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Mazda baut Selbstzünder, die ohne Stickoxid-Nachbehandlung im Abgasstrang auskommen – jetzt auch im Mazda3

„Clean Diesel“ auf Japanisch

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Autor:

voN gerd piper

Der Diesel hat es dieser Tage nicht leicht. Volkswagen hat dem Selbstzünder mit dem Abgasskandal um die Betrugssoftware in den USA einen ungeheuren Schaden zugefügt und die Diskussion um die Zukunftsfähigkeit des Antriebs mächtig angeheizt. Selbst wenn die Tage des Diesels mittelfristig gezählt sein sollten, steht eins fest: Solange alternative Antriebskonzepte nicht mal annähernd das Leistungsspektrum eines Verbrenners erreichen, werden die meisten Kunden auch weiterhin zu konventionellen Motoren greifen. Zumal es hier durchaus Entwicklungspotenzial gibt. Im Gegensatz zu den großen Herstellern geht vor allem Mazda beim Diesel einen ganz eigenen Weg. Den japanischen Ingenieuren ist es gelungen, dank eines extrem niedrigen Verdichtungsverhältnisses, Selbstzünder zu konstruieren, die ohne einen kompletten Chemiebaukasten im Abgasstrang auskommen und trotzdem zuverlässig aktuelle Normen erfüllen.

Dass Mazda gute Autos baut, hat sich inzwischen auch in Deutschland herumgesprochen. Mit einem Marktanteil von 1,9 Prozent konnte man im ersten Quartal des Jahres um 13 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2015 zulegen und landet damit nur ganz knapp hinter Toyota. Dabei streben die Mazda-Entwickler nicht nach Superlativen und rekordverdächtigen Motordaten, sondern konstruieren vielmehr ganz normale Maschinen für Menschen, die ein ebenso normales, zuverlässiges Auto suchen. Ein Profil, das nach wie vor auf die meisten Autofahrer zutrifft. Doch beim näheren Hinsehen, sind vor allem die Diesel nicht ganz so normal, wie man zunächst meinen mag.

Die Japaner sprechen in diesem Zusammenhang ganz selbstbewusst von einer „Pionierleistung“, da die sogenannten Skyactiv-D-Dieselmotoren auf die technisch aufwendige und kostenintensive Stickoxid-Nachbehandlung im Abgasstrang verzichten können.

Nach dem 2,2 Liter großen Diesel in den zwei Leistungsstufen 150 und 175 PS deckt jetzt der 1,5 Liter große Diesel mit 105 PS das Angebot der Japaner in den kompakten Fahrzeugklassen ab. Das Triebwerk kommt im Juni auch im Mazda3 auf den Markt. Was machen die Japaner aber anders als die anderen Hersteller?

Sie haben das Verdichtungsverhältnis auf 14,0:1 beim 2,2-Liter-Diesel und 14,8:1 beim 1,5-Liter-Diesel reduziert. Eigentlich ist diese Kompression für eine Selbstzündung vor allem bei niedrigen Temperaturen zu niedrig. Dank technischer Kniffs und einer frühzeitigen Abgasrückführung in den Brennraum ist es den Motorentwicklern gelungen, dass der Diesel problemlos zündet und warm läuft. Kraftstoffverbrauch und Schadstoffemissionen sinken in einem Maß, dass eine chemische Abgasreinigung überflüssig wird.

In der Praxis überzeugt die Maschine mit einem ruhigen, kultivierten Lauf. Zwar reißt der Mazda-Gegenentwurf zum VW Golf mit 105 PS erwartungsgemäß keine Bäume aus, doch für den Alltag reichen die Leistungen allemal. Der Wagen beschleunigt in 11,0 Sekunden von Null auf 100 km/h und ist in der Spitze 185 km/h schnell. Den kombinierten Kraftstoffverbrauch gibt Mazda mit 3,8 Litern an, was einem CO2-Ausstoß von 99 Gramm pro Kilometer entspricht. Das konnten wir zwar nicht erreichen, doch auf Landstraßen und Autobahnen haben wir nur selten mehr als 6 Liter verbraucht.

Eine Frage drängt sich bei der ganzen Geschichte auf: Warum gehen andere Hersteller nicht einen ähnlichen Weg. Mazda-Sprecher Jochen Münsinger beantwortet die Frage so: „Zum einen hat es sicherlich etwas mit Patenten zu tun, zum anderen hat man sich bei Mazda vielleicht einfach mehr Gedanken gemacht.“ Erklärtes Ziel der Japaner ist es, so lange wie möglich ohne elektrische Hilfen im Antrieb auszukommen, die ein Auto bekanntlich in der Technik sehr viel komplizierter und teurer machen. Auch wenn der Diesel weltweit im Pkw-Bereich nur eine geringe Bedeutung hat, ist die Mazda-Lösung für Münsinger „eine sparsame Alternative zum Hybrid-Antrieb. Unsere Ingenieure haben sich eben nicht von bestehenden Konventionen eingrenzen lassen, als sie diesen Dieselmotor entwickelt haben.“ Und auch der neue Mazda-Deutschlandchef Bernhard Kaplan betont: „Der Dieselmotor bleibt für uns ein wichtiger Baustein.“

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