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Embryonen mit Gendefekt vor der Implantation aussortieren? Kirchen suchen Standpunkt

Experte der Deutschen Klinik differenziert

Bad Münder (st). Die Bundes-CDU hat ihren Standpunkt gefunden, die münderschen Kirchen sind noch auf der Suche. Die sogenannte Präimplantationsdiagnostik (PID), die Aussortierung von im Reagenzglas gezeugten Embryonen mit Gendefekt vor der Einpflanzung in den Mutterleib, ist ein umstrittenes Thema. Gegen das klare Nein der Christdemokraten setzt Dr. Uwe Pohler, Biologe im Labor der Deutschen Klinik Bad Münder, ein klares Jein. Für ihn ist es wichtig zu differenzieren – es gibt Fälle, in denen er die PID für sinnvoll hält, andere, in denen er sie persönlich ablehnt.

Bei im Reagenzglas befruchteten Eizellen ist eine Präimplantationsdiagnostik möglich.  Foto: dapd

„Zunächst einmal hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die PID aktuell nicht verboten ist, nicht gegen das Embryonenschutzgesetz verstößt“, sagt Pohler und fügt hinzu: „Die Diskussion, die jetzt geführt wird, ist eine ethische.“ Und hier will Pohler grob zwei mögliche Fälle unterscheiden: die Herausfilterung von Embryonen mit erstens monogenetischen Erkrankungen bei vorbelasteten Elternpaaren und zweitens solcher mit chromosomalen Erkrankungen.

Sogenannte monogenetische Erkrankungen resultieren aus dem Defekt eines einzelnen Gens, sie treten häufig schon in der frühen Kindheit auf und zeigen in vielen Fällen einen schwerwiegenden chronischen oder sogar tödlichen Verlauf. „Bei Vorbelastung der Eltern macht es für mich keinen Sinn, potenziell betroffene Embryonen zu übertragen“, sagt Pohler. Die PID in diesem Fall nicht zu nutzen und eine Diagnose möglicherweise erst während der Schwangerschaft zu bekommen – die Folge meist eine Abtreibung –, würde die Elternpaare unnötig belasten, findet Pohler. Anders sieht es der Experte bei einer chromosomalen Fehlverteilung, die zur Behinderung des Kindes führen kann. Hier lehne er eine Selektierung ab. „Das sind zwei Paar Schuhe, das darf man nicht in einen Topf werfen.“ Pohler findet, dass eine Ethik-Kommission einen Katalog aufstellen müsse, der den Einsatz der PID regelt.

Pfarrer Bernhard Baumert von der katholischen St.-Johannes Baptist-Gemeinde hat sich noch keine abschließende Meinung gebildet. Er verweist aber auf einen Grundsatz der katholischen Kirche: „Das menschliche Leben beginnt mit der Verschmelzung der Eizelle und der Samenzelle.“ Ein Gemeinwesen habe natürlich das Recht, die Grenzen eines solchen Verfahrens gesetzlich auch anders festzulegen. Pastorin Frauke Kesper-Weinrich von der evangelischen St.-Martin-Gemeinde hat nach eigenen Aussagen ebenfalls keine „dogmatisch festgelegte Meinung“. Sie findet pauschal sei in der Sache kein Urteil zu fällen.



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