sollen.

Um die jungen Stämme herum hält Markwirth eine sogenannte Baumscheibe frei von Bewuchs. „Das dient dazu, dass Nährstoffe direkt dem Baum zugutekommen, außerdem fallen Wühlmäuse ihren Fressfeinden so eher ins Auge.“ Für jene Fressfeinde hat er zum einen eine Ansitzhilfe in der Mitte der Wiese errichtet, an verschiedenen Stellen sollen unter anderem Marder Unterschlupf in Stein- und Holzhaufen finden.

Alte Sorten, die es kaum in Supermarktregale schaffen

Auf der Wiese stehen Mirabellen neben Hauszwetschen, Apfel- und Birnenbäumen. Allesamt sind es alte Sorten, die sich kaum in Supermarktregalen finden. „Manche Sorten haben eine interessante Geschichte, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen“, erzählt er. „Ich freue mich jetzt schon auf den roten Eiserapfel im Schnee“, sagt Markwirth. Die Sorte schmecke allenfalls durchschnittlich gut, zeichne sich aber durch extrem lange Lagerfähigkeit aus. „Das hat der Sorte früher ihre Berechtigung verschafft“, betont er.

In Hachmühlen und Umgebung gibt es wieder so einige Streuobstwiesen, die aus guten Gründen neugierig machen. Markwirth kennt qua Profession und Wohnsitz viele aus dem Effeff. Während das Jahr sich noch ausbreitet, entsinnt er eine Radtour entlang der Obstbäume.




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