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Katzenkastration – nach zweieinhalb Wochen ist der Fördertopf leer

BAD MÜNDER. Die Resonanz: enorm. Am Donnerstag war der Fördertopf, den das Landwirtschaftsministerium unter Barbara Otte-Kinast für kostenlose Katzenkastrationen aufgestellt hatte, komplett abgerufen. Auch in Bad Münder hat das Förderprogramm zu einem Anstieg der Kastration wild lebender Katzen geführt.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Das erklärte Ziel: die Linderung des Tierleids. Ursprünglich war der Projektzeitraum auf zwei Monate festgelegt worden – dass bereits nach etwas mehr als zwei Wochen alle Mittel abgerufen waren, spricht für Beate Schulz-Sorge eine deutliche Sprache. Die Rohrsenerin engagiert sich für verwilderte Katzen, setzt sich persönlich stark dafür ein, die unkontrollierte Vermehrung zu begrenzen und das Katzenelend zu mindern. Sie wertet die starke Nachfrage nach Fördermitteln als gutes Signal. Ihre Argumentation: Wäre sie deutlich geringer ausgefallen, hätte daraus abgeleitet werden können, dass das Problem nicht so groß ist, wie sie es seit vielen Jahren wahrnimmt.

Aus dem Fördertopf, den das Ministerium, die Landes-tierschutzbeauftragte, die Tierärztekammer, der Bund praktizierender Tierärzte und zwei Tierschutzorganisationen am 15. Januar aufgelegt haben, können Tierschutzvereine, Tierheime und Betreuer von kontrollierten Futterstellen freilebenden Hauskatzen, denen kein Besitzer zugeordnet werden kann, kostenlos kastrieren lassen. Anschließend werden die Katzen per Mikrochip gekennzeichnet und registriert. Die Tierarztpraxen bekommen die Kosten auf Antrag erstattet. Die Möglichkeit der Antragstellung wurde allerdings gestern geschlossen, wie Holger Lorenz, Geschäftsführer der Tierärztekammer Niedersachsen, auf NDZ-Nachfrage bestätigte.

Er rechnet derzeit nicht mit weiteren Mitteln aus dem Ministerium, hat aber die Hoffnung, dass über externe Spenden, beispielsweise von Tierschutzorganisationen, noch Geld in das Projekt fließt und eine Fortsetzung ermöglicht. Einige wenige Anträge können wahrscheinlich auch in der kommenden Woche noch aufgenommen werden, wenn die aktuell eingegangenen Anträge überprüft und Fehlmeldungen ausgesondert worden seien. Sehr genau werde darauf geachtet, dass tatsächlich nur die ins Auge gefasste Gruppe von der kostenfreien Kastration profitiere, nicht etwa Privatpersonen, die ihr eigenes Haustier kostengünstig kastrieren lassen wollen. „Jeder Tierhalter hat eine Verantwortung für sein Tier, und die wird ihm auch nicht abgenommen.“ Ein anderer Umgang mit der Kostenübernahme wäre ein falsches Zeichen.

Ähnlich sieht es auch Dr. Philipp Kloene, Tierarzt in Eimbeckhausen. Er unterstützt die Kastrationsinitiative, auch, weil er sie als ein wichtiges Zeichen sieht: „Man kann sich nicht immer nur darüber beschweren, dass nichts passiert, und sich dann zurückhalten und aufs Geld schauen“, sagt er. Das übliche Honorar des Tierarztes wird nicht komplett übernommen, 25 Euro pro Operation spendet er. Weniger glücklich findet er den Termin, zu dem die Aktion gestartet wurde, weil es die Wintermonate den Helfern für gewöhnlich schwerer machen, die Tiere zur Kastration zu fangen. Zum Glück sei es in den vergangenen Wochen nicht zu kalt gewesen. Und Kloene sieht auch die vorgeschriebene Kennzeichnung der kastrierten Tiere mit einem Chip als problematisch an. Besser wäre aus seiner Sicht eine Tätowierung gewesen, sie hätte den Helfern ermöglicht, schon in der Falle feststellen zu können, ob ein Tier bereits kastriert sei.. Ein verwildertes Tier mit Chip müsse dazu erst in Narkose gelegt werden. „Das Geld für den Chip wäre beispielsweise in der Beseitigung von inneren und äußeren Parasiten besser angelegt gewesen“, glaubt Kloene.

200 000 Euro hat das Ministerium in den Fördertopf eingezahlt, noch einmal 45 000 Euro die Tierschutzorganisationen. Der Deutsche Tierschutzbund geht allein in Niedersachsen von rund 200 000 verwildert lebenden Katzen aus, etwa 2600 davon wurden nach Abgaben der Tierärztekammer in den vergangenen beiden Wochen kastriert. Ausdrücklich gewürdigt werden soll mit dem Vorstoß, so Geschäftsführer Lorenz, das Engagement vieler ehrenamtlich im Tierschutz Tätiger, die oftmals Kastrationen verwilderter Katzen aus eigener Tasche bezahlen. Und das kann durchaus ins Geld gehen, wie Beate Schulz-Sorge weiß. Rund 145 Euro für ein weibliches Tier, rund 85 Euro für einen Kater müsse man rechnen. Und Schulz-Sorge ist nicht allein, sie kennt auch andere Tierfreunde, die ihre Freizeit und ihr Geld einsetzen, Tiere mit Futter zu versorgen oder – wo möglich – behandeln zu lassen. Als Problemstellen kennt sie insbesondere Bauernhöfe, wo Tiere sich selbst überlassen werden.

Die Erwartung, dass sich mit der Initiative die Situation komplett entspannt, hat Schulz-Sorge nicht, sehr wohl aber die Hoffnung, dass sich etwas bewegt: „Wenn es hilft, das Katzenelend einzudämmen, dann ist das schon ein wichtiger Schritt.“



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