weather-image
18°

Grippe hat die Stadt fest im Griff

BAD MÜNDER. Verwaiste Büros, volle Wartezimmer – die Grippe hat Bad Münder fest im Griff. In diesem Jahr ist die Influenza besonders heftig, es kommtzu schweren Verläufen. Einen Todesfall hat das Gesundheitsamt bereits registriert, dabei soll es sich um ein Mädchen aus Bad Münder handeln.

Die Zahl der Grippefälle ist in den vergangenen zwei Wochen deutlich gestiegen. Foto: dpa
Jens

Autor

Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Das Gesundheitsamt bestätigt den Todesfall, verweist aber auf die Schweigepflicht und gibt keine Personendaten bekannt. Bekannt gegeben werden hingegen die aktuellen Zahlen der Erkrankungen – und die machen das Ausmaß der Grippewelle deutlich. Während im gesamten Jahr 2017 landkreisweit 55 Influenza-Fälle registriert wurden, meldeten Ärzte und Kliniken allein in den ersten neun Wochen des Jahres 274 bestätigte Fälle „echter“ Grippe. Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen, längst nicht bei allen Verdachtsfällen wird ein Abstrich genommen und labordiagnostisch untersucht.

Auswirkungen hat die Grippe auch auf die medizinische Versorgung. Am vergangenen Wochenende meldete sich die Intensivstation der Deister-Süntel-Klinik aus der Notfallaufnahme ab – Personalmangel. Ähnliche Probleme gibt es auch in anderen Krankenhäusern, so sucht das Klinikum Schaumburg derzeit händeringend Personal für die Notaufnahme und fragt bei entsprechend geschulten Mitarbeitern der DRK-Bereitschaften nach.

In den Arztpraxen geben sich die Patienten die Klinke in die Hand, darunter sind auch auffällig viele Erkrankte mit Grippe-Symptomen. In der Gemeinschaftspraxis Eimbeckhausen beobachtet Dr. Henning Stolte vom Ärztenetz Bad Münder die Entwicklung sehr aufmerksam, er hat in den vergangenen Wochen eine Vielzahl grippaler Infekte diagnostiziert, aber auch eine größere Zahl tatsächlicher Influenza-Fälle. Sein Eindruck wird durch die Zahlen des Gesundheitsamtes bestätigt. Seine Tipps zur Verringerung des Ansteckungsrisikos: Der Kontakt zu bereits Erkrankten sollte möglichst gemieden werden. Sehr häufiges Händewaschen und allgemeine Hygiene seien wichtig. Stolte weiß aber auch, dass sich der hauptsächlich verwendete Dreifachimpfstoff in diesem Jahr als nicht wirksam erwiesen habe.

Täglich mit den Auswirkungen der Grippewelle zu tun haben die Schulen. An der Kooperativen Gesamtschule berichtet Direktorin Malihe Papastefanou von Klassen, die derzeit krankheitsbedingt auf die Hälfte dezimiert sind. Und auch im Kollegium häufen sich die Krankheitsfälle. Ähnlich sieht es nur wenige hundert Meter entfernt auch an der Grundschule Bad Münder aus: Schulleiter Christoph Schieb hat bereits Klassen zusammengelegt und damit auf den Ausfall von Schülern und Lehrern reagiert. Auch an seiner Schule fehlt in einigen Klassen die Hälfte der Schüler, der Vertretungsplan umfasst drei Seiten – sonst nur eine halbe Seite.

Beim Landesgesundheitsamt werden Woche für Woche die Beobachtungen zum Verlauf der Grippewelle zusammengefasst, für den Krankenstand im Landkreis Hameln-Pyrmont gilt derzeit der Status „sehr hoch“. Und die Experten erwarten auch keine spontane Verbesserung: „Wir haben immer noch keinen Höhepunkt erreicht, Entspannung ist noch nicht in Sicht“, sagte Sprecherin Dagmar Ziehm am Montag.mit bha

Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare