Trans Frau singt von Kontrollverlust

Besser träumen, größer träumen: Ms. Ezra Furmans Album „Goodbye Small Head“

"Träum besser. Träum größer. Mit mir": Ezra Furman (r., hier beim Bonnaroo Music and Arts Festival am 15. Juni 2023 in Manchester) hat auf ihrem neuen Album "Goodbye Small Head" Vorschläge für eine bessere Welt.

Autos haben in Ezra Furmans Songs zuweilen tragende Rollen. War der Wagen im Psychoreggae „Driving Down to L.A.“ (2018) aber noch ein Fluchtmittel aus enger Familienwelt mit der Chance, zum Vehikel der Freiheit eines „kleinen Herzens“ zu werden, so ist das Auto in „Jump Out“ vom neuen Album „Goodbye Small Head“ ein Käfig aus Angst. Eine E-Gitarre grollt, zwei dunkle Celli hüpfen rhythmisch über sie weg.

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„Jump Out“ ist eine Mörderballade - trotz offenem Ende

Und dann hört man die Frau, die in diesem Käfig steckt: „Hallo, Fahrer, wohin fährst du uns? Halt den Wagen sofort an!“ Und: „Warum ist mir kalt an so einem warmen, sonnigen Tag? / Halt den Wagen an!“ Die Stimme ringt um Fassung, sie bebt, dann brüllt sie – und der straighte Song zerbirst zu ekstatischem Rock. „Ich muss hier raus!“, schreit Furman, und man weiß: Das ist trotz offenen Endes eine Mörderballade.

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Man kann kaum anders, als den Text dieser gesellschaftskritischen Sängerin aus Massachusetts als eine Parabel auf das unaufhaltbare Trump-Amerika zu lesen, das von einem queerfeindlichen, transphoben Regime gesteuert wird, von Leuten, die Hass säen.

Die Leute sind ständig gemein zu mir.

Ezra Furman am 30. Mai 2025 im Musikmagazin "Under The Radar" über Transphobie in den USA

Und die Amerika für trans Menschen wie Furman (38), die seit 2021 als Frau lebt und eine Tochter hat, zum Käfig machen. 2023 erlitt sie einen Zusammenbruch. „Die Leute sind ständig gemein zu mir“, erklärte sie jetzt im Interview des Musikmagazins „Under The Radar“. „Ich bin das Mädchen im brennenden roten Sweater“, singt sie nun in „Slow Burn“, das klingt wie ein Shangri-La-Dramolett aus den frühen Sixties, dessen Süße durch Streicher und eine Indierock-Hülle aufgeraut wird.

Das Album ist nicht dezidiert politisch. Der grassierende Kontrollverlust, der sein zentrales Thema ist, kann laut Furman durch so manches kommen – „Schwäche, Herzschmerz, Mystik, Drogen“, aber eben auch durch „ein Leben in der Gesellschaft mit offenen Augen“.

Furmans Rock‘n‘Roll 2025: Viele Tonlagen, viele Sounds

In den Nullerjahren, als Furman anfing, nannte das Magazin „Paste“ ihren Sound einen „nervösen, mutwillig naiven Folk-Punk“ und Furman selbst einen „romantischen Geek, der seinen wackeligen Sinn für Tonhöhen besser als jeder andere seit den frühen Violent Femmes einsetzt“. Heute singt sie mit vielen Stimmen: normal, flüsternd, im Falsett, flammend, verführerisch in „Submission“.

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Menschenwürde sollte für alle garantiert sein.

Ezra Furman im Song „A World of Love And Care"

Der „Veil Song“ ist tatsächlich folkig, aber auf dem Album gibt es Verneigungen vor vielen Sounds: Doo Wop, Girlgroup-Pop, Rock’n’Roll, New Wave – immer versehen mit bezwingenden Melodien, geeint durch die Indierock-Hülle.

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Die Coverversion von Alex Waltons „I Need The Angel“ gemahnt dann an Springsteens „Born to Run“. Nicht zum einzigen Mal sind da Anklänge an den bimmelnden Heartland-Kirmessound der E Street Band. Solch schönen Zorn wie hier hat man auch im Heyday von Patti Smith gehört.

Furmans „Imagine“ für „die befremdliche Zeit“ heißt „A World of Love and Care“ und fordert den Zusammenschluss der Guten. „Menschenwürde sollte für alle garantiert sein”, heißt es im Song. „Liebe und Würde sollten für uns alle Priorität haben, aber du wurdest in einem bösen Traum gefangen, in dem Grausamkeit als Stärke gilt.“ Der Wagen muss gestoppt werden. „Träum besser. Träum größer. Mit mir.“

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Ms Ezra Furman – „Goodbye Small Head” (Bella Union) – bereits erschienen