×
Großfeuer in Osterwald / Polizei fahndet / Hubschrauber kreist über Ort

Update: Fahndung mit Hubschrauber nach Großfeuer in Osterwald

OSTERWALD. Das idyllisch am Osterwald gelegene 1121-Seelen-Dorf im nördlichen Gemeindegebiet des Fleckens Salzhemmendorf kommt nicht zur Ruhe – nachdem ein bislang unbekannter Brandstifter seit dem 3. Juli acht Feuer im Wald gelegt hat, ist am frühen Montagmorgen ein Wohnhaus mitsamt Anbau ein Raub der Flammen geworden.

Ulrich Behmann

Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
Anzeige

Eine vierköpfige Familie verlor innerhalb kürzester Zeit fast alles, was sie besaß. Das Ehepaar sei mit seinen beiden Kindern im Dänemark-Urlaub gewesen, als der Brand zu nachtschlafender Zeit entdeckt wurde, sagte Feuerwehrsprecher Tobias Kramer im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Ursache des Großfeuers an der Straße „An der Taubenburg“ ist bislang unbekannt. Das unter anderem für Brandursachen-Ermittlungen zuständige 1. Fachkommissariat des Zentralen Kriminaldienstes in Hameln werde die Ermittlungen in dieser Sache führen, sagte Oberkommissarin Stephanie Heineking-Kutschera. Angesichts der Brandserie löste die Polizei eine Fahndung aus. In und um Osterwald führten Kräfte aus den Kreisen Hameln-Pyrmont und Hildesheim Verkehrs- und Personenkontrollen durch. Über dem Dorf kreiste längere Zeit der unter anderem mit einer leistungsstarken Wärmebildkamera ausgestattete Suchhubschrauber „Phönix“ aus Langenhagen. Der sogenannte Operator an Bord des Helikopters suchte auf einem Monitor nach verdächtigen Autos und Fußgängern.

Das Haus wurde ein Raub der Flammen. Die Ruine kann nicht betreten werden. „Es besteht Einsturzgefahr“, sagte Kramer. Die Feuerwehr war um 1.05 Uhr alarmiert worden. Zu diesem Zeitpunkt wütete das Feuer in einem Anbau. Es habe sich rasend schnell zu einem Großbrand ausgeweitet, sagte der Feuerwehrsprecher. Zunächst waren die Feuerwehren Osterwald, Oldendorf und die Drehleiter der Feuerwehr Hameln mit der Alarmmeldung „Feuer Dachstuhl!“ zum Brandort geschickt worden. Die ersten Freiwilligen trafen bereits fünf Minuten später „An der der Taubenburg“ ein. Schnell war klar, dass die Kräfte nicht ausreichen werden. Gemeindebrandmeister Rolf Schmidt ließ sofort den zweiten Nachalarm auslösen. Das bedeutet: Verstärkungskräfte aus Ahrenfeld, Benstorf, Hemmendorf, Salzhemmendorf und Wallensen rückten aus. „Den ersten Nachalarm haben wir angesichts der Großschadenlage übersprungen“, sagte Kramer. Aufgrund der starken Rauchentwicklung wurde die Bevölkerung über die Warn-Apps NINA und BIWAPP gewarnt.

Wasser wurde mit Tanklöschfahrzeugen herangeschafft – das unterirdische Trinkwasser-Leitungsnetz hätte allein nicht ausgereicht. Freiwillige verlegten teils 1600 Meter lange Schlauchleitungen. Das Freibad und der Hochbehälter am Hüttenstollen wurden angezapft. Feuerwehrleute fuhren im Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen nach Oldendorf, um dort die Wassertanks zu füllen. Wasser wurde aus fünf Rohren in die Flammen gespritzt. In der Spitze waren das 2400 Liter pro Minute. Am Korb der ausgefahrenen Drehleiter montierten Feuerwehrleute einen Wasserwerfer. Aus der Luft konnten die Flammen im Dach gezielt bekämpft werden. Brandabschnittsleiter „Ost“, Thomas Küllig, sagte, er habe nach Sicht fahren können. Die Flammen seien schon von Hemmendorf aus zu sehen gewesen. Das Feuer habe die Rauchsäule von unten angeleuchtet und glutrot gefärbt. Auch Kay Leinemann, stellvertretender Kreisbrandmeister, war zum Brandort geeilt. Die Brandausbreitung sei ungewöhnlich schnell verlaufen, sagte er. Mit vereinten Kräften und viel Wasser gelang es den mehr als 130 Einsatzkräften, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Gelöscht war es allerdings noch lange nicht. Glutnester mussten gefunden und bekämpft werden. Die Löscharbeiten zogen sich bis zum Vormittag hin. Die Feuerwehr Osterwald stelle bis zum Nachmittag eine Brandwache, sagt Kramer. „Sicher ist sicher.“

4 Bilder
Feuerwehrleute löschen. Foto: ube

Eine Schnell-Einsatzgruppe des DRK Marienau hat den Großeinsatz sanitätsdienstlich abgesichert. „Wir sind mit einem Rettungswagen vor Ort, versorgen die erschöpften Feuerwehrkräfte mit kalten Getränken“, sagt Mirco Siever, stellvertretender DRK-Kreisbereitschaftsführer. Vom Technischen Hilfswerk war der Chef des Ortsverbandes Hameln nach Osterwald gefahren. „Ich bin als THW-Fachberater angefordert worden“, sagt Tobias Tasler. Spezialisten haben in der Nähe des Brandortes die Technische Einsatzleitung des Landkreises besetzt, um Gemeindebrandmeister Rolf Schmidt und dessen Stellvertreter Jens Roloff bei der Leitung und Koordinierung des Großeinsatzes unterstützen zu können.

Zum ersten Mal wurde die Hygienekomponente der Feuerwehren Benstorf, Ockensen und Levedagsen im Ernstfall gefordert. Feuerwehrleute, die mit giftigen Brandrauch in Kontakt gekommen waren, mussten ihre kontaminierten Uniformen ausziehen. Experten des Katastrophenschutzes aus Marienau hatten dafür extra ein Zelt aufgebaut. Frauen und Männer in Vollschutzanzügen, die Atemmasken trugen, verpackten sie in luftdicht verschließbaren Boxen und händigten den Freiwilligen Trainingsanzüge aus.

Das könnte Sie auch interessieren...



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt