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Museumsteam sucht Material zur Stimmungslage im NS-Alltag

BAD MÜNDER/SPRINGE. Hakenkreuzfahnen an der Marktstraße, Uniformen im Straßenbild, Reglementierungen und neue Massenorganisationen – in den Städten an Deister und Süntel veränderte sich nach der nationalsozialistischen Machtübernahme das Alltagsleben der Bevölkerung. Verbote von Vereinen und Verbänden wirkten sich auf das gesellschaftliche Leben aus – aber wie entwickelte sich die Stimmung in der Bevölkerung?

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite
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Dieser Frage will Dr. Kai Witthinrich, Historiker und Leiter des Museums Bad Münder, mit seinem Team nachspüren. „Wir planen für 2022/23 die Herausgabe einer umfassenden Dokumentation über die Jahre 1933 bis 1945 im ehemaligen Landkreis Springe sowie eine entsprechende Ausstellung im Museum Bad Münder“, sagt Witthinrich. Dafür benötigt das Museumsteam allerdings noch Unterstützung – und hofft auf Bilder, Unterlagen, Dokumente, die in Familien im Altkreis Springe aufbewahrt werden. „Wir suchen noch Dokumente und unveröffentlichte Fotos aus dieser Zeit. Es geht dabei nicht um Bilder von Kriegsschauplätzen, sondern von weniger spektakulären Ereignissen in unserer Region – zum Beispiel von Versammlungen, Aufmärschen, Treffen der Hitlerjugend, Straßensammlungen, Luftschutzübungen, Manövern, später auch von Kriegsgefangenen oder abgestürzten Flugzeugen. Kurz: Wie sah der Alltag in den betreffenden Jahren aus?“, erklärt Witthinrich.


Schreiben staatlicher Behörden gesucht

Bilder können einen guten Eindruck davon vermitteln, aber auch Unterlagen geben die Stimmungslage wieder. Für das Museumsteam sind Dokumente interessant, insbesondere Schreiben staatlicher Behörden und amtliche Broschüren. „Aber auch Briefe von Kriegsteilnehmern interessieren, die etwas über die Stimmung der Schreiber verraten“, macht Witthinrich deutlich.

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Durch verschiedene Organisationen und ihre Angebote erhöhte das NS-Regime seine Akzeptanz in der Bevölkerung enorm. Um den Arbeitsmarkt zu entlasten, wurden unter anderem sogenannte Ehestandsdarlehen von bis zu 1000 Reichsmark eingeführt. Unterlagen dazu dürften in einigen Familien noch zu finden sein, denn: Mit Erhalt des Geldes verpflichteten sich Frauen, nach der Heirat ihren Beruf aufzugeben.

Die Zielsetzung des NS-Staats, möglichst alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens mit nationalsozialistischer Ideologie zu durchdringen, zeigte sich im Alltag auch in den Bestrebungen, möglichst viele Jungen und Mädchen in die NS-Jugendorganisationen zu ziehen – auch darüber könnten noch Unterlagen vorhanden sein.


Der Kontakt zum Museumsteam

Wer aus Nachlässen oder eigenen Unterlagen noch über für die Dokumentation oder die Ausstellung interessantes Material verfügt, erreicht Dr. Kai Witthinrich privat unter 04042(506472 und im Museum unter 05042/6228.




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