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Urteil erwartet

Kader-Prozess: Nurretin B. zu 14 Jahren Haft verurteilt

HANNOVER. Der wegen des sogenannten "Schleifmordversuchs von Hameln" angeklagte Nurettin B. (39) aus Eimbeckhausen ist am Mittwochnachmittag um 15.15 Uhr zu 14 Jahren Haft verurteilt worden - wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Zurzeit läuft die Urteilsbegründung. Die Staatsanwältin und der Opfer-Anwalt hatten lebenslange Freiheitsstrafen gefordert, die Verteidigung plädierte auf 14 Jahre Haft. Nurretin B. hatte außerdem die Zahlung von 100 000 Euro Schmerzensgeld angeboten.

Mit großem Interesse wird das Urteil erwartet. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

++ Update 15.15 Uhr ++
Der wegen des sogenannten „Schleifmordversuchs von Hameln“ angeklagte Nurettin B. (39) aus Eimbeckhausen ist am Mittwochnachmittag um 15.15 Uhr zu 14 Jahren Haft verurteilt worden - wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Zurzeit läuft die Urteilsbegründung.


++ Update 14.30 ++
Opfer-Anwalt Roman von Alvensleben schließt sich dem Antrag an. Seine Mandantin sei gebrandmarkt als „geschleifte Frau“. Sie ist nicht mehr die Frau, die sie einmal war.“ Nebenklägerin Kader K. wünsche sich, dass der Täter lebenslänglich bekomme, sagte der Anwalt. Er wünsche sich, dass das Gericht ein Signal setze für die Rechte der Frauen. Opfer-Anwalt Raban Funk spricht von einer „menschenverachtenden Tat“, von „Verachtung, Hass, Gier und dem Sinnen nach Exekution“. Das Verbrechen erinnere ihn an ein IS-Video aus Syrien. Da werde ein Journalist mit einem Auto zu Tode geschleift. Mit solchen mittelalterlichen Hinrichtungsmethoden müsse sich Nurettin B. zumindest gedanklich auseinandergesetzt haben. Lebenslange Haft sei eine gerechte Strafe.

Freilich sieht das Nurettin B.s Verteidiger Matthias Waldraff anders. Aus Rücksicht auf das Opfer habe sein Mandant sich während des gesamten Prozesses ruhig und devot verhalten, alles schweigend ertragen, Reue, Einsicht und tiefes Bedauern gezeigt. „Er ist nicht nur dieser widerliche grausame Verbrecher. „Es gibt auch einen anderen Nurettin B.“ Er sei ein fleißiger Mann, der einen Beruf erlernt habe. Sein Mandant sei ein Familienmensch, kinderlieb, sozial integriert und beliebt.“ Waldraff hält 14 Jahre Haft für tat- und schuldangemessen. Sein Verteidiger-Kollege Bastian Quilitz schlägt in dieselbe Kerbe. Nurettin B. habe sich nach der Tat sofort bei der Polizei mit den Worten „Ich war’s“ gestellt und vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgelegt, „weil er sich der Verantwortung stellen wollte“. Dass Nurettin B. grausam gehandelt hat, bezweifelt der Verteidiger. Zeugen hätten geglaubt, Kader K. sei „nicht mehr da gewesen“. Quilitz spricht nicht aus, was er mutmaßlich meint: Wer eine Tote durch die Stadt schleift, handelt nicht grausam.

Der Angeklagte hat wie immer das letzte Wort. „Es tut mir unendlich leid, was ich Dir und unserem Sohn angetan habe“, sagt er.

Zu Beginn der Verhandlung nahm der Verteidiger des wegen versuchten Mordes an seiner Ex-Frau angeklagten Nurettin B. (39) Stellung zu dem Antrag des Nebenklagevertreters. Opfer-Anwalt Roman von Alvensleben hatte vor einer Woche die Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 250000 Euro beantragt. Kader K. sei nicht mehr arbeitsfähig, leide unter anderem an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Auch die Würde seiner Mandantin sei durch die „Zurschaustellung der grausamen Handlungen“ zutiefst und nachhaltig verletzt worden. Kader K. habe das Gefühl, „betäubt zu sein“. Der Anwalt sprach auch von „emotionaler Stumpfheit“, schlimmen Schmerzen, Schlaflosigkeit und üblen Träumen. Die Schmerzensgeld-Forderung sei eigentlich viel zu niedrig. „Es gibt wohl in Deutschland keinen vergleichbaren Fall, an dem wir uns orientieren können“, sagte von Alvensleben.

Strafverteidiger Matthias Waldraff bot an, sich zu verständigen. Sein Mandant sei bereit, sein Haus zu verkaufen und dem Opfer zeitnah 100000 Euro zur Verfügung zu stellen -“ohne Wenn und Aber“.

Die Verhandlung wurde für 45 Minuten unterbrochen, sodass Verteidigung und Nebenklage darüber beraten können, ob ein Vergleich möglich ist. Sollte Nurettin B. die Hälfte der von der Nebenklage geforderten Summe akzeptieren und auch bereit sein, für weitere noch nicht absehbare immaterielle Zukunftsschäden aufzukommen, scheint eine Einigung in Sicht. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch signalisierte Zustimmung. „Aus unserer Sicht sind die Beträge, über die Sie hier reden, vernünftig - jedenfalls nach vorläufiger Bewertung der Kammer.“

Nach der Unterbrechung wurde die Verhandlung mit den Plädoyers der Anwälte fortgesetzt. Staatsanwältin Ann-Christin Fröhlich fordert lebenslange Haft für Nurettin B. Auch wenn es ein versuchter Mord war, gebe es keinen Grund, die Strafe für diese „grauenvolle und widerliche Tat“ zu mindern. Opfer-Anwalt Roman von Alvensleben schloss sich dem Antrag an. Seine Mandantin sei gebrandmarkt als „geschleifte Frau“. Sie ist nicht mehr die Frau, die sie einmal war.“ Nebenklägerin Kader K. wünsche sich, dass der Täter lebenslänglich bekomme, sagte der Anwalt.

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