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Gewalt gegen Einsatzkräfte – so ist die Lage in Bad Münder

BAD MÜNDER. Verbale und körperliche Angriffe gegen Mitglieder von Rettungsdiensten nehmen zu, wie viele Betroffene bundesweit beklagen. Doch wie sieht die Situation eigentlich in Bad Münder aus? Wir haben nachgefragt. „Es hält sich noch in Grenzen“, sagt Stadtbrandmeister Carsten Koch.

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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

Und er hat auch eine Vermutung, woran das liegt: „Bad Münder ist eine Kleinstadt. Irgendwer kennt die Leute immer.“ Den Eindruck bestätigt auch Matthias Wenzel, Bereitschaftsleiter des DRK Bad Münder. Er habe keine Zunahme der Gewaltbereitschaft im sanitätsdienstlichen Bereich bemerkt hat: „Das liegt vermutlich an der dörflichen Region.“ Schaulustige hingegen würden schon öfter auffallen, so Koch. Teilweise werde dabei sogar mit dem Smartphone gefilmt. Einige Leute machen sich noch mehr Mühe: „Manche machen sich bewusst auf den Weg zur Unfallstelle, um dort zu gucken.“ Vielfach würde das Fehlverhalten aber eingesehen: „Es klappt eigentlich ganz gut, wenn man sie darauf hinweist, manchmal auch zweimal.“

Er empfinde es aber insgesamt als „Trend“, so Koch, „dass dumme Sprüche gemacht werden“. Vor allem sei dies der Fall, wenn für größere Veranstaltungen Straßen gesperrt werden. Gegen einzelne Helfer richte sich dann schon mitunter verbale Gewalt. „Die Leute beschweren sich dann, wieso sie da nicht langfahren können.“ Ähnliches hat Koch auch bereits an Unfallstellen erlebt: Dabei kämen mitunter Personen auf die Einsatzstelle zu und erklärten, sie müssten da jetzt durch.

„Insgesamt scheint es Trend zu sein, dass das Anspruchsdenken höher wird“, kann der Stadtbrandmeister berichten. „Die Erwartungshaltung ist größer.“ So schaue die Feuerwehr etwa nach einem Unfall zunächst, wie sie einen eingeklemmten Verletzten am besten aus dem Auto schneiden kann – was bei anderen Personen auch schon einmal Ungeduld hervorrufe. „Das wirkt nach außen anders“, erklärt Koch und betont: „Wir arbeiten so gründlich und schnell wie möglich.“

„Viele wissen nicht, wie genau unsere Arbeit funktioniert“, kann er auch für andere Bereiche bestätigen, denn: „Manche Leute rufen bei der Polizei an und beschweren sich, wenn wir nachts mit Martinshorn fahren oder die Sirene geht.“ Doch während in diesem Fall die Bürger nur kurz gestört würden, „fängt für uns die Arbeit dann ja erst an“, sagt Koch.

Auch die Kreisverwaltung des Landkreises Hameln-Pyrmont bestätigt den mangelnden Respekt in der Bevölkerung gegenüber Einsatzkräften von Feuerwehr und Rettungsdiensten. Die Kreistagsfraktion der Linken hatte dazu Ende November eine Anfrage an die Verwaltung gerichtet, die sich daraufhin bei den Gemeinden umhörte. Das Ergebnis: Auch die Feuerwehren in Hameln und Bad Pyrmont bestätigen die Zunahme von verbalen Angriffen, auch wenn keine Statistik geführt werde. Gerade in den Nächten der Wochenenden sei häufig Alkohol im Spiel – die Mitarbeiter der Feuerwehr seien so geschult, dass sie Beschimpfungen ignorieren.

Wichtig sei aber auch der respektvolle Umgang mit den Einsatzkräften, betont Fraktionschef Peter Kurbjuweit. „In Notfällen gilt es die Weisungen der Einsatzkräfte zu beachten und nicht die Arbeiten zu behindern.“ Dafür solle auch in Integrationskursen sensibilisiert werden: „Es muss deutlich gemacht werden: Die Einsatzkräfte sind da, um zu helfen und zu retten.“



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