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Informationen frisch vom Bauern

BAD MÜNDER/GROSS HILLIGSFELD. Ländliche Räume sind geprägt von der Landwirtschaft. Die jedoch hat sich stark verändert – und das Bild, das heute vielfach mit Landwirtschaft in Verbindung gebracht wird, stammt seltenen aus persönlicher Anschauung. Das will die Arbeitsgemeinschaft 60 plus der SPD nun ändern.

Wille

Sie hat die Informationsreihe „Landwirtschaft in unserer Region – gestern – heute – morgen“ ins Leben gerufen. Einer der Motoren der Inforeihe ist der Münderaner Siegfried Schönfeld. Er kennt Landwirtschaft noch aus einer Zeit, in der eine Kuh oder einige Schweine im Stall eben keine Seltenheit waren. Betriebe in dieser Größenordnung gibt es heute nur noch in Ausnahmefällen, und der Bezug zur Landwirtschaft schwindet immer mehr. „Wir haben über Jahre über Landwirtschaft diskutiert – das war aber alles sehr theoretisch. Man muss raus zu den Höfen und Ställen, selbst mit den Leuten reden, wenn man sich ein Bild machen will“, sagt er.

Zum Auftakt der Inforeihe setzten sich die SPD-Senioren im Unterbezirk jetzt mit dem Thema Schweinezucht in der Region auseinander – und fanden gleich hinter der Stadtgrenze von Bad Münder einen Landwirt, der ihnen gerne das Hoftor öffnete.

Der Betrieb der Familie Bödecker in Groß Hilligsfeld verfügte ab 1965 zunächst über 23 Hektar Ackerfläche und zehn Rinder und wurde von Walter Bödecker, dem Vater des heutigen Eigentümers Jörg Bödecker, im Nebenerwerb geführt. Jörg Bödecker stellte den Besuchern die Strukturen seines auf 70-Hektar vergrößerten Hofes vor und bat die Gruppe dann zum Umziehen. In sterilen Overalls ging es zum Rundgang durch die Stallungen, in denen die Besamung der Sauen und die Ferkelaufzucht erfolgen. „Die 140 Sauen, die durchschnittlich zwei bis drei Mal im Jahr ferkeln, werden in speziellen Boxen gehalten. Der Neubau eines Aufzucht- und Wartestalles im Jahre 2008 ließ den Tierbestand auf knapp 1200 Mastplätze wachsen“, berichtet Schönfeld. Das Mästen der Tiere bei einer Tageszunahme von 1000 Gramm zur Schlachtreife von rund 120 Kilo geschehe dann in einem Zeitraum von rund vier Monaten.

Die Gäste erhielten vor Ort unter anderem einen Einblick in die Haltung und Fütterung der Masttiere, die penible Einhaltung von Hygienevorschriften und die Vermarktung der Schweine an Schlachthöfe in der Region. Bödecker informierte sie auch über wirtschaftliche Parameter.

Um sich unabhängiger von der Tiermast aufzustellen, hat sich der Landwirt 2012 mit zwei Berufskollegen ein weiteres Standbein aufgebaut. Zwischen Hasperde und Flegessen haben sie eine Biogasanlage errichtet. „Diese Anlage stellt auch die Abnahme und Verstromung unserer gesamten Schweinegülle sicher“, erklärte Bödecker.

In der anschließenden Diskussion ging es um den sinkenden Schweinebestand in Deutschland sowie die steigende Schweinefleischproduktion in Spanien, Dänemark und den Niederlanden. Unterschiedliche Vorschriften bei der Fleischproduktion in einzelnen EU-Ländern wurden thematisiert, die auch die Zukunftsplanungen junger Landwirte erschwerten. Dabei spielen auch die erheblichen Investitionen eine Rolle, die für Baumaßnahmen und den Erwerb von Traktoren und anderem landwirtschaftlichen Gerät anfallen. Auch auf Hof Bödecker ist die Nachfolge ein Thema. Ein Sohn von Jörg Bödecker ist grundsätzlich zur Übernahme bereit, allerdings wünsche er sich dafür deutlich mehr Planungssicherheit.

Organisator Schönfeld zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ablauf des ersten Info-Termins: „Wir konnten viele neue Erkenntnisse und Einsichten mitnehmen und sind dankbar dafür, dass die Landwirte uns ihre Türen und Tore so unbürokratisch öffnen.“ Sein Dank galt auch Thomas Wille vom Landvolkverband, der den Kontakt herstellte.jhr



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