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NDZ-Exklusiv-Interview mit Christian Möllmann – „Ich freue mich auf Bad Münder“

„Ich bin musikalisch da angekommen, wo ich schon früher immer hin wollte“

Raus aus dem Container, rein ins Musikgeschäft – und das ganz nach oben. Wie auch andere Big-Brother-Kandidaten nutzte Christian Möllmann seine Turbo-Popularität für die Veröffentlichung eigener Plattenaufnahmen.

Seine Debütsingle „Es ist geil ein Arschloch zu sein“ erklomm im November 2000 den Popthron, hielt sich dort acht Wochen und erreichte Platinstatus – sein Longplayer „Nominator“ schoss auf Platz drei der deutschen Albumcharts. Der selbst ernannte „Nominator“ wurde mit Auszeichnungen überschüttet, erhielt unter anderem den „Bravo Otto“ in Gold und den „Top Of The Pops“-Award. Nach der Folgesingle „Was kostet die Welt“ wurde es ruhig um den einstigen Maulhelden.

Christian: In meiner damaligen Blütezeit habe ich gedacht: Wer oben ist, der bleibt auch zunächst oben – es geht immer so weiter. Als meine Plattenfirma auch nach einem Jahr nicht aus den Socken kam, wurde mir zunehmend klar, dass es hier nicht mehr um gute Musik, Fans und den künstlerischen Anspruch eines Sängers ging, sondern allein darum: Wie wenig muss eine Plattenfirma machen, um möglichst viel Geld zu verdienen. Casting/ Reality-Shows à la „Star Search“ , „Making The Band“ oder „Popstars“ schossen wie Pilze aus dem Boden – die Plattenfirmen brauchten also bloß abzuwarten, denn der jeweilige Erstplatzierte einer Casting-Show war ein sicherer Platz eins in den Singlecharts.

Enttäuscht kehrte Christian dem Musikgeschäft zunächst den Rücken, war bis dato aber immer mehr oder weniger in diversen TV-Sendungen zu sehen. 2001/2002 moderierte der 39-Jährige die Sendung „Robot Wars“ bei RTL2, 2004/2005 war er neben Ruth Moschner und Oliver Petszokat Co-Moderator der fünften „Big Brother“-Staffel. Auch in der neunten Staffel 2009 kommentierte Möllmann in seiner Rolle als „Nominator“ das Verhalten einzelner Teilnehmer in der wöchentlichen Live-Show. 2003 erlebten wir den gebürtigen Essener in bester Stand-up-Comedy bei seiner Show „Erstmal anhör’n“, in der er sich vorrangig mit dem zwischenmenschlichen Geschlechterkampf beschäftigte. Dass man Christian Möllmann jetzt wieder als Sänger „live on stage“ erleben kann, ergab sich rein zufällig.

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„Ich habe wieder Spaß an der Musik gefunden“, verriet uns Christian im Rahmen des Interviews.

Christian: 2010 habe ich den Produzenten Kai Panschow wiedergetroffen, mit dem ich bereits 2003 zusammengearbeitet habe. Im Laufe eines Gesprächs haben wir uns entschieden, eine neue Version von „Es ist geil ein Arschloch zu sein“ aufzunehmen. In den folgenden Monaten haben wir dann weitere coole Tracks aufgenommen – entstanden ist dann letztendlich ein 30-minütiges Diskothekenprogramm.

Während Kai überwiegend für die Kompositionen verantwortlich ist, stammen die Texte aus der Feder von Christian – die grobe Musikrichtung wurde jedoch bereits vor Produktionsbeginn festgelegt.

Christian: Ich bin kein Freund von Ballermann-Mucke, stehe eher auf Popmusik. Ich werde mich auch weiterhin der deutschen Sprache bedienen, denn in meiner Muttersprache kann ich einfach bessere Geschichten erzählen.

In seiner musikalischen Hochzeit wurden dem ehemaligen Polizisten von den unterschiedlichsten Komponisten Songs angeboten – der „Mensch ist das ein geiles Lied“-Effekt war jedoch nie dabei.

Christian: Das war alles nicht mein Ding, was man mir damals so unterjubeln wollte. Bis dato ist Kai der einzige Komponist und Produzent, der mich nicht mit so einem Ballermann-Mist zugeschüttet hat. Wir wollen deutsche Popmusik machen – das ist nicht immer einfach, aber wir bekommen das hin. Die Songs sind Diskotheken-kompatibel – genau so habe ich es mir immer gewünscht. Als äußerst angenehm empfinde ich es, dass man sich diesmal nicht mit irgendwelchen Plattenfirmen rumärgern muss, die einen, wie damals, im wahrsten Sinne des Wortes, versauern ließen. Im Zeitalter des Internets kann ich jeden, der meine Musik hören möchte, direkt erreichen. Meine Songs wird man downloaden können, das reicht mir.

„Es ist geil ein Arschloch zu sein“ – ein Song, der eigentlich gar nicht zu Christian Möllmann passt, denn der ehemalige Container-Bewohner ist alles andere als ein „Ar....“. Das fanden auch mehr als 600 Besucher bei der letzten NDZ-Sommersause in Springe, denn dort wurde der sympathische Wort-Jongleur euphorisch gefeiert. Ein Grund mehr, ihn nach mehr als sechs Jahren für die diesjährige NDZ-Party nach Bad Münder zu holen.

Christian: Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich nach meinem freiwilligen Auszug aus dem Container nicht einmal in irgendeiner Weise von jemandem beleidigt oder sogar „Ar...“ genannt wurde. Das haben auch die meisten meiner Mitbewohner damals so empfunden. Lediglich Steffi, Hanka, Walter und Jörg konnten mich nicht leiden. Der „Nominator“ war eine Kunstfigur – das haben auch viele so gesehen. Auf Bad Münder freue ich mich – hoffe, das wird so cool wie in Springe.

Wird es Christian, da sind wir alle ziemlich sicher.




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