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Kiss lassen während ihrer Abschiedstournee 45 Jahre Musikgeschichte Revue passieren

Horror-Rocker sagen Goodbye

Seit mehr als 45 Jahren rocken Gene Simmons (links) und Paul Stanley bei Kiss an vorderster Front. Hier beim Auftritt auf der Expo-Plaza in Hannover. Fotos: Lars Andersen

Autor:

Lars Andersen

Hannover. Mit ihren übertrieben gestylten Lederkostümen, martialischen Frisuren, grellen Gesichtsbemalungen und unvergleichbaren Liveshows faszinieren Kiss seit mehr als vier Jahrzehnten das Publikum. Nach einer unvergleichbaren Karriere laufen jetzt beim größten und wohl besten „Rock ‘n‘ Roll“-Zirkus der Welt die letzten Vorstellungen. Im Rahmen ihrer „End Of The Road 2019“-Tournee, verabschiedet sich die Band jetzt mit einer großen Farewell-Tour von ihren Fans.

Gegründet wurde die Gruppe 1973, nachdem Grundschullehrer Gene Klein (Gene Simmons) und der Taxifahrer Stanley Eisen (Paul Stanley) die Gruppe „Wicked Lester“ aufgrund von Unstimmigkeiten mit den anderen Bandmitgliedern verließen. Komplettiert wurde das Quartett wenig später durch Drummer Peter Criss und Leadgitarrist Paul „Ace“ Frehley. Am 31. Dezember 1973 hatte die Formation ihren ersten offiziellen Auftritt in der „Academy Of Music“ in New York. Comic- und Horrorfan Simmons hatte die Idee, sich für Auftritte zu maskieren und entsprechend zu kostümieren. Bis 1984 bekam kaum jemand die wahren Gesichter von Kiss zu sehen.

1976 erschien mit „Destroyer“, dass bis dato erfolgreichste Album – fast alle später veröffentlichten Longplayer erreichten in den USA Gold- beziehungsweise Platinstatus. Bis heute verkauften die Horror-Rocker mehr als 100 Millionen Tonträger.

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Gene Simmons lässt seiner Zunge während der Show freien Lauf.

Nach dem Motto „You wanted the best, you got the best“ lassen es Paul Stanley (The Starchild), Gene Simmens (The Demon), Tommy Thayer (The Spaceman) und Eric Singer (The Catman) zum Abschluss ihrer Karriere noch einmal richtig krachen. Es wird Feuer gespuckt, Kunstblut verspritzt – es donnert und blitzt, dass einem manchmal angst und bange wird.

Bei einem Kiss-Konzert gibt es keine Aufwärmphase – der Funke springt im wahrsten Sinne des Wortes vom ersten Song an auf das Publikum über. Man schwitzt im Kollektiv – viele der Konzertbesucher greifen bei den generationsübergreifenden Horror-Events ebenfalls tief in den Schminktopf und pinseln sich mit viel Sorgfalt das jeweils passende Gemälde aufs Gesicht.

Mehr als zwei Stunden dauert das musikalische Horror-Spektakel, das eher einer Glamrock-Vorstellung, als einer Hardrock-Show ähnelt. Bereits Mitte der 50er Jahre sorgten Musiker wie Little Richard mit schrillem Outfit, Make-up, Plateaustiefeln und ondulierten Frisuren für erhebliches Aufsehen – fast zwei Jahrzehnte später traten dann Bands wie Kenny, Slade oder Sweet in die Fußstapfen des US-Pianisten. Diese Gruppen blieben jedoch in den darauffolgenden Jahren mehr oder weniger auf der Strecke – lediglich Kiss schaffte es, mit ihren glänzend in Szene gesetzten Grusel-Shows die Massen weiter zu begeistern.

„Wir hatten viel Spaß – doch letztendlich ruinierte der Rock ‘n‘ Roll meine Gesundheit. Im Laufe der Jahre musste ich mehrmals Operationen an Schulter, Knie und Hüfte über mich ergehen lassen. Das habe ich unter anderem auch dem Tanzen auf hohen Hacken zu verdanken,“ erklärte Gründungsmitlied Paul Stanley in einem Interview. Das merkt man dem Gitarristen und Sänger jedoch während den Konzerten kaum an. Immer wieder sprintet er mit seinem bis zu 20 Klio schweren Kostüm an den Bühnenrand, um den Fans zuzuwinken und Kusshände zu verteilen.

Die Shows enden spektakulär, denn den wohl bekanntesten Titel „I Was Made For Lovin‘ You“ singt Stanley auf der Tournee überwiegend auf einer B-Stage. Da wird der Gitarrist kurzerhand per Drahtseil über die Köpfe der Fans hingezogen. Es sind wirklich bemerkenswerte „Crazy Crazy Nights“ – das fanden auch Klaus Meine und Rudolf Schenker von den Scorpions sowie Starkoch Tim Mälzer – alle drei verfolgten vor ein paar Tagen den bejubelten Hannover-Auftritt von Kiss.

Doch nicht nur auf der Bühne ist das Quartett unschlagbar – wenn jemand der König des Merchandise-Universums ist, dann die Jungs von Kiss. So erfreuen die Rocker ihre Fans unter anderem mit zahlreichen Klamotten-Kollektionen, Schminkutensilien, Brettspielen, Kinderspielzeug, Weihnachtsdeko bis hin zum legendären Kiss-Flipperautomaten. Heute zählt die Kiss-Army zu den größten Fan-Communities der Welt. Wir werden die Schock-Knutscher sehnlichst vermissen – Long Live Rock ‘n‘ Roll.



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