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Handballfreunde-Manager Dennis Melching meldet sich zu Wort

SPRINGE. Hat er alles richtig gemacht? Sicher nicht – das räumt Dennis Melching offen ein. Doch die teils harsche Kritik, die nach dem Rückzug der Drittliga-Mannschaft auf den langjährigen Manager der Handballfreunde Springe einprasselte, will er nicht unkommentiert lassen.

Der Macher: Manager Dennis Melching hat über die Jahre nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld in die Handballfreunde gesteckt. Foto: Bertram
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Im Gespräch mit der Neuen Deister-Zeitung äußert sich Melching...

…zum Aus der ersten Mannschaft: „Ich weiß, dass das viele ärgert und mir tut dieser Schritt auch leid.“ Der Rückzug sei nicht aus dem Bauch heraus erfolgt: „Wir reden schon seit anderthalb Jahren darüber, wie es weitergeht.“

…zur Situation der Springer Handball GmbH, unter deren Dach die erste Mannschaft spielte: Der größte Moment der Vereinsgeschichte war aus Melchings Sicht auch der Anfang vom Ende – die Saison in der zweiten Bundesliga: „Seitdem hat sich bei uns ein großes Loch aufgetan. Der Betrieb hat sich davon nicht mehr erholt.“ Weniger Sponsoren, weniger Zuschauer (ein Minus von gut 20 Prozent allein in dieser Saison): Melching sagt, seine Familie habe über die eigene Firma genau wie Unternehmer Peter Othmer immer häufiger große Summen in die Handball-GmbH gesteckt, um den Betrieb zu sichern. „Das kann man eine Zeit so machen. Aber irgendwann waren wir an einem Punkt, das ganze System infrage zu stellen.“

…über eigene Fehler: Er denke schon darüber nach, ob er immer alles richtig kommuniziert habe, ob er mehr Hilfe hätte annehmen sollen: „Aber die Schlange der Leute, die ernsthaft dafür zur Verfügung standen, war tatsächlich nie ganz so lang.“

…zum Vorwurf, immer wieder einsame Entscheidungen getroffen zu haben: Trainerentlassungen, suspendierte Spieler – „wir haben im Laufe der Jahre Entscheidungen getroffen, die nicht immer populär waren“, sagt Melching. Die Gründe – mal sportlich, mal disziplinarisch – seien jedoch nicht immer öffentlich kommunizierbar gewesen. Er habe sich aber immer abgesprochen – bei sportlichen Themen mit dem Trainer, sonst mit dem Vorstand: „Ich kann mir ja nicht mit Bauchentscheidungen kaputt machen, was wir hier aufgebaut haben.“

…über die schönen Seiten der vergangenen Jahre: Der Handball, erinnert Melching, habe in Springe eine wichtige Rolle gespielt; die Mannschaft habe bis zuletzt trotz aller Probleme eine große Leistung geliefert: „Davor ziehe ich den Hut.“ Man habe zahlreiche Fans und Sponsoren gewinnen können, die dem Team die Stange hielten. Trotzdem sei der ganz große Funke in Springe nie übergesprungen.

…zu den Gehaltszahlungen an die Spieler: Aus der Mannschaft war zuletzt der Vorwurf gekommen, die Gehälter seien unregelmäßig geflossen. Melching versichert: „Hier hat nie jemand auf sein Geld verzichten müssen oder monatelang darauf gewartet.“ Zuletzt sei es in einigen Fällen zu verspäteten Zahlungen gekommen: „Und wir müssen nun sehen, wie wir bis Ende Mai oder Ende Juni alles organisatorisch abwickeln.“ Jeder werde aber sein Geld bekommen.

…zum Wirbel um den Verlust der Zweitliga-Lizenz: Melching räumt heute unumwunden ein: Es lag am Geld. „Nach der katastrophalen Hinrunde hatten sich einige Sponsoren zurückgezogen“, erinnert er sich. Er habe letztendlich darauf verzichtet, den vollständigen Antrag einzureichen – aus „reinem Selbstschutz für den Verein, um aufrecht zu erhalten, was wir hatten“. Eine Rolle habe dabei auch die zwischenzeitlich sportlich aussichtslos erscheinende Situation gespielt. Melching hatte damals auch der HBL als Lizenzgeber Vorwürfe gemacht. Inzwischen ist er selbstkritischer: „Die Art der öffentlichen Darstellung würde ich heute in Frage stellen.“ Für richtig hält er die Entscheidung trotzdem – finanziell sei die zweite Liga eine Nummer zu groß gewesen.

…zur Kritik in den sozialen Netzwerken: Melching wundert sich vor allem darüber, woher die Kritik kommt: Da ist ein früherer Helfer der Handballfreunde, der Melching und Othmer nicht nur in Sachen Handball kritisiert, sondern ihnen auch gleich die Fähigkeit abspricht, das Geschäftszentrum in der Innenstadt zu stemmen. Für Melching ist auch das so ein Fall, bei dem die Hintergründe nicht sichtbar sind: Der Helfer habe eine Aufwandsentschädigung für seine mehrstündige An- und Abreise erhalten. Und diese weiterhin gefordert, als er vor Ort wohnte. Schließlich habe man sich darüber entzweit.

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