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Haft nach SEK-Einsatz im sogenannten „Drogenhaus“

HAMELN/BAD MÜNDER. Eine Einlasskontrolle, ein Metalldetektor wie am Flughafen und wachsame Justizbeamte, die mit Schlagstöcken und Pfefferspray bewaffnet waren – der Prozess gegen zwei Männer (26, 46) vor dem Schöffengericht in Hameln fand am Montag unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt.

Das ehemalige „Drogenhaus“ an der B 442 – wenige Tage brach darin ein größeres Feuer aus. Foto: Lindermann
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Der in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf hinter Gittern sitzende türkische Staatsbürger Ahmet A. (46) trug Fußfesseln; ein Justizbeamter ließ ihn während der Verhandlung nicht aus den Augen. Dabei machte der Angeklagte den Eindruck, als könne er kein Wässerchen trüben. Der Deutsche Roy B. (26) kam in Begleitung seines Verteidiger Anselm Schanz als freier Mann – und er ging nach ein paar Stunden auch wieder als freier Mann. Das Gericht hatte nach mehrstündiger Beweisaufnahme ein kleineres Verfahren gegen ihn und Ahmet A. eingestellt. Die Beweislage in diesem Anklagepunkt schien „schwierig“. Es ließ sich nicht nachweisen, dass die Angeklagten eine größere Menge Marihuana an einen 24-Jährigen verkauft haben.

Ahmet A. hat schon mehrere Therapien hinter sich – Drogen, vor allem Amphetamine und Alkohol, haben ihn in den vergangenen Jahren offenbar immer wieder begleitet und wohl auch gezeichnet. Nach der Trennung von seiner Frau habe er unter Einsamkeit gelitten, sagt er im Beisein seines Anwalts Ernst-Otto Nolte.

Ahmet A. ist schon oft mit dem Gesetz in Konflikt geraten. In seinem Bundeszentralregister-Auszug finden sich zwölf Einträge, darunter auch gefährliche Körperverletzung und Drogenhandel. Vermutlich hat er gedealt, um seine Sucht zu finanzieren. Der Angeklagte hat zwei Söhne (20, 22) – die in Hameln lebenden jungen Männer hatten erst vor wenigen Tag Besuch von einer Spezialeinheit der Polizei. Die Richterin hatte nach einem Schriftstück für das Verfahren gegen Ahmet A. suchen lassen.

Roy B., der nach Erkenntnissen der Polizei zur Drogenszene gehört, zog es vor, sich gar nicht zur Sache zu äußern – und war damit gut beraten.

Ahmet A., der ebenfalls zu den ihm vorgeworfenen Straftaten schwieg, wurde am Ende vom Schöffengericht zu zwei Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt – „wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“. Er habe zur Tatzeit unter zweifacher Bewährung gestanden, hieß es. Das wiegt schwer. Die Vorsitzende Richterin Kiesel und die beiden ehrenamtlichen Richter hatten keinen Zweifel daran, dass die sichergestellten Rauschgifte Ahmet A. gehörten. Staatsanwältin Ahrens hatte zuvor zwei Jahre und vier Monate beantragt. Strafverteidiger Nolte bezeichnete seinen Mandanten als „armes Schwein“. Der Jurist sieht sich „als Anwalt, Kaplan und Sozialingenieur“. Ahmet A. könne seiner Meinung nach nur für die Drogen verurteilt werden, die er am Körper trug. Zwar befänden sich Spuren seines Mandanten an Verpackungen, die in dem Haus lagen, der Nachweis, dass sämtliche illegalen Substanzen ihm gehörten, sei aber nicht erbracht. Nicht mehr als zwei Jahre und eine Zurückstellung der Strafvollstreckung zugunsten einer Therapie – dafür plädierte der Strafverteidiger.

Am Morgen des 23. Februar hatte ein Spezial-Einsatz-Kommando (SEK) ein Haus an der Bahnhofstraße zwischen Hachmühlen und Bad Münder gestürmt. Die bewaffneten Elite-Polizisten setzten Rammen, Blendgranaten und Kettensägen ein. Für den Polizeieinsatz war extra die Bundesstraße 442 gesperrt worden. Zahlreiche Ermittler durchsuchten Wohnungen und Kellerräume. Auch Rauschgift- und Sprengstoffspürhunde waren an diesem Tag im Einsatz. Diverse Drogen wurden gefunden – Amphetamine, Marihuana, auch etwas Kokain und Ecstasy. Die illegalen Rauschmittel brachten etwa 1,8 Kilogramm auf die Waage. Kein Zweifel: Aus juristischer Sicht ist das „eine nicht geringe Menge“.

Ein zweiter Fall spielte kurzzeitig ebenfalls eine Rolle. In einem mit zwei Frauen und einem Mann besetzten Wagen, der das sogenannte „Drogenhaus“ kurz zuvor verlassen hatte, war wenige Tage vor der Durchsuchungsaktion ein Beutel mit einer größeren Menge Marihuana gefunden worden. Die weiblichen Insassen, die am Montag als Zeugen befragt wurden, machten keine Angaben zur Sache. Der junge Mann (24), der das Rauschgift bei der Verkehrskontrolle unter den Beifahrersitz geschoben haben soll, sagte, er wisse nicht wie die Drogen dort hingekommen sind und wem sie gehören. Er habe das Marihuana jedenfalls nicht gekauft. Aus Sicht der Polizei verdächtig: Eine Waage hatte er dabei. Möglich, dass der Zeuge schon bald selbst als Angeklagter in einem Gerichtssaal sitzen wird.

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