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CDU startet überparteiliches Projekt: „Bad Münder 4.0“

BAD MÜNDER/HILDESHEIM. Die hiesige CDU hat keine Lust mehr auf den üblichen Wahlkampf und will es mit dem überparteilich angelegten Bündnis „Bad Münder 4.0“ versuchen. Am Sonnabend sollte das Projekt mit einem Werbebanner-Flug von Hildesheim nach Bad Münder starten. Wegen Regen gab es aber nur einen kurzen Showflug.

Instabiles Wetter ermöglicht nur einen Showflug über dem Hildesheimer Flugplatz, nach Bad Münder geht es erst diese Woche. Foto: Szabo

Autor:

CHRISTIAN ZETT UND PATRICIA SZABO

Immer wieder warfen Moritz Kinast und Dirk Barkowski einen Blick auf die Wetterradar-App auf ihren Smartphones. Eine Regenfront zog auf und obwohl die dunkle Wolkendecke über dem Hildesheimer Flugplatz immerzu aufriss, war die Regenwahrscheinlichkeit über Bad Münder sehr hoch. Selbst bei Nieselregen dürfe der Flieger nicht starten, sagte der Fahrer Frank Rickert, der Kinast, Barkowski und den Fotografen Tom Wesse zur Startbahn transportierte: „Das Banner darf nicht nass werden. Zu gefährlich.“ Mehrere Helfer befestigten derweil ein 20 Meter langes und knapp drei Meter breites Stück Stoff an einem quietschgelben Doppelsitzer. Zu lesen war der überdimensionale Schriftzug: Bad Münder 4.0.

Dahinter steht das neue Konzept der Münderaner CDU. Noch ein Stammtisch. Noch ein Wahlkampf-Flyer. Noch ein Stand in der Fußgängerzone – die hiesigen Christdemokraten haben keine Lust mehr auf den üblichen Wahlkampf. Und wollen es mit dem ausdrücklich überparteilich angelegten Bündnis „Bad Münder 4.0“ versuchen. Sie wollen zunächst innerhalb eines Jahres mit den Bürgern eine Vision für die Zukunft der Stadt entwerfen. 

Beginnen sollte das Programm mit einem Hingucker: Projektleiter Barkowski und sein Team sollten am Sonnabend vom Flugplatz Hildesheim aus einen Flieger mit großem Werbebanner in Richtung Bad Münder starten lassen. Dann die schlechte Nachricht vor Ort: „In etwa 15 bis 20 Minuten wird es regnen“, informierte Barkowski die Gäste, von denen rund 50 aus der Kurstadt und ihren Ortsteilen angereist waren. Die Maschine hob nur für eine kurze Show ab. In rund 700 Metern Höhe entfaltete sich der gigantische Wimpel unter Begeisterungsrufen der Zuschauer. Der ersehnte Flug über Bad Münder konnte jedoch nicht mehr stattfinden. Zu instabil war das Wetter. Ab Dienstag soll es einen neuen Versuch geben.

Schon seit einigen Monaten feilen die bislang 16 Frauen und Männer hinter den Kulissen an „Bad Münder 4.0“ – ehrenamtlich, wie Barkowski betont. Der Mann aus Beber ist selbst seit einigen Jahren CDU-Mitglied, bezeichnet sich aber als „wenig politischen Menschen“.

Das Projekt nennt Barkowski einen „Think Tank“, eine Denkfabrik, die für die Kernstadt und alle Ortsteile Visionen und Ziele entwerfen soll: Wie soll sich die Stadt entwickeln? Was wollen die Bürger, was die Unternehmen? Wie kann man den demografischen Wandel aufhalten? Lässt sich verhindern, dass Bad Münder schrumpft? Man wolle „mit den Bürgern über die Zukunft der Stadt reden“.

Basis für das Konzept soll das 2008 verabschiedete und zuletzt 2010 aktualisierte Zukunftsentwicklungskonzept sein. Aus seiner Sicht habe die Stadt aus den damaligen Ideen zu wenig gemacht, kritisiert Barkowski. Bad Münders CDU-Chef Hans-Ulrich Siegmund sagt, das neue Projekt sei zwar mit Blick auf die Bürgermeisterwahl 2019 und die Kommunalwahlen 2021 angeschoben worden: „Im Vordergrund soll aber nicht die Wahl stehen, sondern die Frage, was aus Bad Münder werden soll.“ Barkowski betont, man sei für alle Bürger offen. Von „Bad Münder 4.0“ solle es auch keine Kritik an anderen Kandidaten oder Parteien geben: „Wir wollen nicht auf die Leute schimpfen.“

Dass man sich bei allen Zielen und Visionen nicht ganz von der Politik lossagt, zeigt auch der Zeitplan, den sich „Bad Münder 4.0“ gesetzt hat: Nach dem internen Start im Juli und dem offiziellen Auftakt am vergangenen Wochenende steht im Zeitstrahl als nächstes das Projektergebnis – im Oktober 2019, gut einen Monat vor der Bürgermeisterwahl. Einen Kandidaten hat die CDU dafür noch nicht präsentiert, verwies bislang auf das kommende Jahr. Die SPD geht in jedem Fall mit Amtsinhaber Hartmut Büttner ins Rennen.

Siegmund, Partei- und Fraktionschef der Christdemokraten in Stadt und Kreis, hat nach eigenen Angaben kein Problem damit, dass die CDU als Marke in den kommenden Jahren hinter „Bad Münder 4.0“ zurücktreten würde: „Wir wollten etwas Neues machen.“ Helfen kann der CDU eine breitere Basis in jedem Fall: Bei den vergangenen Wahlen zeigte sich Bad Münder verlässlich als SPD-Hochburg.



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