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Audi hat den A3 überarbeitet und bringt das Kompaktmodell mit viel Oberklassentechnologie an den Start

Neue Highlights für den Bayern-Golf

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Autor:

VOn Gerd PiPer

Dass immer neue Tricksereien bei der Motorsoftware von Dieselmotoren deutscher Hersteller ans Licht kommen und den Antrieb damit in eine Dauerkrise unbestimmten Ausgangs stürzen, hat sich bei den Verkaufszahlen bislang nicht bemerkbar gemacht. Josef Schlossmacher, altgedienter Audi-Pressesprecher, weiß auch, warum: „Die Leute wollen sparsame Motoren gepaart mit Drehmoment, Leistung eben.“ Das biete in dieser Kombination eben nur der Selbstzünder. Die von der Politik vorgegebenen Klimaziele seien den meisten Kunden egal. „Ich kann das verstehen“, sagt Schlossmacher. „Auch ich habe einen Diesel, und ich will schnell fahren.“ Kein Wunder also, dass Audi im überarbeiteten A3, dem Bayern-Golf aus Ingolstadt, wieder drei Selbstzünder mit 110 PS, 150 PS und 184 PS an den Start bringt.

Der A3 ist mit seinen vier Ringen im Kühlergrill das Premiumangebot des Volkswagenkonzerns in der Kompaktklasse. Seit nunmehr 20 Jahren am Markt, ist er ein Millionenseller und bekommt vieles, worauf die niedriger positionierten Konzerngeschwister von Seat oder Skoda verzichten müssen. Und selbst der VW Golf erreicht nicht das Niveau des Bayern. So verwundert es nicht, dass man jetzt bei der überarbeiteten Version des A3 noch einmal richtig hingelangt hat. Was äußerlich allerdings kaum auszumachen ist: Der etwas breitere Grill, das kräftigere Heck und flachere Leuchten mit einer eigenen Signatur sind optische Signale, die nur Markenkennern sofort auffallen dürften. Josef Schlossmacher bringt es auf den Punkt: „Das Design ist so zeitlos, das hält noch ein paar Jahre.“

Unter der Karosserie hat man allerdings Altes ausgeräumt, um für neues Platz zu schaffen: Künftig gibt es das virtuelle Cockpit, das der Fahrer ganz nach seinen persönlichen Vorlieben konfigurieren und auch ständig verändern kann. Und weil die Digitalisierung Möglichkeiten schafft, die vor wenigen Jahren noch undenkbar schienen, umfasst das Konnektivitätsangebot jetzt auch ein LTE-Modul, eine Sim-Karte mit EU-weitem Roaming zum Nulltarif für drei Jahre, zwanzig Online-Dienste und eine Box für induktives Laden inklusive Nahfeld-Kopplung. Das kannte man bislang nur aus den oberen Fahrzeugklassen.

Aus denen kommen auch die neuen Fahrerassistenzsysteme, die so ziemlich alles umfassen, was auf dem Weg zum autonomen Fahren derzeit en vogue ist. Natürlich sind diese Systeme letzten Endes nur radar- und sensorbasierte Weiterentwicklungen der Sicherheitssoftware. Aber allein die Tatsache, dass sie jetzt auch in der Kompaktklasse angeboten werden, zeigt, dass die Hersteller hier keinen Elfenbeinturm für die zahlungskräftige Kundschaft bauen, sondern es mit dem Thema Sicherheit über alle Fahrzeugklassen hinweg ernst meinen.

Geblieben ist die Möglichkeit, den A3, abhängig von der Motorisierung, auch mit Allradantrieb auszustatten. Dazu gibt es für die 2,0-Liter-TFSI-Aggregate ein neues Siebengang-S-tronic-Getriebe und mit dem A3 Sportback e-tron auch wieder einen Plugin-Hybrid. Der dürfte zunächst einmal so etwas wie ein Feigenblatt für das gern zur Schau gestellte gute Herstellergewissen bleiben, aber er markiert auch weiterhin den Einstieg in künftige Antriebskonzepte. Der wird ergänzt durch den A 3 Sportback g-tron, der es im Gasantrieb auf 400 Kilometer Reichweite bringt, die mit Verbrenner nochmals um 900 Kilometer aufgestockt werden können.

Bei den konventionellen Antrieben gibt es neben den drei Dieseln drei Benziner mit einem Dreizylinder als neuem Einstiegsmotor, der es trotz seiner vergleichsweise mäßigen Leistung von 115 PS auf ganz annehmbare Fahrwerte bringt: So sprintet er in 9,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und bringt es in der Spitze auf 206 km/h. Das Leistungsband reicht künftig von 110 bis 310 PS im S3, dem Giftzwerg unter den A3-Modellen, den es neben der Limousine auch als Cabriolet gibt – das garantiert Fahrspaß pur, weil der Kompakte zackig um die Ecken geht. Bei den größeren Motorisierungen ist das adaptive Fahrwerk mit seinen Fahrprogrammen eine tolle Ergänzung. Wir haben es ausprobiert.

Was die Dieselthematik betrifft, glaubt Schlossmacher, dass die teure Technologie künftig hauptsächlich ein Thema für die oberen Fahrzeugklassen sein wird – soweit es überhaupt eine Zukunft gibt. Aus den kleineren Fahrzeugklassen werde sich der Selbstzünder nach und nach verabschieden. Eine Aussage, die andere Hersteller mit den entsprechenden Schritten bereits untermauern. Eine Prognose, wann und ob es den A3 treffen könnte, will Schlossmacher allerdings nicht abgeben.

„Die Leute wollen sparsame Motoren gepaart mit Drehmoment.

Josef Schlossmacher, Audi-Pressesprecher

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