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Nach Drohungen und Angriffen: Ein Dorf hält zusammen

NIENSTEDT. Die gut hundert Stühle im Zentrum der Kapellengemeinde Nienstedt reichen nicht aus, um allen Menschen einen Platz anzubieten. Etwa 120 Personen zeigen großes Interesse daran, zu erfahren, was in ihrem Dorf an Schikanen und körperlichen Attacken gegen die Eheleute Britt und Janina Westerhoff gelaufen ist.

Janina (li.) und Britt Westerhoff im Gespräch mit dem Nienstedter Ralf Rothemann. Er und viele andere Einwohner wollen künftig als wachsame Bürger den beiden Frauen und ihren Kindern zur Seite stehen. Fotos: Voigtmann

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Horst Voigtmann Reporter

Sichtlich bewegt berichtet Britt Westerhoff von den Anfeindungen gegen die gleichgeschlechtlichen Eheleute, die seit Januar in schriftlicher Form in ihrem Briefkasten landeten oder mit einem wasserfesten Filzstift auf ihre Fensterscheiben geschrieben wurden. Die Attacken gipfelten schließlich in dem körperlichen Angriff, dem Janina Westerhoff nur entgehen konnte, weil sie gegen den Angreifer Pfefferspray einsetzte (wir berichteten). Immer wieder kullern Tränen über die Wangen der beiden Frauen. Sie haben Angst. Das ist vermutlich genau das Ziel des Stalkers. Diesem Treiben wollen Nienstedter Bürger nicht mehr passiv gegenüberstehen, das wird in der Gemeindeversammlung sehr schnell deutlich.

Unter anderem werden Regenbogenfarben angeboten, um zu zeigen, dass Homophobie in der modernen Gesellschaft keinen Platz mehr hat. Zudem werden Listen herumgereicht, auf denen sich Teilnehmer der Veranstaltung eintragen können, wenn sie bereit sind, sich in Krisensituationen von Britt und Janina Westerhoff rufen zu lassen. „Wir sind dann schneller an Ort und Stelle als die Polizei aus Bad Münder“, sagt ein zwei Meter großer Einwohner. Andere Teilnehmer erklären sich bereit, die Frauen zu begleiten, wenn sie einen Spaziergang im Wald machen wollen. Außerdem wird überlegt, eine WhatsApp-Gruppe einzurichten, die von Britt und Janina Westerhoff genutzt werden könne, wenn eine akute Bedrohungslage bestehe.

Sebastian Kühl, Egestorfer Pastor und auch zuständig für die Kapellengemeinde Nienstedt, freut sich über die Resonanz der Bürger, die künftig aufmerksame Nachbarn sein wollen.

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Der Schutz sei in solchen Situationen scheinbar nicht gewährleistet, merken Einwohner während der Versammlung an. Auch hatten die Eheleute Westerhoff die Polizei in Bad Münder gebeten, dass ein Beamter bei der Gemeindeversammlung anwesend sei. Ein Teilnehmerbeitrag ging in eine ähnliche Richtung: Er habe gehofft, dass die Polizei Tipps über sinnvolles Verhalten in solch einem Fall geben würde, sagt der Bürger.

„Wenn sich jemand unsicher fühlt, wie er sich verhalten soll, und eine Frage hat, kann er jederzeit bei uns anrufen oder auf der Wache vorbeikommen“, erklärt dazu der Münderander Polizeichef Ulrich Mathies. Zudem sei während der Versammlung ein Streifenwagen in Nienstedt unterwegs gewesen. „Im Rahmen der Streife fahren wir durch alle Ortschaften, momentan etwas verstärkt in Nienstedt. Das ist einfach der Situation geschuldet“, so Mathies. Darüber hinaus betont der Polizeichef: Wenn im Fall einer akuten Bedrohung alle Münderander Einsatzkräfte gerade anderweitig gebunden wären, würden sich sofort Fahrzeuge der Polizei aus Hameln, Springe, Bad Nenndorf oder Barsinghausen auf den Weg nach Nienstedt machen.



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