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Bad Münder: Krisengespräch in der Tagespflege „Krümelkids“

BAD MÜNDER. So direkt wird die Lokalpolitik nur selten mit den Problemen von Eltern konfrontiert: Die drohende Zahlungsunfähigkeit der Groß-Kindertagespflege Krümelkids hatte Eltern und Politik an einen Tisch geholt – dabei wurde harsche Kritik an der Verwaltung deutlich.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Konkreter Anlass der Krisensitzung war die Ablehnung einer erneuten Kreditverlängerung durch die Bank, die der Tagespflege-Betreiberin Steffi Rodewald bereits zweimal Verlängerung gewährt hatte. Die Betreiber hatten den Dispokredit über 30 000 Euro zur kurzfristigen Überbrückung abgeschlossen – weil die Landesschulbehörde die avisierte Förderung längst überwiesen haben sollte. Ohne den Kredit, aus dem der Betrieb bestritten wird, droht das Ende der Einrichtung für 20 Kinder, die für viele Eltern – das wurde am Abend deutlich – so wichtig ist, weil sie auch außergewöhnliche Betreuungszeiten anbietet und damit den Bedürfnissen außerhalb der in „Nine to five“-Zeiten Beschäftigten entgegenkommt.

Den Frust von Steffi und Ulf Rodewald, die am Justus-von-Liebig-Weg einen Teil der ehemaligen Schule aufwendig zur Tagespflege umgebaut und die Einrichtung der Plätze vorfinanziert hatten (NDZ berichtete), übertrug sich auch auf die Eltern. Kein Verständnis hatten die dafür, dass rund ein Jahr nach Übersendung eines Bewilligungsbescheides noch kein Geld bei Rodewalds angekommen ist – was sich inzwischen zu einer existenzbedrohenden Situation für die Betreiber ausgeweitet hat.

Im Januar 2017 hatte das Ehepaar Fördermittel beantragt, einen Monat später die Landesschulbehörde die Genehmigung zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn verschickt – eine Voraussetzung, um für die Tagespflege später Fördermittel erhalten zu können. Die Auflistung der Termine von Januar 2017 bis September 2018, die Chronologie der Kontakte und Bemühung der Betreiber um eine Klärung, bestätigte auch Bürgermeister Hartmut Büttner, den die Elternvertreterin Bettina Groer-Wilkening zur Versammlung geladen hatte. Büttner hatte die Einladung als „Notruf“ verstanden. Er berichtete, dass die Stadtverwaltung das Verfahren „engmaschig“ begleitet habe – provozierte damit aber den Widerspruch einiger Eltern.

„Wir werden alles daran setzen, dass das hier weitergeht. Ich werde das persönlich unterstützen und auch den Einfluss gegenüber der Landesschulbehörde geltend machen“, kündigte Büttner an. Diese Ankündigung allein aber reichte den Eltern nicht. Büttner kündigte daraufhin Unterstützung bei der Überbrückung der Liquiditätsschwierigkeiten an, „wenn es hart auf hart kommt“ – und wurde darauf auch von den Eltern festgenagelt. Ein Gespräch mit Bürgermeister, eventuell auch dem Kämmerer, Rodewalds und Vertretern des Kreditinstituts wurde für den folgenden Tag vereinbart.

Auf anderer Ebene wurde zwischenzeitlich die Aufmerksamkeit der Landesschulbehörde und des Kultusministeriums auf die Vorgänge gelenkt. Die Landtagsabgeordnete Petra Joumaah berichtete von ihrem Einsatz für eine zügige Auszahlung der zugesagten Fördermittel. „Man spricht bei der Landesschulbehörde von einer Feinabstimmung, die noch fehlt. Das mag ja hoffnungsvoll klingen“.

Neben der Landtagsabgeordneten waren auch SPD-Stadtverbandschef Uwe-Peter Keil, CDU-Stadtverbandschef Hans-Ulrich Siegmund und die Ortsbürgermeister Detlef Olejniczak, Rolf Wittich und Bernd Schöbel der Einladung zum Elternabend gefolgt. Sie alle konnten der Feststellung der Eltern, dass der Umgang mit dem Verfahren bei der Stadtverwaltung geradezu chaotisch war, nichts entgegensetzen. Im Gegenteil, selbst aus den Reihen der politischen Vertreter hagelte es Kritik an Stadt und Landesschulbehörde: „Die Landesschulbehörde ist jetzt das letzte Glied in der Kette. Versaubeutelt worden ist das hier bei der Stadt Bad Münder“, stellte Siegmund fest.

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