weather-image
21°

Gelber Sack: Remondis fährt am Montag Nachhol-Touren

BAD MÜNDER. NDZ-Leser Klaus Walter kann am Montagmorgen sein Glück kaum fassen: „Ein kleines Wunder ist geschehen“, schreibt er augenzwinkernd an die Redaktion: „Remondis hat gerade in unserer Straße die Gelben Säcke abgeholt.“ Er wohnt am Rande der Kernstadt.

Noch am Sonntag standen in Bakede zahlreiche Gelbe Säcke an der Straße. Foto: Koch
zett2

Autor

Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Ähnliche Glücksgefühle dürfte die endlich erfolgte Abfuhr dann über Mittag auch in Bakede, Beber oder in Teilen von Nettelrede ausgelöst haben, wo der Entsorger seit Jahresbeginn kaum zu sehen war.

Viele Orte sind nun endlich sackfrei. Dass nun alles so richtig rund läuft am 18. Tag seit das Unternehmen die Wertstoff-Touren offiziell von der Kreisabfallwirtschaft (KAW) übernommen hat, wäre aber auch übertrieben. Denn am Freitag hatte Remondis noch zugesagt, die Nachholtouren im Stadtgebiet bis Sonnabend erledigt zu haben.

Dazu kommt: Auf Anfrage verwies das Unternehmen am Montag noch einmal auf technische und organisatorische Probleme, die zu dem Fehlstart geführt hätten: Die schon Anfang Januar angeführten Probleme mit Navigationsgeräten hätten sich später lösen lassen als erhofft, so eine Sprecherin: „So richtig funktionsfähig sind sie erst seit dem Wochenende.“

Im münderschen Rathaus setzten sich die Verantwortlichen am Montagmorgen ebenfalls zusammen. Dort verfolgte man an den vergangenen Tagen die Rückmeldungen der Leser, die die NDZ ebenfalls an Remondis geschickt hatte, glich sie ab mit denen, die direkt bei der Stadt gelandet waren. Ergebnis: Jede Menge Frust da draußen.

Der Kontakt mit der KAW und Remondis stimmte die Stadt aber optimistisch: Der Entsorger habe zugesagt, so Ordnungsamtsleiter Tobias Pischel, sich umgehend neben Bakede auch um Beber, Rohrsen, Böbber und Egestorf zu kümmern. Aus diesen Orten hatten sich seit Samstagabend zahlreiche Leser gemeldet. Ortsbürgermeister Rolf Wittich sprach am Montag zunächst noch von einer „Katastrophe“ und von „italienischen Verhältnissen“: Das Land ist notorisch für Abfallberge an den Straßenrändern bekannt – die werden allerdings durch streikende Mitarbeiter verursacht. Wittich freute sich am Nachmittag dann über die erfolgte Abfuhr – und brachte ein Dilemma vieler Bürger auf den Punkt: „Wenn man wüsste, wann jemand kommt, wäre es leichter, zu entscheiden, ob man die Säcke zwischendurch reinholt...“

Beim Landkreis laufen seit Anfang Januar die Telefone und die E-Mail-Postfächer heiß. Im Kreishaus hatte man sich am Montagvormittag ebenfalls zusammengesetzt, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Man stehe in Kontakt mit Remondis, sagte Landkreis-Sprecherin Sandra Lummitsch. Oberstes Ziel sei es, „Ordnung reinzubringen“ – schließlich wollte man kurzfristig verhindern, dass sich Remondis bei den Nachholtouren und die eigentlich nicht mehr zuständige Kreisabfallwirtschaft bei ihren Not-Touren ins Gehege kommen. Die KAW war demnach am Montag hauptsächlich in Salzhemmendorf unterwegs, um dort ebenfalls liegengebliebene Säcke einzusammeln.

Für das kommunale Unternehmen KAW ist die Situation misslich: Dort gehen Beschwerden ein, obwohl man für die Gelben Säcke nicht mehr zuständig ist. Durch die Bereitschaft, doch in die Bresche zu springen, sind zum einen die Mitarbeiter zusätzlich belastet. Zum anderen häufen sich immer neue Hilferufe aus den betroffenen Orten.

Was passiert mit kaputten Säcken?

Eine missliche Hinterlassenschaft des Gelbe-Säcke-Stresses: Zahlreiche der Beutel sind seit Jahresanfang vom Winde verweht worden, aufgerissen – und haben ihren Inhalt in Orten und Landschaft verteilt. Wer kümmert sich darum?

Wenn herumfliegende Säcke oder Müll etwa den Verkehr gefährdeten, dann sei die Stadt im Sinne der Gefahrenabwehr zuständig, sagt Landkreis-Sprecherin Sandra Lummitsch. Das gelte auch für anderen wilden Müll. Im Rathaus betrachtet man die Sache realistisch: „Es ist schwer, den Müll aus Gelben Säcken von anderem Müll zu unterscheiden und das im Zweifel Remondis nachzuweisen“, sagt Ordnungsamts-Leiter Tobias Pischel.

Er appelliere an die Anwohner, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Müll zu beseitigen: „Ich weiß, dass viele das freiwillig und ganz toll machen. Dafür sprechen wir ein ganz großes Lob aus.“



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt