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Die Weser als Navigationshilfe / Kraniche und Gänse in imposanten Schwärmen

Zugvögel gehen auf die große Reise

Weserbergland. Manchmal geraten nicht nur die Zugvögel ins Schwärmen, sondern auch Hans Arend: "Es ist schon ein beeindruckendes Schauspiel, wenn sich tausende von Staren aufschwingen und auf ihre Reise gehen", begeistert sich der Vorsitzende der Ortsgruppe Hessisch Oldendorf im Naturschutzbund (Nabu), "wie dunkle Wolken am Himmel." Der größteTeil der im Weserbergland heimischen Vogelarten - wie Kraniche, Störche, Enten, Schwäne, Gänse, Stare, Nachtigallen, Kiebitze und viele andere - verlassen in den Wintermonaten ihre Reviere und ziehen in die wärmere Gebiete Afrikas und Südeuropas. Minustemperaturen, geschlossene Schneedecken und die kürzeren Tage erschweren die Nahrungssuche für die Vögel in unseren Breiten so sehr, dass sie quasi gezwungen sind, "umzuziehen".

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Autor:

Matthias Rohde

Arend beobachtet seit Jahren den Vogelzug durch das Weserbergland. Dabei gibt es auch Grund zur Sorge, weiß Arend: "Der Klimawandel, vor allem aber der ständige Ausbau von Ackerflächen machen es den Zugvögeln schwer, ausreichend Nahrung bei ihrer Rast zu finden. Überall werden Feuchtwiesen dem Maisanbau geopfert, und wenn dann die Vögel auf ihrem Flug nach Süden bei uns Rast machen, ist das Futterangebot Jahr für Jahr geringer." Derzeit sammeln sich in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 100 000 Kraniche, um bei der kommenden Nord-Süd-Wetterlage, die dieser Tage eintreten soll, in ihr Zielgebiet, die Extremadura im Südwesten Spaniens, abzufliegen. Dabei fliegen sie auch über unserer Region hinweg und nutzen dabei die Weser als Navigationshilfe. Dietmar Meier, Referent für Biotope und Artenschutz der Nabu-Ortsgruppe Hessisch Oldendorf, richtet seinen Jahresurlaub auf eben dieses Ereignis aus. Der Hobbyornithologe wird auch in diesem Jahr die Kraniche bei ihrem Zug - allerdings am Boden mit dem Auto - begleiten. "Kraniche sind Langstreckenzieher und können je nach Windgeschwindigkeit und -richtung 500 Kilometer ohne Pause zurücklegen." Die im benachbarten Bundesland weilenden Kraniche haben bereits einen langen Weg hinter sich. Ein Teil von ihnen kommt aus Sibirien, ein anderer aus Skandinavien, hauptsächlich aus Finnland. Die reiche Seenlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern bietet den Vögeln ein üppiges Nahrungsangebot. Meier ist die Vorfreude bereits anzumerken: "Erst steigt einer auf, dem folgen weitere drei, und plötzlich starten 200 Vögel. Es ist ein Geräusch, das man nie vergisst. So starten dann in Abständen von mehreren Minuten immer weitere Schwärme." Der Vogelzug ist in vielen Details ein Rätsel. Auch wenn einige Fragen des Vogelzugs längst wissenschaftlich beantwortet sind, bleiben andere unbeantwortet. Klar ist, dass sich Vögel bei Tag Flüsse als Orientierungshilfe nutzen und nachts die Sterne. Andere Fragen, wie beispielsweise die der Navigation mittels Magnetismus, sind noch nicht abschließend bewiesen. "In den kommenden Tagen lohnt sich ein Blick in den Himmel, und am Abend, wenn es ruhiger wird auf den Straßen, kann man sie vielleicht hören", sagt Meier und ergänzt: "Wenn man Trompeten am Himmel hört, dann weiß man, das sind Schwäne. Kraniche hingegen zeichnen sich durch einen kehligen Krächzlaut aus, der aber aus vielen Kehlen tritt und ein unvergessliches Erlebnis ist." Allerdings ist nicht jeder offen für solche Eindrücke. Arend und seinen Mitstreiter liegt dabei der Nachwuchs besonders am Herzen: "Wissen Sie, wenn ich mir anschaue, dass Kinder 130 verschiedene Handyklingeltöne erkennen können, aber beim dritten Vogelruf aufgeben, dann macht mich das traurig."

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