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Neue Ausstellung: Jutta Witthinrich verarbeitet Müll zu Kunst

EIMBECKHAUSEN. Nach ihrer „Seelenlandschaften“ betitelten Ausstellung vor drei Jahren an gleicher Stelle zeigt die Münderanerin Jutta Witthinrich nun in ihrer zweiten Ausstellung im Deutschen Stuhlmuseum in Eimbeckhausen mit dem „Seelenwächter“ eine Weiterführung der Thematik.

Autor

Christoph Huppert Reporter
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Witthinrich, die als Spätberufene vor 15 Jahren durch einen Volkshochschul-Malkurs zu ihrer Kunst fand, ist fasziniert von der Wirkung, die Unbelebtes und Seelenloses auf die menschliche Psyche hat. Als Psychotherapeutin weiß Witthinrich um die Zusammenhänge zwischen scheinbar belanglosen Dingen und menschlichen Emotionen.

„Ja, ich bin auf den Müll gekommen“, sagt sie schmunzelnd. Als zur Sparsamkeit erzogener Mensch habe sie Alltagsgegenstände immer geachtet, nie vorschnell weggeworfen, sondern versucht, den Wert der Dinge zu erfassen.

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Die künstlerische Umsetzung sind Bilder und Collagen, an scheunenartigen Holztüren, Ein- oder Ausgänge, genagelt, die in einem an die italienische „Arte Povera“ der 60er-Jahre angelehnten Kunstverständnis scheinbar Wertloses zur Kunst erheben.

2 Bilder

Witthinrich weiß dabei um die Eigenschaften des Stofflichen. „Papier und Pappe beispielsweise sind eigensinnig, widersetzen sich der Gestaltung. Aber man muss die Hände nur machen lassen.“ Viel Geduld sei gefordert, bei der Analyse der Materialien ebenso wie beim Warten auf das Trocknen des Klebers.

Alte Dinge in neuen Kontext stellen

Die Dinge in einen neuen Kontext zu stellen, das ist eines ihrer Ziele. Wie bei dem alten Bilderrahmen ihrer Mutter, durch den das Bildobjekt „Corona im Fadenkreuz“ neue Realität und neuen Sinn eingehaucht bekommt.

Ob Kies, Asche oder Ruß oder Baumarktnägel, alles das wird geschätzt und verarbeitet, und in neuen Sinnzusammenhängen mit Leben erfüllt.

„Natürlich geht es auch um den seelischen Müll, den wir alle mit uns tragen“, sagt die Künstlerin. Etwas, das uns mitunter oder immer häufiger in Depressionen stürzen kann. Doch es gibt den „SeelenWächter“. Für Witthinrich eine goldene Kugel mit stabilem Kern. Der verleiht Sicherheit. „Einer, der auf uns aufpasst“, so Witthinrich. Die glänzende Hülle könne schnell verletzt werden, stehe als Metapher für die Persönlichkeit. Deren Kern aber sei unzerstörbar und voller Selbstheilungskräfte. Witthinrich: „Das ist der SeelenWächter in und um uns herum.“

Die erste Ausstellung im Deutschen Stuhlmuseum seit langer Corona-Pause

„Das ist die erste Ausstellung im Deutschen Stuhlmuseum seit langer Corona-Pause“, sagt Dr. Jürgen Othmer vom Stuhlmuseum. Nach Corona sei nun im Juni eine Ausstellung mit Möbeln und Bildern der Familie Benze geplant und im Herbst eine Fotoausstellung.

„SeelenWächter“ ist noch bis zum 19. Juni im Ausstellungsraum des Stuhlmuseums zu sehen. Jeweils alle 14 Tage am Sonntag von 14 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung.




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