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Ingeborg Bartels feiert 100. Geburtstag

HASPERDE. Jeder hat sein Rezept für ein erfülltes Leben. Zu welchem Schluss kommt man nach einhundert Lebensjahren? Ingeborg Bartels aus dem Seniorendomizil Schloss Hasperde kann sich ihr hohes Alter nicht erklären, doch für sie steht fest: „Ich bin sehr zufrieden und würde das heute alles noch einmal so machen.“

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Autor

Juliet Ackermann Volontärin zur Autorenseite

Geboren im gleichen Jahr wie Ingmar Bergmann, Hans Scholl oder Helmut Schmidt erlebte Bartels die Hyperinflation der Weimarer Republik, fünf Währungsumstellungen, den Zweiten Weltkrieg, Zeiten ohne Telefon, Internet und Donald Trump. Wie wird man so alt? Und was kann man in zehn Jahrzehnten erleben? „Ich habe alles gegessen, was es gab, habe pariert, war den Eltern keine Last und habe zeitig geheiratet“. Diese interessante Zusammenfassung zeugt von Bodenständigkeit und Bescheidenheit, Eigenschaften, die sich Bartels bewahrt hat. Noch heute schenkt sie lieber als beschenkt zu werden, und sie hält an ihrer positiven Lebenseinstellung fest: „Ich denke nur an Schönes und freue mich über alles, auch über Kleinigkeiten“.

Deutlich und geistreich berichtet Bartels über ihr Leben und garniert die Erzählung mit Anekdoten. Prägend war offenbar die Kindheit: Geboren in Deensen im Landkreis Holzminden am Dienstag, 1. Januar 1918, abends um elf − so hat es die Mutter erzählt − sind für sie manche Einzelheiten sehr präsent. Etwa Konversationen zwischen Vater und Mutter. Oder Zugfahrten, wie anlässlich des Umzugs der Familie nach Holzminden. „Die ganze Fahrt über habe ich geredet. Und dann waren wir auf einmal da“. Als redseliges, doch zugleich schüchternes Kind beschreibt sie sich. Noch in hohem Alter erscheint die Dame zurückhaltend, zugleich aufmerksam und geistig aktiv. Anschaulich spricht sie von ihren Erinnerungen an eine Kindheit mit Klavierunterricht, Kinderbett mit Himmel und Freifahrtschein. Der Vater habe seine beiden Töchter mit Worten anstatt mit Schlägen erzogen.

Mit 18 Jahren heiratete sie den sechs Jahre älteren Hermann. Der wurde als Soldat eingezogen, fiel am 26. Dezember 1943. Nach dem Krieg heiratete Bartels ein zweites Mal. Mit ihrem letzten Lebensgefährten, einem Imker, verbrachte sie 27 Lebensjahre in Holzminden.

Seit 2011 lebt sie im Seniorendomizil Schloss Hasperde, wo sie regelmäßig Besuch bekommt – unter anderem von ihrem Sohn, der inzwischen selbst 77 Jahre alt ist. Im Domizil, besonders in ihrem Einzelzimmer, fühlt sich die Hundertjährige gut aufgehoben: „Hier ist mein zu Hause“, macht sie deutlich. Zu ihrem Hab und Gut gehört wenig, doch alles, was es braucht. Stolz präsentiert Bartels einige Handarbeiten, darunter ein Überzugslaken, in welches kunstvoll ihre eigenen Initialen eingearbeitet sind. Häkeln, Nähen, Sticken, Stricken – Handarbeiten habe sie immer gern gemacht, schon in der Jugend gelernt. „Wir haben alles selber gemacht. Das steckte in uns drin“. Aus der Handarbeitsbegeisterung wurde mehr, Ingeborg Bartels absolvierte auch eine dreijährige Ausbildung zur Näherin. In aufwendiger Handarbeit entstanden unter anderem Kaffeedecken und Kopfkissen, die sie auch gern verschenkte. Beschenken lassen hingegen konnte sie sich nun zu ihrem eigenen runden Geburtstag. Auch wenn Ingeborg Bartels ihren Ehrentag nie groß feiern mochte: Zum 100. feierte sie generationenübergreifend mit 25 Gästen im Kastanienhof ein Fest.

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