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Nurettin B. will neuen Prozess

EIMBECKHAUSEN/HAMELN Nurettin B. (39), der im Mai wegen des sogenannten Schleifmordversuchs an der Hamelnerin Kader K. (29) zu 14 Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt worden ist, hat ein Wiederaufnahmeverfahren beantragt. Entsprechende Informationen bestätigte am Mittwoch Oberstaatsanwalt Thomas Klinge.

Nurettin B. wurde im Mai zu 14 Jahren Haft verurteilt – wegen versuchten Mordes. Nun hat er ein Wiederaufnahmeverfahren beantragt. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Der Häftling habe einen Brief geschrieben und erklärt, dass er mit dem Urteil des Schwurgerichts Hannover aus verschiedenen Gründen nicht zufrieden ist. Zur Begründung habe der Täter mitgeteilt, seine Anwälte hätten Einlassungen und Erklärungen abgegeben, mit denen er nicht einverstanden gewesen sei. Nurettin B. fühlt sich offenbar von seinen Verteidigern im Nachhinein nicht gut beraten. Nach Angaben von Klinge muss jetzt das Landgericht Hildesheim entscheiden, ob schwerwiegende Gründe vorliegen, die es rechtfertigen, den Prozess neu aufzurollen. „Die Staatsanwaltschaft Hannover hat große Zweifel daran. Aber es ist Sache des Gerichts, das zu prüfen“, sagte Klinge. Kader K.s Anwalt Roman von Alvensleben erfuhr von dem Antrag des Täters durch einen Zufall: „Ich wollte, dass die Staatsanwaltschaft das meiner Mandantin zugesprochene Auto des Täters herausgibt. Die Staatsanwältin hat mir mitgeteilt, das ginge im Moment nicht, weil ein Wiederaufnahme-Verfahren beantragt worden sei“, sagte der Anwalt. Er will erfahren haben, dass es dem Täter vor allem um den Täter-Opfer-Ausgleich geht. Nurettin B. und Kader K. hatten seinerzeit hinter verschlossenen Türen einen richterlichen Vergleich geschlossen. „Der Täter verpflichtet sich, dem Opfer ein Schmerzensgeld in Höhe von 137 000 Euro plus Zinsen zu bezahlen und für sämtliche materiellen und immateriellen Zukunftsschäden, die nicht von Dritten übernommen werden, aufzukommen. Ferner wird B. seiner Ex-Partnerin seinen VW Passat im Wert von 12 000 Euro übereignen.“ Es ist das Auto, mit dem die Mutter durch die Südstadt geschleift wurde.Kader K. selbst zeigt sich von dem Verhalten ihres Ex-Mannes nicht überrascht. „Ich habe immer gesagt: Er liebt Geld über alles. Davon kann und will er sich nicht trennen. Er bereut die Tat nicht.“ Dennoch ist die junge Mutter, die auch ein Jahr nach den Mordattacken physisch und psychisch mit den Folgen zu kämpfen hat, irritiert und verunsichert. Aber derzeit hat sie ganz andere Sorgen. Mutter und Vater sind von Abschiebung bedroht. Im Alter von zwölf ist Kader K. gemeinsam mit Bruder und Schwägerin nach Deutschland geflüchtet. Jahrelang wuchs sie in der Fremde ohne Mutter und Vater auf. Nun, wo die Familie wieder vereint ist, droht sie auseinandergerissen zu werden. Kader K., die einen deutschen Pass besitzt, ist traurig. Albträume, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen, aber auch starke Schmerzen, setzen ihr zu. Aufgrund ihrer schweren Verletzungen kann sie derzeit nicht arbeiten. Unterhalt habe ihr ehemaliger Mann ihr immer noch nicht gezahlt, sagt sie. Der vor Gericht erstrittene Täter-Opfer-Ausgleich ist nicht erfolgt, die Erwerbsunfähigkeitsrente noch nicht durch. Kader K. ist seit der Tat auf die Hilfe ihrer Familie angewiesen – und auf Spenden.

Die Stadt Hameln als zuständige Ausländerbehörde will aus humanitären Gründen helfen. „Wir haben die Sachlage intensiv geprüft. Derzeit besteht keine Gefahr einer Abschiebung für die Mutter. Für sie liegt eine Duldung vorerst bis zum 27. März 2018 vor. Parallel dazu läuft aber auch das Verfahren des Vaters. Er ist später als seine Ehefrau nach Deutschland eingereist. Sein Asylantrag wurde abgelehnt; ein Klageverfahren ist anhängig. Damit ist er noch nicht vollziehbar ausreisepflichtig. Daran ist auch die Duldung der Mutter des Opfers gekoppelt – unabhängig von dem oben genannten Termin“, sagt Behördensprecher Thomas Wahmes.

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