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Im Weserbergland nichts Neues

Zwei für Berlin

An Wahlabenden gelten für gewöhnlich ganz eigene Gesetze. So gaben sich gestern Abend bis auf den Liberalen Klaus-Peter Wennemann und die Piratin Claudia Schumann alle Kandidaten für den Bundestagswahlkreis Hameln-Pyrmont-Holzminden trotz teilweise eher durchwachsener Ergebnisse durchaus zufrieden. Es ist halt nach der Wahl wie vor der Wahl: Beim Blick auf die Ergebnisse bleibt es der jeweiligen Sichtweise geschuldet, welchen Teil des großen Zahlenspiels man als eigenen Erfolg verkauft.

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Autor:

von thomas thimm

Dabei darf sich nur eine wirklich zu Recht feiern lassen: Die SPD-Abgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller ist die Wahlsiegerin. Als Bundestagsprofi mit bestem Polit-Netzwerk hat sie ihr Ergebnis gegenüber 2009 noch verbessert und das Direktmandat für das Berliner Parlament verteidigt. Allerdings haben sicherlich viele SPD-Anhänger wie auch unabhängige Beobachter nicht unbedingt damit gerechnet, dass ihr der CDU-Herausforderer Michael Vietz so dicht auf den Fersen sein würde: Der neue christdemokratische Kandidat, der im Wahlkampf auch schon mal offen und ehrlich zugab, in dem einen oder anderen Thema „nicht so gut drin zu sein“, hat ein starkes Ergebnis hingelegt und die SPD fast in die Bredouille gebracht. So lag Vietz während der Stimmenauszählung kurzzeitig vor „Lömö“ und musste sich am Ende nur relativ knapp geschlagen geben. Das verdient Respekt. Die Wahlabend-Analyse von Marcus Schaper, der es als grünen Erfolg verkaufte, dass deren Erststimmenkampagne zugunsten von Lösekrug-Möller gezogen habe und die SPD-Kandidatin nur dadurch ihr Direktmandat verteidigen konnte, ist dagegen gewöhnungsbedürftig. Ebenso wie die Tatsache, dass Jutta Krellmann mit dem Blick auf das Bundesergebnis der Linken ihr eigenes Ergebnis offenbar als eher zweitrangig betrachtet.

Trotz aller parteipolitischen Blickwinkel ist es für den Wahlkreis jedoch viel entscheidender, dass für die Region weiterhin zwei Abgeordnete im Bundestag sitzen: Neben Lösekrug-Möller ist Krellmann ganz sicher im Parlament. Beide waren über ihre Parteilisten so gut abgesichert, dass da auch kaum etwas hätte schiefgehen können. Mit Vietz hätte aus dem Duo ein Trio werden können, doch am Ende reichte sein Listenplatz nicht aus, um nach Berlin zu ziehen. Dem Weserbergland ist zu wünschen, dass Lösekrug-Möller und Krellmann im Sinne der Region ein starkes Duo bilden. Lösekrug-Möller ja vielleicht sogar als Abgeordnete einer Großen Koalition.

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