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Bertelsmann-Studie zeigt: Mehr Kinderverwahrung denn pädagogischer Mehrwert – beim Schulsystem gibt es Luft nach oben

Ganztagsschulen fehlt es an Qualität

Autor:

Florentine Dame

GÜTERSLOH/BERLIN. Gleiche Lernchancen für alle, mehr Förderzeit für einzelne Kinder, willkommene Hilfestellung für berufstätige Eltern: Die Erwartungen an Ganztagsschulen waren und sind enorm hoch. Seit Jahren treibt die Politik den Ausbau dieser Schulform voran. Wie unterschiedlich die 16 Bundesländer etwa bei Lernzeiten und Personalausstattung vorgehen, legt eine vergleichende Analyse der Bertelsmann-Stiftung offen.

Welche Rolle spielen Ganztagsschulen in Deutschland?

Bis in die 90er Jahre gab es Gegenwind, besonders von konservativer Seite. Kritiker befürchteten, die lange Lernzeit reiße Familien auseinander. Der Wunsch nach mehr Berufstätigkeit von Frauen, vor 15 Jahren dann das miserable Abschneiden deutscher Schüler beim ersten PISA-Vergleichstest brachten die Wende – und ein vier Milliarden Euro teures Ausbauprogramm des Bundes zwischen 2003 und 2009. Inzwischen verkünden Politiker stolz, dass Ganztagsschulen im Bildungssystem fest verankert seien.

Was versprechen sich Experten vom Ganztagsunterricht?

Fachleute knüpfen daran hohe Erwartungen. „Die Ganztagsschule hat das Potenzial, Nachteile, die Kinder im Elternhaus haben, abzufedern und so die Chancengleichheit zu verbessern“, sagt etwa der renommierte Bildungsforscher Klaus Klemm, der am Bertelsmann-Report federführend mitarbeitete. Er favorisiert gebundene Angebote, um den Unterricht zu entzerren. Studien haben gezeigt, dass dann auch zunehmend kostenlose Nachhilfeangebote zur Verfügung stehen.

Gibt es Erkenntnisse, was Ganztagsunterricht wirklich bringt?

Wer bis zum späten Nachmittag an der Schule ist, wird nicht unbedingt klüger – aber womöglich ein freundlicherer, ausgeglichenerer Mensch: So lässt sich die Mitte April veröffentlichte „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen“ (StEG) zusammenfassen. Die vierjährige Forschungsarbeit an 140 Schulen fand positive Wirkungen auf soziale Kompetenz, Motivation und Selbstbild der Kinder – wohlgemerkt: bei guten Ganztagsangeboten. Weiter heißt es: „Unmittelbare Effekte auf die Entwicklung ihrer fachlichen Kompetenzen zeigten sich jedoch nicht.“ Die Studie fordert, Schulen sollten stärker auf Qualität achten – schnöde Hausaufgabenbetreuung durch Ehrenamtliche reiche nicht. Denn wichtig sei die Verzahnung mit den Unterrichtsthemen.

Gibt es große Unterschiede zwischen Ganztagsschulen in den Ländern?

Die Bandbreite ist riesig, wie der aktuelle Ländervergleich zeigt. Bei Zusatz-Lernzeiten und -Personal sei Deutschland „ein Flickenteppich“, bilanziert die Stiftung. Während Ganztagsschule für hessische Schüler bis zu 22 Extra-Wochenstunden bedeutet, sind es in vielen ostdeutschen Ländern ganze vier.

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