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Marquess im Interview mit der NDZ / „Wir denken über ein Best-of-Album nach“

Spanisch als musikalische Ausdrucksform

Autor:

Lars Andersen

Hannover. Seit 2006 schnüren Marquess ein Gute-Laune-Paket nach dem anderen – Alben wie „Frenetica“ oder „Favoritas“ erreichten Gold-, beziehungsweise Platinstatus. Mit „Vayamos Compañeros“ gelang der Formation 2007 ein Singlehit, der es in elf europäischen Ländern in die Top-Ten schaffte. Seit Beginn ihrer Karriere haben Gitarrist Dominik Decker, Keyboarder Christian Flebs und Sänger Sascha Pierro bewusst die spanische Sprache als musikalische Ausdrucksform gewählt.

„Wir achten beim Komponieren sehr darauf, dass die Songs eingängige Melodien und einen mitreißenden Rhythmus haben. Zudem ist es wichtig, dass die Phonetik stimmt – der Klang der Wörter sollte schon rund sein“, erklärt Sascha. Christian: „Spanisch setzt sich in Deutschland immer mehr durch, wie man an den Charts sehen kann.“ „Das liegt aber auch daran, weil wir damit begonnen haben“, fügt Dominik lachend hinzu.

Am 6. April 2018 veröffentlichte das Trio sein achtes Studioalbum „En Movimiento“, das von 0 auf 11 in die deutschen Charts einstieg. Um ihrer aktuellen Produktion den Feinschliff zu verpassen, sind die drei Musiker nach Kuba geflogen und haben unter anderem in dem legendären „Egrem-Studio 101“ in Havanna ihre Songs aufgenommen.

„Wir lieben es, mit wenig Technik und Instrumentierung die Leute zu begeistern – daher hat uns auch der Auftritt im Rahmen der diesjährigen „Sportgala“ in Springe viel Spaß gemacht“, verriet uns Marquess. Foto: Tobi

Dominik: „Dieses Studio hat eine ganz besondere Atmosphäre. Viele kennen es noch von Wim Wenders Dokumentarfilm Buena Vista Social Club aus dem Jahr 1999. Das gleichnamige kubanische Musikprojekt hat dort ebenfalls viele Songs eingespielt“. Der Band war es wichtig, Musiker aus Lateinamerika in den Aufnahmeprozess zu integrieren – sowohl beim Songwriting, als auch in Features auf dem Album. „Unser Perkussionist Nené Vásquez aus Venezuela ist in der ganzen Welt unterwegs, hat uns vor Ort die nötigen Kontakte vermittelt und uns auch bei dem einen oder anderen Behördengang unterstützt. Die Stadt hat tolle Locations und schöne Gebäude – doch so einfach einreisen und dort arbeiten ist ohne Genehmigungen nicht immer so einfach“, verrät Sascha. Christian: „Auch der aus Havanna stammende Rapper Raykuba hat uns im Studio unterstützt und ist mit seinem akzentuierenden Sprechgesang auf den Stücken ‚Suavecito‘, ‚Te Extrano‘ und ‚Oh Camarera‘ zu hören. Letztendlich waren beide eine Bereicherung bei den Aufnahmen.“

Nach dem Motto „Stillstand ist Rückschritt“ hat sich die Gruppe im Laufe ihrer Karriere immer neuen musikalischen Herausforderungen gestellt. So präsentierten sie auf ihrem sechsten Album „Favoritas“ ihre persönlichen Lieblingssongs aus Spanien und Lateinamerika. „Auf der CD sind unvergessene Evergreens, die wir im typischen Marquess-Stil aufgenommen haben. Es ist immer toll, wenn du selbst Stücke schreibst und dabei kreativ sein kannst – wobei auch Coversongs von dir eine gewisse Kreativität fordern. So ist zum Beispiel ‚El Porompompero‘, ein altes andalusisches Lied, mit unserem Stil zu neuer Frische erwacht“, freut sich Sascha, der mit seinen Jungs zwei Jahre später mit „Sol Y Soul“ ein weiteres Coveralbum veröffentlichte. Diesmal wurden englische Chartbreaker wie „You Keep Me Hangin‘ On“ (Supremes) oder „I Just Called To Say I Love You“ (Stevie Wonder) mit viel Liebe zum Detail in spanischer Sprache aufgenommen.

Auf der CD „Ballermann-Hits 2007“ waren auch Marquess mit ihrem erfolgreichsten Song „Vayamos Compañeros“ vertreten. Obwohl es bereits mehrere Anfragen gab, hält sich die Begeisterung der Band, auf der berüchtigten Partymeile aufzutreten, in Grenzen. Christian: „Wir sind zu Beginn unserer Karriere einmal im Megapark aufgetreten. Das ist natürlich ein heiß umkämpfter Markt, auf dem wir aber völlig fehl am Platz sind. Wir spielen unsere Popmusik gerne mit unseren Instrumenten live auf der Bühne. Das ist da einfach nicht möglich – dort treten auch überwiegend Solointerpreten im Halbplaybackverfahren auf.“

Dass Dominik Decker, Sascha Pierro und auch Christian Fleps ausgezeichnete Komponisten und Produzenten sind, bleibt auch vielen Kollegen nicht verborgen. Daher klopft ab und an auch der eine oder andere Künstler wegen einer Komposition an die Studiotür des Trios. Dominik: „Das kommt schon mal vor. Wir haben alle drei aber bereits vor unserer Marquess-Zeit für eine Vielzahl von anderen Interpreten gearbeitet – Christian und ich als Produzent und Remixer, Sascha schrieb zum Beispiel die Titelmelodie der Telenovela ‚Schmetterlinge im Bauch‘.“

Obwohl die Band ihre Stücke fast ausschließlich in spanischer Sprache aufnimmt, ist man nicht abgeneigt, auch einmal Songs in einer anderen Sprache einzuspielen. Sascha: „Das haben wir bereits mehrmals getan. So haben wir zum Beispiel den Track ‚You And Not Tokyo‘ 2007 mit der rumänischen Sängerin Alexandra Ungureanu sowie mit Lene Marlin ‚All Gone‘ in Englisch aufgenommen. Mit einer entsprechenden Interpretin würden wir das sicher wieder tun. Es muss halt passen“.

„En Movimiento“ – immer in Bewegung bleiben. Ein Lebensmotto, das sich wie ein roter Faden durch das Leben von Marquess zieht. Mit dem Song „Vayamos Compañeros“ hat sich die Band bereits zu Lebzeiten ein musikalisches Denkmal gesetzt. Schon heute wird das Lied in vielen Ländern in einem Atemzug mit Songs wie „Estoy Aqui“ von Shakira, Loonas „Bailando“ sowie „Macarena“ von Los el Rio genannt.

Am 25. August wird Marquess im Rahmen des „Whitestock Festivals“ zusammen mit Extrabreit und The Esprits in Hannover auftreten. Beginn 14 Uhr. Karten: NDZ, Bahnhofstraße 18, Springe, 05041/78910.




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