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Gelbe Säcke: Der Ärger wächst

BAD MÜNDER. Auch bei Politik und Behörden wächst der Unmut über die Gelbe-Säcke-Pannen von Entsorger Remondis: Landrat und Kreisabfallwirtschaft schickten gestern böse Briefe in Richtung Unternehmen und an den „Grünen Punkt“ als Auftraggeber.

Ein Mitarbeiter von Remondis holt am Steinkreuzer Weg gelbe Säcke ab. Nicht überall klappt es mit der Abfuhr. FOTO: HUPPERT

Autor:

Christian zett UND Philipp Killmann

Und während sich auch die Stadt offiziell bei den Verantwortlichen beschweren will, hat der FDP-Kreistagsabgeordnete Rüdiger Zemlin Remondis kurzerhand angezeigt.

Er wirft dem Konzern vor, seiner Verpflichtung nicht nachzukommen, die Gelben Säcke pünktlich abzuholen und somit die Flächen, auf denen der Müll lagere, unberechtigterweise zu nutzen. Und: „Das verantwortliche Unternehmen versäumt es, den Haushalten Ersatztermine öffentlich oder durch Anschreiben mitzuteilen“, argumentiert der FDP-Politiker und Rechtsanwalt Zemlin in einem per E-Mail versandten Schreiben an Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese und an Landrat Tjark Bartels. Damit erstatte er bei der Kreis- und Stadtverwaltung eine „Ordnungswidrigkeitsanzeige“. Sie richte sich „gegen die verantwortlichen Mitarbeiter der Entsorgungsfirma für den Gelben Sack im Entsorgungsgebiet Bereich Stadt Hameln und dem gesamten Landkreis“.

Da Remondis die Gelben Säcke nicht abhole, blieben diese „tagelang auf den öffentlichen und privaten Abstellflächen liegen, sodass dadurch der Verdacht einer unberechtigten Sondernutzung besteht“, führt Zemlin in seiner E-Mail aus. Darüber hinaus sei zu prüfen, ob ein Verstoß gegen Abfallvorschriften oder eine Ordnungswidrigkeit bestehe oder es sich gar um eine Umweltstraftat handele. Schließlich würden die Gelben Säcke über mehrere Tage hinweg nicht abgeholt werden. Infolgedessen würden die Müllsäcke „durch Sturm, Vögel oder Ratten zerstört“, sodass die Behältnisse „selbst oder deren Inhalt die Straßen und Umgebung verschmutzen“.

Zemlin legt den Verwaltungschefs von Stadt und Landkreis nahe, Remondis eine sogenannte Ersatzvornahme anzudrohen. Heißt: Wenn Remondis nicht termingerecht die Gelben Säcke abhole, dann müsse ein anderes Unternehmen mit dieser Aufgabe betraut werden und die dabei entstehenden Kosten Remondis in Rechnung gestellt werden. Schließlich würden die Gelben Säcke stellenweise nach wie vor nicht abgeholt. Eine Idee, die Bartels gestern in seiner Stellungnahme aufgriff.

Aus Teilen der münderschen Kernstadt, aber auch aus Nienstedt oder Eimbeckhausen hatte es am Montag erneut entsprechende Rückmeldungen gegeben – und das knapp zwei Wochen nach dem ersten Abholtermin. Am heutigen Mittwoch soll laut Plan schon die nächste Runde erfolgen. Remondis hatte zum Jahreswechsel die Abfuhr der Gelben Säcke von der Kreisabfallwirtschaft übernommen.

Die Kreisverwaltung sieht sich für die Anzeige Zemlins indes nicht zuständig. „Nach unserer rechtlichen Auffassung ist dieser Fall im Bereich der Ordnungswidrigkeiten angesiedelt“, teilt Kreissprecherin Sandra Lummitsch auf Anfrage mit. „Demnach sind die Städte und Gemeinden im Rahmen der Gefahrenabwehr dafür zuständig.“ Thomas Wahmes, Sprecher der Stadt Hameln, äußert sich zurückhaltend. „Wir müssen den Sachverhalt prüfen“, sagt er. Allerdings sehe die Stadtverwaltung „Remondis in der Pflicht“, die Gelben Säcke abzuholen. Wahmes spricht von einem „riesigen Ärgernis“, das nunmehr seit Anfang Januar bestehe. Auch Zemlins beanstandete Umweltverschmutzung sei ernst zu nehmen.

