weather-image
15°

Ministerin Barbara Otte-Kinast: 100 Tage und ein Sturm

Bad Münder. 100 Tage ist sie im Amt: Barbara Otte-Kinast verantwortet seit dem 22. September das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

270_0900_83509_lkbm109_0203_ottekinast_Ministerin_Otte_K.jpg
Jens

Autor

Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Neulich, so vor drei Wochen, da blitzte es plötzlich durch: „Am Sonntag mache ich den kompletten Dienst. Ich muss mal wieder in den Stall, mich bewegen“, verkündete Barbara Otte-Kinast im kleinen Kreis. Gerade hatte sie als Chefin die Führungsspitze des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nach einer Klausurtagung in Bad Münder ins Auto verabschiedet, den dringend notwendigen Schmerztermin beim Zahnarzt bestätigt und sich auf einen gemeinsamen Abend mit ihrem Mann gefreut. Und dabei festgestellt, dass mit der Ernennung zur niedersächsischen Landwirtschaftsministerin die Bewegung deutlich zu kurz kommt. Seit 100 Tagen ist sie heute im Amt, und der Tagesablauf der 53-Jährigen aus Beber hat sich massiv verändert. Als Milchbäuerin auf dem eigenen Hof und Vorsitzende der Landfrauen in Niedersachsen war sie stets in Bewegung, als Wahlkämpferin für die CDU und in eigener Sache kaum weniger – als Ministerin sind ihre Tage von langen Sitzungen, viel Zeit im Büro und noch mehr Zeit im Auto geprägt. Morgens wird sie von ihrem Fahrer in Beber abgeholt, im Auto werden die ersten Unterlagen durchgearbeitet, Telefonate geführt, Termine festgezurrt. Dann geht es ins Ministerium, oftmals aber nicht die einzige Station des Tages: „Ich bin ansprechbar“ hatte sie im Wahlkampf als Botschaft landauf, landab hinterlassen, und diese Botschaft wurde gehört und jetzt eingefordert, von Neuharlingersiel bis zum Harz. Verbände und Vereine, Jungbauern und Fischzüchter, Geflügelhalter und Jäger, Forstbesitzer und Ökobauern, Wildhändler und Milchbauern, Schweinemäster und Ernährungsexperten, dazu immer wieder Parteiveranstaltungen der CDU-Basis – sie alle wollen mit Otte-Kinast sprechen, sich vorstellen, erklären, was sich ändern muss. Derart groß ist die Zahl der Besuche, dass die Rubrik „Ministerin im Dialog“ auf der Homepage des Ministeriums rasant wächst. Gleichzeitig wird diese Bereitschaft, auf die Menschen zuzugehen und sich als Gesprächspartnerin anzubieten, auch als Stärke der neuen Ministerin gesehen. „Sie ist absolut authentisch. Macht, was sie angekündigt hat. Hört zu, fragt nach – und entscheidet dann“, sagt Petra Joumaah, Landtagsabgeordnete und langjährige Parteifreundin.

Der Blick auf die 100-Tage-Bilanz der Ministerin offenbart: Eine Schonzeit gab es nicht. Im Agrarland Nummer eins das Landwirtschaftsressort zu verantworten, ist eine Aufgabe, die zahlreiche Stolperfallen bietet. Dioxin im Ei, EHEC-Verdacht bei Sprossen, Pferdefleisch in der Lasagne verbrauchten ihre Vorgänger, auf Otte-Kinast wartet die Afrikanische Schweinepest. Die Bedrohung, von der auch die Ministerin sagt, dass längst nicht mehr die Frage wäre, ob sie komme – die Frage sei nur noch, wann. Und wie das Land darauf vorbereitet sei.

Sie forderte Jäger auf, die Wildschweinbestände klein zu halten, um das Ausbreitungsrisiko zu minimieren. Nach Sturm „Friederike“ blickte sie mit Forstwirten auf Schneisen der Verwüstung. Ein kleinerer Sturm begegnete ihr nach der Ankündigung, die die Weideprämie – den Zuschuss für die Haltung von Kühen und Schafen auf der Weide statt im Stall – zu streichen, zumal sie erklärt hatte, einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf das Tierwohl legen zu wollen.

Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare