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Grupenhagen feiert Erntefest mit Flüchtlingen

Zufluchtsort und Heimat

Grupenhagen. Eine bunt geschmückte Erntekrone, die Kür der Erntekönigin und der anschließende Ehrentanz – eigentlich läuft das traditionelle Erntefest des Kultur- und Heimatvereins Grupenhagen nach festen Regeln ab. In Ermangelung einer jungen Dame aus dem eigenen Ort, die bereit war, das hoheitliche Ehrenamt für ein Jahr zu übernehmen, war die Wahl des Vorstandes um die beiden Vorsitzenden Antje Tegtmeyer und Kerstin Wellhausen in diesem Jahr auf Dana Uhlenbrock aus der Nachbarsiedlung Boldenkoven gefallen.

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Und als ob das nicht schon genug Neuerung im Ablaufplan der Traditionsveranstaltung war, zog ein älterer Unbekannter die fragenden Blicke vieler Festbesucher auf sich. Dabei sind Neubürger für die Grupenhäger längst nicht Ungewöhnliches mehr, schließlich wohnen seit Ende des vergangenen Jahres immer mehr Flüchtlinge im Ort.

Und einige von ihnen sind mittlerweile zu festen Bestandteil der Dorfgemeinschaft mitsamt ihrer Feste geworden. Das Auffällige an dem neuen Gesicht im Ort war eigentlich nur seine Bekleidung: Er trug eine Jacke des Kultur- und Heimatvereins.

Karl Pape, Ehrenvorsitzender des Vereins, lüftet das Rätsel um den Fremden: „Knut Krug kommt aus Hannover, ist aber gebürtiger Grupenhäger und hat seine ersten zwölf Lebensjahre im Ort verbracht“, so Pape.

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Auch die Familie Krug war 1944 auf der Flucht – vor den Bomben, die während des Zweiten Weltkrieges auf Hannover niedergingen. Als Ausgebombte ohne Dach über dem Kopf kamen sie in Grupenhagen an und fanden eine Unterkunft in der Leibzucht des Hofes Lübbecke-Deetjen.

1945 wurde Sohn Kurt geboren und die Familie aus der Stadt integrierte sich ins Dorfleben, so wie aktuell die Flüchtlinge auch. 1957, als in Hannover wieder ausreichend Wohnraum zur Verfügung stand, kehrte die Familie Krug in ihre Heimatstadt zurück.

In Grupenhagen ließ der damals zwölfjährige Knut Schulfreundschaften und ein Stück Heimat zurück, wie er sagt. Während seiner Jugend und auch später im Berufsleben spielte der Ort seiner Kindheit und die Erinnerungen daran eine eher untergeordnete Rolle, doch heute, im Rentenalter, hat es ihn immer stärker beschäftigt, was wohl aus seinen Freunden von damals geworden ist, erzählt Krug.

Und so hat er sich im Frühsommer in Richtung seines Geburtsortes aufgemacht und erst einmal den örtlichen Friedhof aufgesucht. Für ihn sei es sehr ergreifend gewesen, die vielen bekannten Namen zu lesen, wie Krug weiter erzählt. Und dann traf er auf Karl Pape, der ihn auf den ersten Blick für seinen älteren Bruder Peter hielt. Schnell schwelgten die beiden Senioren in Erinnerungen. Der Einladung Papes zur Sonnenwendfeier folgte der Hannoveraner gerne.

Und im Kreis seiner alten Schulfreunde Hartwig Grote und Heinz Sporleder, die er über 50 Jahre nicht gesehen hatte, fühlte sich Krug gleich wieder so wohl, dass er auch unverzüglich ein Stück alte Heimat in Form einer Vereinsjacke bestellte, die nun, nach der Übergabe beim Erntefest, allerlei Fragen nach der Identität des Trägers aufwarf.

Grupenhagens Erntekönigin Dana Uhlenbrock beim Ehrentanz mit Jobst Wehrmann.sbr

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