weather-image
Wenn Teenager in den Ferien lieber zu Hause bleiben, verlangt das von Eltern einen großen Vertrauensvorschuss

Kein Bock auf Familienurlaub

270_0900_713_fam16_Teenagerc_allein_zu_Hause_0406.jpg

Autor:

Bettina Levecke

Im vollgepackten Auto stundenlang über die Autobahn fahren, um dann 14 Tage in einer kleinen Ferienwohnung aufeinanderzuhocken? Für Teenager ist der Gedanke, mit den Eltern in den Urlaub zu fahren, wenig verlockend. „Ich komm nicht mit!“ ist deshalb oft der erste Satz, wenn Eltern ihre Urlaubspläne präsentieren.

Die meisten Eltern könnten relativ gut einschätzen, ob ihr Kind in der Lage ist, alleine zu bleiben. „Die Jugendlichen müssen in der Lage sein, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen“, sagt Diplom-Psychologe Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth.

Grundlage dafür ist Selbstständigkeit. „Der Jugendliche sollte schon eine gewisse Erfahrung haben, wie man sich alleine versorgt.“ Sich selbst Essen kochen, danach aber auch den Herd ausstellen: „Solche grundlegenden Erfahrungswerte sollte der Teenager mitbringen.“ Die meisten Jugendlichen sind dazu ab 16 oder 17 Jahren in der Lage.

Bevor die Koffer gepackt werden, sollte in einem grundlegenden Gespräch geklärt werden, welche Dinge den Eltern wichtig sind und worauf der Jugendliche achten soll. Die Übertragung von Verantwortung stärkt dabei das Selbstwertgefühl der Kinder. Wichtig ist, die bedeutendsten Eckpunkte zu klären: etwa keine großen Partys zu feiern oder das Auto nicht zu benutzen. „Da muss man individuell schauen, welche Absprachen sinnvoll sind“, sagt Engel. Wer ein Haustier zurücklässt, muss dem Jugendlichen deutlich machen: „Das Tier ist von deiner Fürsorge abhängig!“ Trotz allem Loslassen sollten Eltern regelmäßig Kontakt halten. Engel empfiehlt dafür Telefonate. „Und zwischendurch kann man über Whats-App oder andere Dienste Nachrichten schicken.“ Für die Kinder sei es gut, vor Ort einen Ansprechpartner zu haben, zum Beispiel die Großeltern oder Nachbarn. „Man kann ja mit dem Jugendlichen vereinbaren, dass alle drei Tage jemand vorbeikommt und nach dem Rechten sieht.“

Fakt ist: Passiert in Abwesenheit der Eltern etwas, sind diese in der Pflicht, zu belegen, dass sie ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen sind. „Deshalb rate ich auf jeden Fall dazu, vor Ort immer Ansprechpersonen für das Kind zu haben, zum Beispiel die Nachbarn.“ Kinder unter 15 Jahre sollten nach Auffassung des Anwalts grundsätzlich nicht über längere Zeit alleine bleiben. „Die können sicher mal einen Abend ohne Eltern zu Hause sein, aber nicht mehrere Tage.“

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare