×

"Einfach nur schlecht": Regions-Politiker üben deutliche Kritik am Krankenhaus-Leerstand in Springe

Dass es für das ehemalige Krankenhaus in Springe auch Jahre nach der Schließung noch keine neue Lösung gibt, weckt auch in der Politik Kritik. Vor allem die CDU-Regionsfraktion macht dem KRH deutliche Vorwürfe: „Man hat den Standort einfach geschlossen, ohne sich Gedanken zu machen, wie es weitergeht“, sagt Fraktionschef Bernward Schlossarek der NDZ. Andere Fraktionen schlagen versöhnlichere Töne an.

lkbm Redaktion Christian Zett  jhr_4H2A7450

Autor

Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite
Anzeige

Es ist noch nicht lange her, da musste Bernward Schlossarek strategisch mehr Rücksicht nehmen als heute. Schließlich befand sich seine CDU bis Ende Oktober in der Regionsversammlung mit der SPD in einer Großen Koalition, die über die meiste Zeit sehr friedlich zusammenarbeitete. Doch die Kommunalwahl im September änderte die Kräfteverhältnisse, brachte Rot-Grün zurück. Und nun sind Schlossarek und seine Christdemokraten wieder in der Opposition.

Das muss man einerseits vielleicht wissen, wenn man Schlossareks Kritik einordnen will. Andererseits war der Politiker nie jemand, der mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten hat. Nun also das Springer Krankenhaus, dessen Schließung 2014 Rot-Grün in der Region besiegelt hatte - gegen den Widerstand, unter anderem, der CDU. Dass bis heute keine Lösung für die Nachnutzung da ist? „Das ist einfach nur schlecht“, schimpft Schlossarek. Und betont: „Der Leerstand ist für mich ein Mahnmal für rot-grüne Krankenhauspolitik.“

Das könnte Sie auch interessieren...

„Keine Gedanken gemacht, was danach passiert“

Schlossarek kommt aus Lehrte - unter anderem auch das dortige Krankenhaus sollte neben Springe auf den Prüfstand. Es ist bis heute offen. Schlossarek wirft den damals für die Schließung verantwortlichen in Politik und beim KRH vor, Springe einfach dicht gemacht zu haben, „ohne sich Gedanken zu machen, was danach passiert“. Inzwischen würden Patienten mit dem Krankenwagen quer durch die Region gefahren, wenn es zu wenig Kapazitäten gebe. Die Notfallambulanz, die das Krankenhaus zunächst ersetzte und dann Ende 2018 schloss, bezeichnet Schlossarek als „Beruhigungstablette für den Wähler“.

Bei aller Kritik: Schlossarek hofft nun, „dass man jetzt die Geduld hat, eine richtige Lösung zu finden“. Wie das KRH selbst wünscht er sich einen Anbieter aus dem Bereich Reha oder Gesundheit, der die bestehende Immobilie saniert. „Das schlechteste wäre, wenn das ganze abgerissen würde. Dann ist die Infrastruktur vor Ort erst mal weg.“ Für die Fraktion wünsche er sich mehr Informationen über den Stand des Verfahrens: „Viel habe ich nicht gehört.“

SPD: „In der jetzigen Lage“ dem KRH keinen Vorwurf machen

SPD-Fraktionschefin Silke Gardlo, die 2014 für die Schließung des Springer Krankenhauses gestimmt hatte, klingt in ihrer Bewertung deutlich zurückhaltender. Sie finde es schwierig, der Geschäftsführung des KRH „in der jetzigen Lage“ mangelnde Initiative vorzuwerfen. Nach der Schließung der Notfallambulanz habe sich eine Lösung abgezeichnet. Aber „dann kam die Corona-Pandemie und das KRH sowie die Regionsverwaltung mussten auf die Bewältigung dieser Pandemie reagieren“, sagt Gardlo. Dieser Umgang mit Corona sei „bisher sehr gut gelungen“ - schließlich stünden bundesweit alle Krankenhäuser vor großen Aufgaben: „Die finanzielle Lage sieht nicht sehr gut aus.“

Trotzdem solle eine Lösung für Springe gefunden werden. Die SPD werde sowohl im nach der Wahl neu formierten Aufsichtsrat des Klinikums als auch in der Fraktion selbst „dieses Anliegen weiter verfolgen“, kündigt Gardlo an.

Grüne: „Große Belastung für die Stadt Springe“

Auch die Grünen, Koalitionspartner der SPD in der Regionsversammlung, wollen dem KRH keinen Druck machen. Wichtig sei, „eine geeignete Nachnutzung zu finden, die zu den Gegebenheiten passt und einen Mehrwert für die Stadt Springe bietet“, sagt Fraktionschefin Sinja Münzberg der NDZ. Dass bisher eine Lösung fehle, sei „ausgesprochen bedauerlich“, der Leerstand „eine große Belastung für die Stadt Springe“. Auch Münzberg verweist auf die Pandemie als Grund für die Verzögerungen - mit deren Ausbruch Anfang 2020 seien zunächst „alle Kaufinteressent*innen abgesprungen“, heißt es in Münzbergs Stellungnahme. Zuletzt hatte das KRH von drei verbliebenen Interessenten gesprochen.

Von der Geschäftsführung fühle man sich „ausreichend informiert“, betont Münzberg - und verweist auf regelmäßige und ausführliche Berichte im Aufsichtsrat. Die Grünen wollen unter dem Strich den Weg weitergehen: „Sollte das in absehbarer Zeit nicht zum Erfolg führen, müsste das Nachnutzungskonzept gegebenenfalls überdacht werden“, so Münzberg.

FDP: Gebäude wird „nicht neuer und besser“

Für die FDP-Regionsfraktion verfolgt der Springer Abgeordnete und Vize-Vorsitzende Klaus Nagel die Situation. Für ihn sei wichtig, sagt Nagel, dass Stadt, Region und Klinikum „an einem Strang“ zögen, um eine Lösung für das Gelände herbeizuführen. Es gelte, alle Hemmnisse für interessierte Investoren zu reduzieren. Die Fraktion wolle weiter nachhaken, wann und wie es mit dem Verkauf weitergeht. Bislang fühle man sich jedoch nicht ausreichend informiert, betont Nagel - ähnlich wie Schlossarek es beklagt. Anders als SPD und Grüne drängt Nagel nach all den Jahren auf eine schnelle Lösung: Je nach tatsächlichem Zustand der Gebäude werde die Immobilie insgesamt „nicht neuer und besser“, je länger sich der Verkauf hinziehe.




Kontakt
Redaktion
Telefon: 05041 - 78932
E-Mail: redaktion@ndz.de
Anzeigen
Telefon: 05041 - 78910
Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
Abo-Service
Telefon: 05041 - 78921
E-Mail: vertrieb@ndz.de
Abo-Angebote: Aboshop

Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
X
Kontakt