weather-image
11°

Bakede: Öffentliche Toilette im Behördendschungel

Wer mal muss, der soll mal können – das dachte man sich auch in Bakede. Und plante eine öffentliche Toilette für Besucher. Ein Jahr später ist man keinen Schritt weiter. Eine Geschichte über dringende Bedürfnisse und größere Schwierigkeiten.

Anstelle des Holzschuppens am Schützenhaus will der Bürgerverein eine öffentliche Toilette bauen – aber das erweist sich als kompliziert. foto: mensing
zett2

Autor

Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Die Geschichte beginnt in Bakede am Schützenhaus. Direkt neben dem Gebäude befindet sich eine kleine Baumfläche, auf der der Bürgerverein Bakede mit Ortsbürgermeister Rolf Wittich an der Spitze einen Niedrigseilgarten bauen will. Denn kann man sich vorstellen wie einen Hochseilgarten – nur eben niedriger: jede Menge Holz und Seile zum Balancieren und Trainieren.

Schon jetzt steht dort ein kleiner Schuppen, den der Verein laut Wittich als Lager benutzt. Diesen Schuppen wollen die Verantwortlichen schon seit mindestens einem Jahr ersetzen – durch ein größeres Häuschen samt Stromanschluss und vor allem samt einer öffentlichen Toilette. Nicht nur für die Niedrigseilgarten-Nutzer, sondern für alle Bakede-Besucher, für Spaziergänger, für Gäste von Veranstaltungen auf dem nahen „Platz der Generationen“. Per Zeitschaltuhr, schwebt Wittich vor, könnte die Anlage über Nacht verschlossen werden. Insgesamt, schätzt der Ortsbürgermeister, kostet das Projekt 20 000 Euro. Und könnte zumindest zum Teil durch Mittel aus dem Förderprogramm „Leader“ finanziert werden.

Doch dafür müsste die Sache erst mal konkreter werden. Wittich beklagt, die Bauaufsicht des Landkreises Hameln-Pyrmont habe das Verfahren „als nicht genehmigungsfähig erklärt“ – so heißt es auch im Protokoll der Ortsratssitzung aus dem Februar. Auf Anfrage ergänzt Wittich, der Landkreis habe darauf verwiesen, lieber die Grünfläche vor Ort erhalten zu wollen. Verstehen kann er das nicht: Den Pavillon auf dem „Platz der Generationen“ gegenüber habe die Behörde schließlich auch genehmigt.

Stattdessen habe die Bauaufsicht aber dann vorgeschlagen, die Toiletten nebenan im Schützenhaus zu nutzen. „Aber das geht nicht“, sagt Wittich: Das Haus sei gerade erst einbruchsicher gemacht worden. Um es der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen, müsse dort erneut investiert werden. „Ein Unding“ sei all das, so zitiert das Ortsratsprotokoll die Bakeder Politiker. Und Wittich weitet seinen Unmut auf die Stadt aus: Dort erfahre man als Ehrenamtlicher viel zu wenig Unterstützung.

Der Landkreis weist die Verantwortung für die Verzögerungen zurück: Sprecherin Sandra Lummitsch betont, es gebe bislang gar keinen vollständigen Antrag – und damit auch keine offizielle Ablehung des Toilettenhäuschens.

Lummitsch bestätigt zwar, dass man vor gut einem Jahr – im März 2018 – auf Wittichs Anregung von der Stadt kontaktiert worden sei und über Seilgarten und Toilettenanlage gesprochen habe. Weil dem Landkreis das erste Konzept dann aber zu ungenau war, habe man kurz darauf einen Fragenkatalog an die Stadt geschickt – samt „Anregungen zu Lösungsansätzen“. So sollte ein für den 17. April 2018 geplanter Ortstermin vorbereitet werden.

Der Termin fand auch statt – doch auf die Antworten aus dem Rathaus warte der Landkreis bis heute. Lummitsch bestätigt, dass man in einer ersten Reaktion in der Tat angeregt habe, die Toiletten im Schützenhaus zu nutzen oder direkt an das Gebäude anzubauen. Das sei aber nicht mehr als eben das gewesen – eine Anregung, um den Flächenverbrauch zu reduzieren.

Im münderschen Rathaus bestätigt Planungschefin Anika John nach kurzer Recherche, dass der entsprechende Fragenkatalog vorliegt – offenbar seit gut einem Jahr. „Nie gesehen“, habe er das Dokument, sagt Wittich. Dabei müsse dessen Inhalt von Stadt und Bürgerverein gemeinsam bearbeitet werden, erklärt John. Sie wolle nun Kontakt zu Wittich aufnehmen und hoffe auf einen gemeinsamen Termin mit Bürgerverein und Landkreis.

Zumindest am Freitagabend dieser Woche hat Wittich keine Zeit: Dann veranstaltet der Bürgerverein Bakede seine Jahresversammlung. Auf der Tagesordnung: der Stand der Dinge in Sachen Toilettenanlage.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt