weather-image
Unterwegs im Schaumburger Landrats-Wahlkampf mit dem CDU-Kandidaten Klaus-Dieter Drewes

Zuhören – und auch anderen was gönnen

Landkreis. Bei den Kaninchenzüchtern in der Liethhalle wird der Kandidat nicht erkannt. „Na, was züchtest du denn“, will der Vorsitzende wissen, und Klaus-Dieter Drewes lässt das erst einmal so stehen und sich selbst auf ein kleines Fachgespräch ein, schließlich hat er wirklich einmal dieses Zuchthobby betrieben. Aber dass er nicht erkannt wird in diesem Wahlkampf, ist die Ausnahme.

„Den anderen Luft geben“: Klaus-Dieter Drewes möchte

Autor:

Frank Westermann

Vor vier Jahren hat Drewes schon einmal für den Posten des Landrats kandidiert, trotzdem könnten die Unterschiede zwischen diesen beiden Wahlkämpfen nicht größer sein. 2005 stand nicht einmal seine Partei gänzlich hinter ihm, schließlich war der Gegner der Amtsinhaber, den selbst manches CDU-Mitglied weiterhin an der Spitze des Landkreises Schaumburg sehen wollte.

Damals musste Drewes viel Überzeugungsarbeit leisten, damit überhaupt Plakate aufgehängt wurden, „heute drängen sich die Mitglieder, um beim Wahlkampf mitzumachen“, erklärt Drewes, während er an einem nasskalten Samstag in Rolfshagen im Rosenweg am Heck seines Bullys steht und sein Werbematerial sortiert. Vier Stunden lang will er von Haus zu Haus gehen und für sich werben, erst in Rolfshagen, danach in Rehren. Helfen soll ihm der örtlich bekannte Torben Sven Schmidt, der als eine Art Türöffner fungiert: Darf ich Ihnen den Kandidaten vorstellen?

Die Euphorie, die Kandidat und Partei in diesen Tagen eint, ist beinahe spürbar, der Wille zum Wechsel fast greifbar. „Die roten Strukturen endlich aufbrechen“, heißt es am Stand der Rintelner CDU; vom „Blick von außen“, der der Kreisverwaltung fehle, ist häufig die Rede, während ein Mitglied den Stand noch schnell mit Himbeeren, Bananen und Mandarinen ausstattet: Die richtigen Vitamine haben in der Politik ja noch nie geschadet.

Vom besten Wahlkampfplakat „seit Jahrzehnten“ schwärmt Schmidt dagegen im Auetal. Und ein Thema, über das Drewes mit den Menschen reden konnte, hat es zwei gute, schöne und lange Wochen auch gegeben: das Kuhmotiv. Die CDU hat eins ihrer Großplakate auf einer Weide in Steinbergen aufstellen lassen, die Kühe haben dann das Motiv – den Kandidaten also – weggefressen, nur ein lichtes Haarbüschel blieb stehen. Unsere Zeitung griff das Fotomotiv auf, Drewes schob einen locker-flockigen Spruch nach – „und wurde wieder und wieder darauf angesprochen“, sagt er. Als „Kuhmotiv“ hat es seinen Platz in der Folklore der Kreis-CDU längst gefunden.

Das große Plus von Drewes: Er kann mit Menschen. Und zwar richtig gut. Immer gut gelaunt, immer bereit für einen lockeren Plausch, ein vertiefendes Gespräch. Drewes muss sich nicht zwingen, er wirkt glaubhaft, „ich gehe gerne auf Menschen zu“. Er hat die Märkte abgeklappert, war in Seniorenheimen und in Gottesdiensten, zieht von Haus zu Haus, abends werden noch die Mail-Zuschriften beantwortet und er spürt durchaus die Schwere des möglichen Landratsamtes: „Ich muss den Schaumburgern ja hinterher gerecht werden.“

Großartig ändern wird er sich nicht mehr, er wird seinen Stil beibehalten: „Den anderen Luft geben“, das habe er in 35 Berufsjahren so gehalten, das habe sich bewährt. Und natürlich zuhören: Gespräche könnten bei ihm das eine oder andere abrunden, wo vorher noch eine Ecke war. Denn der nächste Landrat müsse genau dies, sagt Drewes: zuhören, Kontakt zu einzelnen Gruppen halten, nicht mit dem Heimleiter reden, sondern mit den Angestellten, nicht mit dem Klassenlehrer diskutieren, sondern mit den Schülern.

Im Wahlkampf gibt sich Drewes auf der Zielgeraden locker-gelöst. In Rinteln etwa könnte die Entfernung zwischen den beiden an diesem Tag werbenden politischen Parteien kaum größer sein, trotzdem geht er auf dem Marktplatz sofort auf Sören Hartmann zu und begrüßt den Jung-Kandidaten der Linken recht herzlich. „Das könnte ja mein Sohn sein“, sagt Drewes, ehe er an den CDU-Stand eilt und die örtliche Parteiprominenz begrüßt. „Von mir aus kann Hartmann 20 Prozent erhalten“, sagt der CDU-Politiker grinsend, „wenn ich 50,1 Prozent erhalte, soll es mir recht sein.“

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare