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Über 50 Raptor-Spuren freigelegt / Besucher-Andrang wird zur Belastung / Eigenständiges Tourismus-Konzept geplant

Zwei Dino-Fährten noch nicht identifiziert

Obernkirchen/Landkreis. Zahlreiche Dino-Spuren und kein Ende in Sicht: 52 Raptor-Spuren hat Torsten van der Lubbe, Mitarbeiter im Team des Landesmuseums Hannover um Paläontologin Dr. Annette Richter, inzwischen auf der unteren Fährtenplatte im Obernkirchener Steinbruch ausmachen können. Zudem gibt es im sogenannten "Hühnerhof" zwei kleinere Dino-Fährten, die die Wissenschaftler noch nicht identifizieren konnten.

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"Unsere Arbeit im Steinbruch ist eigentlich getan", so Richter auf Nachfrage unserer Zeitung. Sämtliche Spuren seien in Zusammenarbeit mit der Leibniz-Universität Hannover erstmals in einem hochkomplexen Vorgang digital aufgenommen worden und würden jetzt über die Wintermonate an Computern analysiert und ausgewertet. Nur auf der oberen Sohle, auf der vor 140 Millionen Jahren zwei Iguanodon-Herden und zahlreiche Allosaurier ihre Fußstapfen hinterließen, müssten im Frühjahr noch Nachmessungen gemacht werden. "Alle Beteiligten aus der Region sind sehr stolz auf die Dino-Spuren", kommentiert Richter. Doch es gibt auch negative Seiten der sensationellen Entdeckung: Immer wieder kämen Besucher auf eigene Faust in den Steinbruch, um die Fährten zu sehen - obwohl das Gelände nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. "Sie werden mittlerweile zur Belastung für die Steinbruch-Verwaltung und die Geologen", so Richter. Dass sie dabei die Arbeit der Wissenschaftler und vor allem der Steinbruch-Arbeiter stören und sich selbst und ihrer Kinder gefährden, sähen viele Menschen gar nicht. Auch würden Besucher Steine auf die Spuren schmeißen oder mit lehmigen Schuhen auf ihnen herumlaufen, was die einmaligen Funde auf Dauer zerstöre: "Dass Menschen so etwas tun, ist traurig", so Richter. Steinbruch-Betreiber Klaus Köster habe sich bis jetzt für Forschungen an den Spuren eingesetzt, doch inzwischen stehe er den Arbeiten wegen der Negativ-Effekte "mit gemischten Gefühlen" gegenüber. Auch das Interesse der Medien hält an: Zuletzt hatte ein Filmteam des ARD-Senders "arte" Aufnahmen für eine 70-minütige Dokumentation im Steinbruch gemacht, erzählt Richter. Nach Plänen des Landkreises sollen die Dino-Fährten nicht, wie anfangs geplant, in ein größeres Tourismus-Konzept eingebunden werden; Vertreter des Landkreises, des Landesmuseums, der Steinbrüche und weiterer Beteiligter wollen ein eigenständiges Konzept entwickeln. "Das Wichtigste ist die Verkehrssicherung", benennt Fritz Klebe, stellvertretender Baudezernent des Landkreises Schaumburg und Leiter des Projekts "Dino-Fährten", die Sicherungsmaßnahmen für Besucher und Saurierspuren. So sollen rund um beide Fährtenplatten Zäune errichtet werden, Bohlenwege sollen angelegt und eine Aussichtsplattform bei der oberen Sohle gebaut werden. Die Zäune sollen nicht nur die Millionen Jahre alten Fährten, sondern auch die Besucher schützen - denn der Steinbruchbetrieb wird um die untere Fährtenplatte herum weiterlaufen. "Die untere Platte werden die Besucher voraussichtlich nicht allein besichtigen können", erklärt Klebe. Geplant ist, Fremdenführer auszubilden, die die Besuchergruppen durch den Steinbruch führen sollen. Zusätzlich sollen Hinweisschilder ab dem JBF-Centrum aufgestellt werden, um Besucher den Weg durch den Steinbruch zu zeigen. Zwei Förderanträge hat der Landkreis bereits für die Vorhaben gestellt: Zum einen an das Förderprogramm "Natur erleben" von Land und EU, zum anderen an die Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften (GLL), die Fördermittel aus Töpfen des Leader-Programms freigibt. Von "Natur erleben" erwarte der Landkreis Anfang Januar Informationen über die Förderung. Die GLL benötige genaue Kostenkalkulationen für das Projekt, weswegen der Landkreis derzeit bei Unternehmen anfrage, die sich mit ähnlichen Tourismus-Projekten auskennen. Bis Jahreswechsel, so Klebe, solle der GLL dieKalkulation vorliegen. "Das gesamte Konzept soll etwa bis Sommer stehen", erklärt Klebe. Zunächst sollen die Zäune aufgestellt werden. Doch auch nach Umsetzung aller geplanten Maßnahmen sieht Klebe großes Potenzial in den Spuren: "Das ist ein Projekt, das sich ständig weiterentwickeln wird."

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