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Getrennte Klassen sind kein Muss – Experten raten Eltern, nach pragmatischen Lösungen zu suchen

Einschulung: Zwillinge müssen eigenen Weg finden

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Autor:

Teresa Tropf

Auf Zwillingseltern wartet mit der Einschulung ihrer Sprösslinge die doppelte Herausforderung: Dann geht es nicht nur um den doppelten Schulranzenkauf, das doppelte Heftebesorgen und das doppelte Hausaufgabenbetreuen – zunächst einmal steht die Grundsatzentscheidung an: getrennt einschulen oder gemeinsam?

Mehrlingseltern machen sich die Wahl nicht einfach. Für Karolin Ziegler, Zwillingsmama der beiden achtjährigen Jungs Ben und Eli, stand die Entscheidung vor zwei Jahren an. Mittlerweile sind ihre Jungs in der zweiten Klasse – gemeinsam: „Wir bereuen es nicht, denn die beiden brauchen sich einfach“, sagt Ziegler, die selbst Rektorin in einer Grundschule in Baden-Württemberg ist.

„Eine allgemeingültige Antwort zu geben, ist mir und meinen Schulleiterkollegen nicht möglich“, betont sie allerdings. Jedes Zwillingspaar, jede Familie bringt eine eigene Geschichte mit, die es zu berücksichtigen gilt. Ziegler empfiehlt, Erzieher und gegebenenfalls auch die Kinderärzte bei der Entscheidung mit ins Boot zu nehmen.

Auch Psychologe Bodo Reuser von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) hat keine Pauschalantwort parat. Wichtig sei: „Sich nicht verleiten lassen von der Besonderheit des Zwillings“. Wenn Eltern der Besonderheit des Mehrlingstatus viel Raum gäben, sei dies schon das erste Problem.

„Meine Erfahrung als Kinder- und Jugendlichen-Psychologe zeigt, dass wir die Besonderheit erst schaffen, indem wir darauf eingehen“, sagt er. So sei es zum Beispiel nicht besonders hilfreich für die Persönlichkeitsentfaltung des einzelnen Zwillings, die Geschwister gleich anzuziehen. Stattdessen muss bei Zwillingen wie bei sämtlichen anderen Geschwisterkindern individuell und vorurteilsfrei geguckt werden: Was braucht wer? Schulpsychologe Klaus Seifried vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) sieht das ähnlich, tendiert aber dennoch zur pauschalen Lösung „getrennte Klassen“. „Es gibt die Grundregel, dass man Zwillingen die Möglichkeit geben soll, eine eigene Identität zu entwickeln“, argumentiert er. Dazu gehören für ihn verschiedene Klassen.

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