weather-image

Interview: Kreisbrandmeister Wöbbecke zur Lage in Nienstedt

In der kommenden Woche wird in Nienstedt über die Zukunft der dortigen Feuerwehr gesprochen: Der Bürgermeister hat zu einer Bürgerversammlung geladen. Mit dabei ist am 25. Februar auch der ranghöchste Brandschützer des Landkreises Hameln-Pyrmont, Frank Wöbbecke. NDZ-Reporter Gert Mensing hat ihm gesprochen.

„Eine Pflichtfeuerwehr wäre denkbar, aber nicht wünschenswert.“: Frank Wöbbecke, Kreisbrandmeister, im NDZ-Interview.

Herzlichen Glückwunsch erst mal zur Wiederwahl. Eine weitere Periode als Kreisbrandmeister. Und danach?
Danach ist für mich auf jeden Fall das Ende erreicht, was Führungsfunktionen angeht – und ich werde mich wieder häufiger in meiner Ortsfeuerwehr zum „normalen“ Feuerwehrdienst sehen lassen. Ich habe dann über 30 Jahre durchgängig Führungsverantwortung gehabt und freue mich auf die zweite oder dritte Reihe und auf wesentlich mehr Freizeit.

Die Kreisfeuerwehr steht vor großen Herausforderungen. Allein in der Stadt Bad Münder wurden gerade drei von 16 Ortsfeuerwehren aufgelöst. In Nienstedt findet kommenden Montag eine Bürgerversammlung statt, zu der die Stadtverwaltung alle dienstfähigen Bürger geladen hat. Und in anderen Kommunen kam es zu Fusionen. Ist das die Entwicklung der Zukunft bis hin zur Pflichtfeuerwehr?

Ja, große Herausforderungen liegen vor uns. Die Geschichte des Feuerwehrwesens in Deutschland ist jedoch inzwischen rund 150 Jahre alt und in dieser Zeit hat die Feuerwehr viele Umwälzungen überlebt und Herausforderungen gemeistert. Insofern bin ich auch in dieser Zeit zuversichtlich, dass es weitergeht.

Natürlich gibt es Ortsfeuerwehren mit Problemen und auch welche, die ums Überleben kämpfen. Aber es gibt auch welche, die inzwischen mit jahrelanger Investition in Kinder- und Jugendfeuerwehr erste Früchte ernten und es gibt sogar noch Feuerwehren, die auch ohne Jugendarbeit ausreichend Mitglieder gewinnen können, auch wenn das vermutlich ein Auslaufmodell ist.

Die Mitgliederzahlen auf Kreis- und Landesebene haben aufgrund verschiedener Bemühungen und Programme jedenfalls im Moment ein stabiles Niveau. Das stimmt zuversichtlich. Allerdings gleicht keine Ortsfeuerwehr der anderen, jede hat ihr eigenes Leben und andere Umstände, mit denen sie fertig werden muss.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit einer Pflichtfeuerwehr in Nienstedt?
Das trifft auch auf die Feuerwehr Nienstedt zu, die von der Mitgliederzahl gar nicht schlecht aufgestellt ist, aber topografisch so liegt, dass Nachbarorts-Feuerwehren einfach zu lange brauchen, um hier innerhalb der Hilfsfrist unterstützen zu können.

Daher hat sich aufgrund der längeren Eingreifzeiten aus der Brandschutzbedarfsplanung hier ein Handlungserfordernis ergeben, das uns auch als Landkreis und Kommunalaufsicht ins Boot holt.

Ob aus solch einer Situation mal irgendwann eine Pflichtfeuerwehr resultiert, kann ich nicht voraussehen. Das wäre denkbar, aber nicht wünschenswert. Es kann aber unter bestimmten Umständen der einzige Weg sein, um gesetzliche Vorgaben einzuhalten und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu garantieren.

Viele Kommunen haben Neuanschaffungen von Fahrzeug, Gerät und Technik immer wieder nach hinten geschoben. Jetzt gibt es lange Lieferzeiten der Hersteller. Droht hier ein Kollaps? Ist man vielerorts nicht mehr genügend ausgerüstet?

Das stimmt, aber mit so dramatischen Folgen würde ich das nicht sehen. In Hessisch Oldendorf ist kürzlich ein Fahrzeug ausgefallen, das dann durch ein Vorführfahrzeug relativ schnell ersetzt werden konnte. Es kann eben sein, dass man in solch einer Situation dann Abstriche machen muss.

Das kann aber auch bedeuten, dass man eigentlich unwirtschaftliche Reparaturen doch noch durchführen muss bis ein Ersatzfahrzeug kommt. Es gibt immer mehrere Lösungen.

Die Finanzen sehen überall nicht rosig aus. Immer wieder kommen neue Anforderungen von der Unfallkasse – wie beispielsweise Nachrüstungen mit Atemschutzgeräten, Umbauten in Feuerwehrhäusern oder sichere Dienstkleidungen. Ist hier ein Ende in Sicht?

Da sehe ich leider kein Ende, aber es ist nicht nur die Unfallkasse. Verständlicherweise beklagt sich die Politik über ständig anspruchsvollere und am Ende kostenintensivere Vorschriften.

Aber genau die gleiche Politik hat es mit der Gesetzgebung in der Hand, hier für Abhilfe zu sorgen. Die Gesetze und Vorschriften werden nicht von der Feuerwehr gemacht. Wir haben sie aber entsprechend zu beachten und umzusetzen.

Was wünschen Sie sich bis zum Ende ihrer Dienstzeit?

In der Vielfalt unserer Ortsfeuerwehren arbeiten tolle Menschen. Vom Hilfsarbeiter über die Erzieherin, den Handwerker bis zur Juristin haben wir für jeden eine Aufgabe und können Probleme auch mit diesem vielseitigen Team lösen, wenn wir es richtig anstellen.

Ich glaube, da haben wir noch Potenzial, was die Ortsfeuerwehren heben können. Ansonsten wünsche ich mir, dass ich gesund bleibe, um meine Dienstzeit so zu Ende zu bringen, wie ich mir das vorstelle. Noch ein wenig Zeit an entscheidender Stelle für unsere Feuerwehren in den Städten und Dörfern zu wirken, das ist eine oftmals anstrengende, aber wundervolle Aufgabe, die belohnt wird durch Unterstützung von vielen Kameradinnen und Kameraden.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt