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Das Auf und Ab einer Bahn

Vor 30 Jahren, am 16. und 17. April 1988, fuhr die Dampfeisenbahn Weserbergland den letzten Dampfsonderzug auf der Strecke. 1996 wurde der Restverkehr von Bad Münder-Deister nach Bad Münder-Stadt eingestellt.

Die allerletzte Tour: Am 17. April 1988 befuhr die Dampfeisenbahn Weserbergland die Süntelbahn-Strecke ein letztes Mal mit einem Dampfsonderzug. Insgesamt 22,5 Kilometer umfasste die eingleisige Route, die Bad Nenndorf mit Bad Münder verband (kleines
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Juliet Ackermann Volontärin zur Autorenseite

BAD MÜNDER. „Wenn man bedenkt, daß eine Bahn in wirklich öder Gegend Geschäfte macht, so steht hier derselben reicher Gewinn in sicherer Aussicht. Wie werden sich die Holzverkäufe im Süntel und Deister besser gestalten, die vielen Kalksteinbrüche werden bessere Renten ergeben und für die Landwirtschaft bedeutet es einen enormen Aufschwung.“ Mit diesen Worten beschrieb diese Zeitung am 20. April 1893 vorausschauend das Potenzial einer Eisenbahnstrecke im Deister-Sünteltal.

Elf Jahre später wurden Planungen Realität und der erste Teilstreckenabschnitt zwischen Groß Nenndorf und Lauenau eingeweiht. Am 19. Juni 1905 folgte die Eröffnung der Strecke Bad Münder – Eimbeckhausen.

Reger Bahnbetrieb
am Süntel

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Tatsächlich brachte die Eisenbahnanbindung einen wirtschaftlichen Aufschwung mit sich – insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren. Zu Zeiten des Wirtschaftswunders war auch der Bedarf nach Möbeln groß. Davon profitierten insbesondere die Bewohner des Deister-Sünteltals mit seinem reichen Holzaufkommen.

Auf den fünf münderschen Bahnhöfen herrschte reger Betrieb, Rohmaterial wurde geliefert, fertige Produkte wurden verladen. An der Station Eimbeckhausen etwa wurde aufgrund der zahlreichen Stuhl- und Möbelfabriken in Eimbeckhausen, Schmarrie, Rohrsen und Beber besonders viel Ware verladen.

Doch nicht nur Möbel wurden transportiert – auch gefällte Bäume, Tiere, Futter, Kunstdünger sowie Maschinen für die Landwirtschaft gehörten dazu, ebenso Kohle zum Heizen, Baumaterial und Quarz für die Glasherstellung. Neben Güterverkehr gewann auch die Personenbeförderung immer größere Bedeutung.

Moderne Zeiten –
verbesserte Infrastruktur

Für die Bewohner des Deister-Sünteltals brachte die Bahnanbindung Modernität mit sich; die Verkehrsanbindung verbesserte die Infrastruktur maßgeblich und vermittelte auch nach außen den Eindruck einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung. Aus diesem Grund wurden Eisenbahnstationen gerne auf Postkarten gezeigt.

Ebenso profitierten Berufspendler und Schüler von der Verbindung. Einer von ihnen war Rolf Eickhoff, der als Kind auf dem Bahnhofsgelände der Station Eimbeckhausen wohnte. Er erinnert sich, dass es an der Station acht Beschäftigte gab und täglich acht Personenzüge von Haste nach Hameln fuhren: Der frühste passierte Eimbeckhausen um 5.50 Uhr, der letzte um 19.30 Uhr. Mit dem Zug fuhr Eickhoff selbst zur Schule nach Bad Münder. Nach Hameln, zu seiner Lehrstelle, reiste er ab 1955 als angehender Großhandelskaufmann die nächsten sieben Jahre ebenfalls mit dem Zug an – für 21 Deutsche Mark mit der Monatskarte. Mit seiner ersten Anstellung bekam Eickhoff auch einen Dienstwagen zur Verfügung gestellt. Damit war er nicht länger auf den Zug angewiesen und konnte bequem von Haus zu Haus vorfahren. Ähnlich entschieden sich viele Andere: Es bildeten sich Fahrgemeinschaften, Post- und Linienbusse begannen zwischen den Ortschaften und Städten zu verkehren – mit der rasanten Verbreitung von Autos ging die Ära der Deister-Süntelbahn dann zuende: 64 Jahre nach der Einführung wurde im Mai 1968 der Personenverkehr eingestellt. Der Güterverkehr lief zunächst weiter, doch 1976 war dann endgültig eingestellt.

In Folgejahren wurde die Bahnstrecke schrittweise abgebaut – die offizielle Stilllegung der Teilstrecke zwischen Bad Münder und Eimbeckhausen erfolgte am 29. Mai 1988.

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