Remondis wollte sich auf Anfrage zu Zemlins Anzeige zunächst nicht äußern. Weder habe diese dem Pressesprecher Michael Schneider vorgelegen, noch äußere sich das Unternehmen zu laufenden Verfahren. Remondis entschuldige sich jedoch bei seinen Kunden für die Unannehmlichkeiten, die nicht im Sinne des Unternehmens seien. Und – auch das gehört zur Wahrheit – nicht immer ausschließlich in dessen Verantwortung liegen. Ein Teil der Säcke, die nun seit fast zwei Wochen in vielen Ortsteilen durch die Gegend fliegen, haben Bürger schlicht und einfach zum falschen Termin an die Straße gestellt – nämlich teils deutlich zu spät. Der Grund: die Macht der Gewohnheit.

Denn mit dem Wechsel von der Kreisabfallwirtschaft zu Remondis wurden auch die Abfuhrzeiten vereinheitlicht. Statt in fünf Bezirke mit den regulären Abholtagen Mittwoch, Donnerstag und Freitag gibt es seit 1. Januar im gesamten Stadtgebiet nur noch einen Bezirk. Abholtag: Mittwoch.

Wer also wie immer erst am Donnerstag oder Freitag seine Säcke an die Straße stellte, der kam für die reguläre Abfuhr zu spät – und konnte höchstens noch von den Nachsammeltouren abgedeckt werden.

Dazu kommt: Durch die geänderten Terminpläne können sich auch Verschiebungen bei der tatsächlichen Abfuhrzeit ergeben. Wer sich also daran gewöhnt hatte, dass er am frühen Vormittag noch die Säcke an die Straße stellen konnte, der ist im neuen Jahr vielleicht schon zu spät dran. Remondis wies im Vorfeld darauf hin, schon ab 7 Uhr morgens sammeln zu wollen.

Im münderschen Rathaus herrscht trotz allem Unmut. „Wir werden das so nicht akzeptieren“, sagte Bürgermeister Hartmut Büttner gestern. Intern sammle man nun die Beschwerden und Probleme und werde sie an das Duale System („Grüner Punkt“) schicken. Die herumliegenden Säcke seien nicht nur für die Kunden ein Problem, sondern auch ein Ärgernis für das Stadtbild, so Büttner. Wie Landrat Bartels betont auch er: „Da wird deutlich, wie gut es immer mit der KAW geklappt hat.“

Eben jene Kreisabfallwirtschaft als Vorgänger von Remondis hatte bereits gestern einen geharnischten Brief an den „Grünen Punkt“ verfasst: In dem zweiseitigen Schreiben beklagt Vize-Betriebsleiter Ulrich Kaufmann die „nicht vertragsgemäße Leistungserbringung Ihres Vertragspartners Remondis“, spricht von „massiven Mängeln“. Kaufmann erinnert unter anderem daran, dass Remondis auch die gegenüber der NDZ angekündigten zusätzlichen Termine nicht eingehalten habe.

Und: „Die Servicehotline (...) ist offensichtlich überfordert“, sie sei gar in der ersten Kalenderwoche des Jahres „einzig von einem Auszubildenden wahrgenommen“ worden. Kunden berichteten ihm, so Kaufmann, es sei dort „seit Jahresbeginn kein Durchkommen“ gewesen“. Die andauernden Beschwerden lähmten aber auch Abfallcenter und Kundenberatung der KAW. Kaufmann spricht von „persönlichen Angriffen“ auf die Mitarbeiter: Kunden sei nicht klarzumachen, dass die Beauftragung von Remondis durch das „Duale System“ erfolgt sei.

Die umherfliegenden Säcke sieht Kaufmann nicht nur als Problem für das Straßenbild und Ärgernis für die Bürger – sie seien „zunehmend auch eine Gefahr für den Straßenverkehr“. Von Remondis will er eine Stellungnahme haben – und zwar „noch heute“.



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