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Manfred Dolle baut markante Gebäude Eimbeckhausens im Modell nach / Ausstellung in der Kirche

Eimbeckhausen: Das alte Dorf ganz plastisch

EIMBECKHAUSEN. Eigentlich hätte er auch schon früher drauf kommen können. Oft genug hatte Manfred Dolle bereits den Blick auf dem markanten Turm der Kirche St. Martin ruhen lassen. Doch es bedurfte erst der Plauderei mit seinem Bruder, um den heute 75-Jährigen mit einer Idee zu infizieren.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Statt Zeit in eine weitere filigrane orientalische Weihnachtskrippe zu investieren, könnte er ja mal die Eimbeckhäuser Kirche nachbauen, schlug der Bruder vor. Dolle dachte darüber nach – und freundete sich mit der Vorstellung an. Inzwischen hat er drei markante Gebäude seines Heimatortes im Maßstab 1:50 000 nachgebaut: Neben der Kirche auch das Hauptgebäude des Eimbeckhäuser Rittergutes, im Ort Schloss genannt, und die angrenzende alte Mühle. Beide Gebäude stehen nicht mehr – und so vermitteln Dolles Modelle einen Eindruck vom alten Eimbeckhausen und laden zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes ein.

Dabei hat Dolle nicht den Anspruch, ausschließlich originalgetreu die längst abgerissenen Gebäude nachzubilden. Aber: Er möchte sich soweit wie möglich dem historischen Original annähern. Und dazu steigt er tief in die Geschichte ein und recherchiert aufwendig. Als er sich 2017 mit der Idee, die Kirche im Modell nachzubauen, intensiver beschäftigte, landete er bei Küsterin Heidrun Huber. Sie erinnerte sich an eine Zeichnung der Kirche. „Die war astrein“, schmunzelt Dolle. Zusätzlich maß er die Kirche selbst aus, stellte dabei verblüfft fest, dass auch die Baumeister der Kirche, deren Grundmauern bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, nicht immer auf absolute Perfektion gesetzt hatten und so mancher Winkel nicht passt.

Mit der immer intensiveren Beschäftigung mit dem Bauwerk stieg auch Dolles Hochachtung vor den Menschen, die sie planten und errichteten. „Man versetzt sich in die Lage der Menschen von damals. Überlegt, vor welchen Problemen sie standen, wie sie sie lösten.“

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Gemeinsam mit Wilfried Huber taucht Manfred Dolle (l.) in die Geschichte der Heimat ein.

Rund drei Monate stieg Dolle ganz tief in die Gestaltung der Kirche ein, setzte sich jeden Tag zwischen fünf und acht Stunden hin, um das Modell wachsen zu lassen und ihm den perfekten Schliff zu geben – von den handgemachten Dachsteinen bis hin zur aufwendig manuell gealterten Steinfassade.

Diese Liebe zum Detail zeichnet auch seine beiden anderen Arbeiten aus, die wie das Kirchengebäude in der Kirche in Eimbeckhausen ausgestellt sind. Beide zeigen das alte Eimbeckhausen, atmen Geschichte – und das begeistert auch Wilfried Huber, der Dolle zu einer Arbeit angestiftet hat. Huber hatte ein altes Bild der Wassermühle gefunden, die wie das Rittergut zu den wenigen Gebäuden gehörte, die in Eimbeckhausen den Dreißigjährigen Krieg mit dem Einfall der Truppen Tillys überstanden. Dolle und Huber kannten das 1971 abgerissene Gebäude, Brandts Mühle genannt, noch aus ihrer Jugend. In Gesprächen mit ehemaligen Bewohnern versuchten sie, mehr über das Gebäude, insbesondere über die Gestaltung der Rückfront, in Erfahrung zu bringen. Aber: Es gab keine Fotos, keine Zeichnungen, nur die Erinnerungen ehemaliger Bewohner. „Ob der Eingang tatsächlich an genau der Stelle war, ist strittig“, räumt Dolle ein.

Etwas besser war da schon die Materiallage beim „Schloss“, dem Sitz der Ritter von Haus und von Bremer, deren Familien seit dem 15. Jahrhundert das Rittergut bewohnten. Anfang der 1970er Jahre wurde das Herrenhaus abgerissen – die markante Fassade und andere Details konnte Dolle jedoch nach intensivem Studium der Unterlagen, Bilder und Skizzen, die er mit dem letzten Besitzer Georg Stölting durchsah, im Modell rekonstruieren.

Beim Bau seiner Modelle tüftelt Dolle oft stundenlang, bis er das optimale Material, die perfekte Farbschattierung, den idealen Produktionsweg gefunden hat. Fast 2300 Holzschindeln hat er alleine für das Dach des Schlosses zurechtgesägt. „Eine reine Fleißaufgabe“, schmunzelt der Modellbauer. Er experimentiert mit Weichfaserplatten, mit Kunststoffresten, mit Sägespänen in Farbe für realistische Oberflächenstrukturen. Er funktioniert um, was Keller, Werkstatt und Baumarkt hergeben. Er entwickelt Schablonen, baut Modelle, um Gebäude richtig in Szene zu setzen. Und Dolle ist auch detailverliebt. Das Zifferblatt der Kirchturmuhr muss die richtige Zeit zeigen, die Löwen, die das Schlosstor bewachen, müssen in der Größe abgestimmt sein. Um an passende Figuren zu kommen, bemüht der Eimbeckhäuser auch schon einmal Kontakte ins Ausland. Und was kommt als Nächstes? „Wer weiß? Vielleicht mache ich mal wieder was Orientalisches. Das muss sich ergeben“, lacht Dolle.



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