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NDZ-Exklusiv-Interview mit Gitarrist und Sänger Krissy Matthews

Blues, Rock & Punk als Lebenselixier

Worpswede. Bereits im Alter von drei Jahren stand der am 25. Mai 1992 geborene Krissy Matthews lieber mit seinem Vater auf der Bühne, als mit anderen Kindern im Sandkasten zu spielen. Mit acht bekam er seine erste Gitarre, entdeckte wenig später den Blues für sich und gründete 2004 seine erste Band „Krissy’s Blues Boys“, in der sein Vater Keith als zweiter Gitarrist spielte. 2006 veröffentlichte Matthews sein Albumdebüt „Blues Boy“, ein Jahr später erschien mit „No Age Limit“ sein zweiter Longplayer, bevor er 2008 die Schule verließ, um sich ganz der Musik zu widmen. Schon zu Beginn seiner Karriere traf der begnadete Gitarrist immer wieder auf Musiker, die ihn bis zum heutigen Tag nachhaltig beeinflusst und inspiriert haben – so auch John Mayall, den „Vater des weißen Blues“, in dessen Band unter anderem Gitarristen wie Eric Clapton, Peter Green und Mick Taylor ihr Handwerk erlernten.

Krissy: 2004 besuchte ich ein Festival in Norwegen, auf dem auch John Mayall spielte. Ich gab ihm ein Demo von mir, das eine Coverversion des Otis-Rush-Hits „All Your Love“ beinhaltete. Diesen Song haben wir beide dann als Zugabe auf der Bühne gespielt. Am nächsten Tag habe ich mit ihm die Songs „Talk To Your Daughter“ und „All Your Love“ performt.

Während es in Norwegen zum ultimativen Showdown auf der Bühne kam, sollte es 2006 zu einem weiteren Höhepunkt in Matthews‘ Karriere kommen – diesmal jedoch hinter der Bühne. Dort traf das Gitarren-Talent den Gitarrist/Sänger BB King, der zum Wegweiser für Generationen von Rock- und Bluesmusikern wurde.

Krissy: Da ich ihn unbedingt treffen wollte, rief ich bereits im Vorfeld so ziemlich jeden an, der mir diesen Wunsch erfüllen könnte – jedoch ohne Erfolg. Da ich direkt vor der Bühne saß, warf ich einen handgeschriebenen Brief zu ihm auf die Bühne. Er las ihn und rief: „Krissy wer bist du und wo bist du? Komm zu mir auf die Bühne“. Ich habe zwar nicht mit ihm gespielt, konnte aber nach dem Konzert backstage 20 Minuten allein mit ihm sprechen. Er hat mir vom Business erzählt und mir Tipps für meine Karriere gegeben. Obwohl mir Musiker wie Jeff Healey oder Peter Green wichtige musikalische Impulse gaben, hat mich aber letztendlich mein Vater dazu gebracht, was ich heute bin. Er war es auch, der mir zu allererst Stücke von Hank Marvin auf der Gitarre beibrachte. Ein unbeschreiblicher Moment, als ich Hank nach einem Cliff-Richard-Konzert backstage im Wembley-Stadion traf.

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„Ich würde meinen Musikstil als Punk-Rock bezeichnen“, verriet uns Krissy im Rahmen des Interviews. Foto: J.Becker

Am 27. Februar 2015 veröffentlichte der 23-Jährige sein fünftes Studioalbum „Scenes From A Moving Window“, das von keinem Geringerem als Pete Brown produziert wurde. Brown schrieb unter anderem die Songtexte zu den Cream-Klassikern „I Feel Free“, „White Room“ und „Sunshine Of Your Love“. Bereits 2013 fertig eingespielt, wurde der Longplayer jedoch erst zwei Jahre später veröffentlicht.

Krissy: Das war für mich eine Katastrophe. Ich hatte bei einem deutschen Label unterschrieben, das leider ein Jahr später pleite gegangen ist. Pete hat dann eine Firma gefunden – wir mussten aber bis Februar 2015 auf die Veröffentlichung warten. So etwas passiert halt jedem mal in dem Business. Ansonsten war die Arbeit mit Pete Brown sehr konstruktiv. Sein Einfluss und seine Ideen haben meine Musik erweitert. Ich möchte einfach nur gute Musik machen – sehe mich auch nicht nur als Blues-Gitarrist, sondern fühle mich auch im Rock, Country, Funk und Punk wohl.

Seit August 2015 ist der Ausnahme-Gitarrist festes Mitglied der Hamburg Blues Band. In Worpswede stand Krissy Matthews bereits zum sechsten Mal mit der Formation auf der Bühne und entfachte ein Bluesrock-Feuerwerk der Extraklasse. Wieder einmal mehr veredelte der Sechs-Saiten-Akrobat Songs wie „Rockin‘ Chair“ oder „Rattlesnake Shake“ und brillierte bei den eigenen Songs „I’ve Been Searching“ und „Bubbles And The Seven Phones“. „Krissy ist eine echte Bereicherung für uns – manchmal müssen wir sein Temperament sogar bremsen – ein genialer Musiker“, schwärmt HamburgBlues-Band-Shouter Gert Lange, der den norwegisch-englischen Künstler bereits 2008 das erste Mal traf.

Krissy: Das war im Downtown Bluesclub in Hamburg, 2012 kam es dann bei den Verdener Jazz- und Blues-Tagen zum zweiten Treffen. Dort spielte ich mit meiner Band als Support für die Hamburg Blues Band. Im letzten Jahr in Arnis hat mich dann Gert Lange gefragt, ob ich mir eine Zusammenarbeit mit der Hamburg Blues Band vorstellen könnte. Das habe ich freudestrahlend bejaht und freue mich weiter auf eine tolle Zeit mit der Band.

120 Konzerte spielte Krissy Matthews im letzten Jahr, da blieb wenig Zeit für andere Dinge. In diesem Monat will er sich wieder mit seinem Produzenten Pete Brown treffen und neue Songs schreiben.

„Vier Songs habe ich bereits geschrieben, für ein Album fehlen da noch einige. Viele Bands veröffentlichen in kurzen Zeitabständen eine CD nach der anderen – ich lasse mir da Zeit, bis ich mindestens zwölf gute Titel zusammen habe. Ich gehe davon aus, dass mein nächstes Projekt ein Livealbum sein wird“, gab uns Krissy noch mit auf den Weg.

Am 6. Mai wird die Hamburg Blues Band mit Krissy Matthews & Maggie Bell im Rockzelt Camp Balu in Bad Münder ein Konzert geben. Beginn: 19 Uhr, Karten: NDZ 05041/78910




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